Heidelberg: "Wir legen in den Köpfen der Menschen etwas Neues an"
Von Anica Edinger
Heidelberg. Andere Filme anders zeigen: Das ist der Leitgedanken für Kommunale Kinos. Jedenfalls, wenn es nach Claus Schmitt, Vorsitzender des Medienforums, geht. Um die Zukunft genau dieser Art von Kinos geht es nun beim 15. Bundeskongress Kommunaler Kinos, der dieses Jahr zum ersten Mal von Freitag bis Sonntag, 6. bis 8. Dezember, im Karlstorkino stattfindet. Dann kommen Betreiber aus der ganzen Bundesrepublik in die Stadt. Was besprochen werden muss, erklärt Schmitt im Interview.
Herr Schmitt, beim Kongress geht es auch um die Zukunftsfähigkeit von Kinos. Ist Ihr Karlstorkino zukunftsfähig?
Das Karlstorkino ist zukunftsfähig, weil es alle Formate zeigen kann: analog, digital und 3D. Wir sind zudem auch das einzige Haus in der Stadt, das Filme in vielen verschiedenen Herkunftssprachen zeigt – ein wichtiges Stück Welterfahrung. Film wird mittlerweile auch von der Politik als Kulturgut wahrgenommen, das eine Zukunft braucht. Wir haben deshalb auch alle Stadträte zum Kongress und zum Gespräch eingeladen.
Das Thema beim Kongress ist ja Kinoarchitektur. Wie würde denn Ihr Traum-Kino aussehen?
In den Zwanziger-Jahren hat man opulente Kinos gebaut, die wie Theater oder Opernhäuser die Stadt geprägt haben. Heute hat man das leider vergessen. Deshalb hätte mein Wunsch-Kino schlicht viele Räume in verschiedenen Größen. Dort könnte man Filme auch für kleine Personengruppen zeigen oder Seminare anbieten. Kino also nicht nur als Projektionsraum, sondern gerade auch als Begegnungszentrum. Das würde ich liebend gerne machen.
Nun wird für Sie gerade ein neues Kino gebaut im neuen Karlstorbahnhof auf den Campbell Barracks in der Südstadt. Haben Sie da diesen Wunsch geäußert?
Wir sind mittendrin und ständig in Gesprächen mit den Architekten. Aber auch in der Südstadt sind die Räume begrenzt und wir nicht die einzigen, die einziehen. Deshalb ist auch unser Standbein in der Altstadt weiterhin so wichtig für uns. Schließlich geht es auch darum, Kino im Dialog mit seinem Umfeld zu machen – das gelingt in der Altstadt hervorragend etwa in Kooperation mit der Uni. In der Südstadt wird das eine spannende Herausforderung für unsere Arbeit sein, aber wir freuen uns darauf.
Manche sehen das Kino generell in der Krise. Wieso sind Sie so zuversichtlich, dass Sie gleich zwei Kinos wirtschaftlich betreiben können?
Sogenannte Streaming-Dienste wie Netflix spielen für Kinos natürlich eine Rolle – aber fast nur für die kommerziellen. Wir als Kommunales Kino haben einen Kultur- und einen Bildungsauftrag, das heißt, wir legen in den Köpfen der Menschen etwas Neues an. Und: Unser Kino wird sehr gut angenommen, und nach unseren Berechnungen tragen sich die beiden Spielstätten gegenseitig. Außerdem wächst die Stadt um 2000 Menschen pro Jahr. Darauf muss es auch eine kulturpolitische Antwort geben. Das muss in der Politik noch ankommen, da setzt der Kongress an einem guten Punkt an – nämlich Kino als Impulsgeber.
Info: 15. Bundeskongress Kommunaler Kinos „Cinema and the City“. Eröffnung am Freitag, 15 Uhr, im Karlstorkino. Öffentliches Filmprogramm, Kartenverkauf unter www.karlstorkino.de.
