Mitten ins Herz: Bitteres Pokal-Aus der Rhein-Neckar-Löwen gegen Hannover-Burgdorf
Von Tillmann Bauer
Mannheim. Auf einmal war es still in der SAP Arena. Die gut 7000 Zuschauer hatten in der Schlussminute für ordentlich Krach gesorgt, doch plötzlich herrschte absolute Ruhe. Weil der dänische Weltklasse-Mittelmann Morten Olsen mit der Schlusssirene den letzten Angriff der TSV Hannover-Burgdorf mit einem Kracher-Wurf unter die Torlatte beendete, kassierten die Handballer der Rhein-Neckar Löwen im Viertelfinale des DHB-Pokals eine ganz bittere 30:31-Heimpleite. Der Traum von der zwölften Teilnahme beim Final Four in Hamburg war geplatzt. Die Köpfe gingen nach unten.
Andy Schmid setzte sich erst einmal auf den Hallenboden und vergrub sein Gesicht hinter seinen Händen. Er war bitter enttäuscht. Der Schweizer, den man gut und gerne auch als Lebensversicherung der Rhein-Neckar Löwen bezeichnen kann, konnte wohl selbst kaum glauben, was an diesem Mittwochabend geschah. Der Spielgestalter, der selbst vorzugsweise gemütlich unterwegs ist, zündete zwar den Turbo und war mit seinen 16 Feldtoren (!) mehr oder weniger alleine dafür verantwortlich, dass es zu einem echten Handball-Krimi kam. Doch es sollte nicht reichen, die Dienstreise nach Hamburg durften die mitgereisten Fans aus Hannover feiern – die Löwen sind raus.
„Wir haben heute ein großes Ziel verpasst“, sagte Schmid. Er war einer der Ersten, die versuchten, diese Niederlage in Worte zu fassen: „Gerade, weil wir uns noch einmal zurückgekämpft und den Zuschauern einen tollen Kampf geboten haben, ist das natürlich extrem bitter.“ Denn die Chance auf den Einzug ins Final Four war mehr als greifbar, auch wenn an diesem Abend bei weitem nicht alles gut war. Die Löwen spielten insgesamt wieder einmal zu inkonstant. Mal hatte man eine Phase, in der alles zu gelingen schien, mal traf man eine unglückliche Entscheidung nach der anderen.
Doch zurück zum Beginn: Es war eine Anfangsphase, die das verdeutlichte, was sich viele Fans unter dem Begriff „Pokal-Fight“ bildlich vorstellen. Weil sich beide Mannschaften bekämpften, robust in die Zweikämpfe gingen und dabei häufig einen oder manchmal auch mehrere Schritte zu spät kamen, gab es viele Zeitstrafen – und dadurch auch einige Freiräume auf dem Feld. Eine Situation, die für den cleveren Schmid wie gemalt ist. Er riss das Spiel an sich und umkurvte die Hannoveraner Abwehrspieler als wären sie Slalomstangen.
Weil Schmid aber lediglich offensiv eine Waffe ist und in der Defensive meist auf der Bank Platz nehmen darf, hatte die Mannschaft von Trainer Kristjan Andresson vor allem in der Abwehr Probleme, was zur Folge hatte, dass die Recken mit einer 17:14-Auswärtsführung zur Halbzeit in die Katakomben der SAP Arena stiefelten. Es war der Moment, in dem auch die Gäste, die lange als Überraschungsmannschaft der Bundesliga galten, begannen, von der Fahrt nach Hamburg zu träumen. Die Hoffnung war – so sollte es sich später herausstellen – berechtigt.
Dass es überhaupt zu einem Krimi kam, hatten die Zuschauer, die mal wieder auf ihre Kosten kamen, nicht nur Schmid zu verdanken, sondern eben auch seinem Gegenüber. Morten Olsen, der noch im Januar gemeinsam mit Löwe Mads Mensah Larsen Weltmeister geworden ist, übernahm bei den Recken die Verantwortung auf der Mitte und erzielte zehn Tore. Kein Wunder, dass er es war, der die Löwen mitten ins Herz traf.
Löwen: Appelgren, Palicka - Schmid 16, Gensheimer 4/1, Kirkelokke, Tollbring, Abutovic, Mensah Larsen 3, Fäth, Groetzki 2, Guardiola, Petersson 2, Nielsen, Ganz, Kohlbacher 3.
Hannover: Ebner, Lesjak - Cehte 1, Martinovic 4, Patrail 2, Thiele, Pevnov 1, Jönsson, Böhm 3, Ugalde 1, Krone, Olsen 10/4, Brozovic 5, Feise, Kastening 4, Büchner.
Stenogramm: 3:1 (5.), 4:3 (10.), 8:7 (15.), 11:11 (20.), 11:14 (25.), 14:17 (Halbzeit) - 20:20 (35.), 23:20 (40.), 25:22 (45.), 26:25 (50.), 28:28 (55.), 30:31 (Ende).
Zuschauer: 7620
