Zuzenhausen: Dorfgemeinschaftshaus muss saniert werden
Zuzenhausen. (bs) Der Gemeinderat will für das Dorfgemeinschaftshaus „Alte Schule“ viel investieren. Der stattliche Bau, der in den Jahren 1878/1879 entstanden ist, war bis 1953 die Heimat der Zuzenhäuser Schülerinnen und Schüler sowie die Wohnstätte zweier Lehrerfamilien. „Für das schöne Stück Geld (37.318 Mark) dürfte das Schulhaus praktischer eingerichtet sein. Die Treppenaufgänge nehmen zu viel Platz weg. Äußerlich aber ist es ein stattlicher Bau“, urteilte 1896 der Dorfchronist und Pfarrer Philipp Glock. Seit der umfassenden Sanierung 1991 nutzen die Ortsvereine die unter Denkmalschutz stehende „Alte Schule“ als Dorfgemeinschaftshaus. Außerdem gibt es im Obergeschoss Wohnungen für zwei Familien.
Die Vertreter der Ortsvereine und die Mieter verfolgten deshalb aufmerksam die Beratungen des Gemeinderats zur Zukunft des Gebäudes. Die „schwächelnde“ Heizungsanlage musste in den letzten zwei Wintern repariert werden, und eine eingehendere Untersuchung der historischen Substanz wurde veranlasst. Der 29 Jahre alte Heizungskessel müsse wegen der Energiesparverordnung im kommenden Jahr ausgetauscht werden, stellte die beauftragte Firma bei der Überprüfung fest. Laut der Verordnung müssen 15 Prozent der Wärme über regenerative Energien gedeckt werden oder mittels energetischer Maßnahmen eingespart werden.
Architekt Thomas Müller aus Aglasterhausen hat die Bausubstanz des Dorfgemeinschaftshauses näher untersucht. „Auf den ersten Blick ganz passabel“, sagte Müller vor dem Gemeinderat. „Aber im zuletzt 1991 denkmalgerecht sanierten Gebäude hat sich einiger Sanierungsbedarf entwickelt“, lautete Müllers Fazit nach der Untersuchung.
Das offene Treppenhaus mit einer Holztreppe über drei Etagen entspricht nach der Versammlungsstättenverordnung nicht mehr den Anforderungen des vorbeugenden und rettenden Brandschutzes. Nach den Abstimmungen mit dem Landesdenkmalamt kann auf der Rückseite des Gebäudes eine Fluchttreppe errichtet werden, um einen zweiten Rettungsweg für die Vereinsräume im ersten Stockwerk und im Speicher zu schaffen. Das Treppenhaus soll in den Etagen mittels Brandschutztüren beziehungsweise Leichtbauwänden abgetrennt werden.
Das bisher ungedämmte Dach soll wegen Schadstellen erneuert werden und eine Dämmung erhalten. Ein Feuchtigkeitsschaden im Sandstein hinter der Holzverkleidung im Foyer muss saniert werden. Die denkmalgerechten Verbundfenster weisen keine strukturellen Mängel auf, sollen aber einen neuen Anstrich und eine Abdichtung erhalten. Dazu soll in den Vereinsräumen die Akustikdecke ausgetauscht sowie eine lautstarke – und deshalb selten genutzte – Lüftungsanlage stillgelegt werden.
Der Gemeinderat hatte sich bereits bei einem Ortstermin im Sommer eingehend mit den Sanierungsmaßnahmen beschäftigt. Der Einbau eines Aufzugs wurde aus Kostengründen verworfen. Ein Treppenlift ist in öffentlichen Gebäuden nicht zugelassen, für einen Plattformlift fehlt im Treppenhaus der Platz.
Der Gemeinderat stimmte der von Architekt Müller vorgelegten Planung mit zu erwartenden Baukosten von 530.000 Euro zu. Nach einer Anfrage beim Landesdenkmalamt sind keine Fördermittel aus der Denkmalpflege zu erwarten. Wie üblich sei der Denkmalschutz reich an Ideen und Auflagen, aber ohne Mittel, kritisierte das Plenum.
Dafür beschloss das Gremium die Erweiterung des Sanierungsgebiets „Ortsmitte II“ um das Flurstück Mühlweg 5, auf dem das Dorfgemeinschaftshaus steht. Danach kann die Gemeinde eine Förderung aus dem Landessanierungsprogramm von rund 270.000 Euro erwarten.
