Rhein-Neckar-Kreis: "Nicht immer nur beschweren"
Von Katharina Schröder
Rhein-Neckar. Mit gerade einmal 22 Jahren für die Linke in den Kreistag? Da wollte Frederike Marx nicht nein sagen. Als Parteikollege Edgar Wunder sie nach einer Kandidatur für den Kreistag des Rhein-Neckar-Kreises gefragt habe, sei ihr die Entscheidung leichtgefallen. „Ich kann mich nicht immer nur beschweren, ich muss auch mal was machen“, sagt die Nachwuchspolitikerin und lacht. „Aber ich selbst wäre gar nicht darauf gekommen, für den Kreistag zu kandidieren“, erzählt sie. Jetzt ist sie das jüngste Mitglied des Gremiums.
„Ich komme aus einer politischen Familie, das ist mir einfach ein wichtiges Anliegen“, sagt sie. Daheim werde stets viel diskutiert. Sie ist auch nicht die Erste in ihrer Familie, die sich politisch engagiert. „Mein Opa war im Bundestag, allerdings für die CDU“, erzählt sie. Das sei aber schon lange her, einen Familienzwist gebe es deshalb nicht.
Knapp ein Jahr vor der Kommunalwahl trat sie in die Partei Die Linke ein. „Ich habe eine Haushaltsdebatte im Bundestag geschaut und eine Rede von Sahra Wagenknecht gehört“, erinnert sich Marx. „Fünf Minuten später war ich Mitglied.“ Auch davor habe sie schon öfter mit dem Gedanken gespielt, der Partei beizutreten. Danach habe sie sich bei der Linksjugend in Heidelberg unter anderem als Schatzmeisterin eingebracht. „Das Amt musste ich mit der Wahl aber aus zeitlichen Gründen abgeben“, erklärt Marx. Im Kreistag sitzt die 22-jährige Physikstudentin neben gestandenen Kommunalpolitikern, ist ihr Alter da ein Problem? „Also man merkt schon im Umgang, dass ich die Jüngste dort bin“, meint sie. „Aber der Kreistag ist jetzt nicht das größte Streitgremium, da ist viel Konsens.“ Ob sie sich ernst genommen fühlt, sei noch schwer zu sagen. „Wir hatten ja erst zwei Sitzungen und ich hatte erst einen Redebeitrag." Thema war der Beteiligungsbericht.
„Eigentlich sagen da alle Parteien das Gleiche und ich habe nur betont, was uns besonders wichtig war“, sagt Marx. „Deshalb war ich auch schon nach einer Minute fertig“, erzählt sie und lacht. Feedback habe sie auch schon erhalten, ihr Beitrag sei „erfrischend“ gewesen. „Ob man mich ernst nimmt, wird sich zeigen, wenn kontroverse Themen kommen, denke ich“, sagt die Studentin, ist aber optimistisch. Ein kontroverses Thema könnte zum Beispiel Umwelt oder Klima sein. „Ich war schon immer sehr engagiert, den Klimawandel aufzuhalten“, erzählt sie. Deswegen ist sie auch im Ausschuss für Umwelt, Verkehr und Wirtschaft, das Thema liege ihr am Herzen.
Wichtig ist ihr auch die Bürgerbeteiligung. „Manchmal habe ich den Eindruck, dass nicht alle Parteien an einer größeren Bürgerbeteiligung interessiert sind“, kritisiert sie. Daran arbeite ihre Partei. „Wir haben als Fraktion den Vorschlag einer Bürgerfragestunde in den Ausschüssen eingebracht und er wurde angenommen“, freut sie sich.
Die 22-Jährige kommt aus Wiesbaden und zog für das Physikstudium nach Eppelheim. Im Moment schreibt sie ihre Bachelorarbeit über Planetenentstehung. Die Koordination von Kreistag und Studium gelinge ihr bisher gut. Eine weitere Karriere in der Politik kann Marx sich jedoch nicht vorstellen. „Die Forschung reizt mich einfach mehr“, erklärt sie. Aber man wisse ja nie.
