Mosbach: Das sagt der Bürgermeister zur Alten Mälzerei
Von Alexander Rechner
Mosbach. Mit welchen Kochrezepten hat man Gäste in das Restaurant der Alten Mälzerei gelockt? Vor einem Jahr hat das Kultur- und Tagungszentrum Alte Mälzerei das dortige Restaurant übernommen – alles in einer Hand und (quasi) unter einem Dach. Im Zuge dessen beschloss der Mosbacher Gemeinderat, das Kultur- und Tagungszentrum inklusive Gaststätte unter Federführung von Bürgermeister Michael Keilbach privatrechtlich zu betreiben. Mit dem Bürgermeister blickten wir im Rahmen unseres Formates "Gespräch im Rathaus" auf das vergangene Jahr zurück und auf kommende Veranstaltungen voraus.
Herr Keilbach, wir treffen uns heute auf dem Rathausturm. Von hier aus hat man auch einen tollen Blick auf die Alte Mälzerei. War die Entscheidung richtig, den dortigen gastronomischen Betrieb in städtischer Regie zu führen?
Diese Entscheidung hat unser Gemeinderat nach reiflicher Überlegung und unter Abwägung sämtlicher Gesichtspunkte getroffen. Ich bin fest davon überzeugt, dass sie richtig ist. Denn wir können kleinere und größere Veranstaltungen mit mehreren hundert Personen in unserer guten Stube passgenau betreuen.
Dennoch entzündete sich Kritik an der städtischen Übernahme des Restaurants...
Die Kritik basierte wohl auch auf der Annahme, wir könnten mit Steuergeldern die Gaststätte bezuschussen und damit für eine Wettbewerbsverzerrung sorgen. Das ist aber nie unsere Absicht gewesen. Und um es klar zu sagen, die Stadt darf keinerlei Zuschüsse in die Gastronomie der Alten Mälzerei fließen lassen. Das Restaurant muss sich wirtschaftlich tragen. Der Gesetzgeber hat im Kommunalrecht als auch im EU-Beihilferecht einen Riegel vorgeschoben und achtet auch ganz genau auf die Einhaltung der Vorschriften.
Die Große Kreisstadt Mosbach muss aber jedes Jahr einen Verlust der Alten Mälzerei ausgleichen, denn sie ist ein Betrieb der kommunalen kulturellen Daseinsfürsorge und dient auch als Stadthalle. Wie entwickeln sich aktuell die Zahlen?
Die Zahlen entwickeln sich gut. Man muss sehen, dass vergleichbare Häuser einen Zuschussbedarf von über einer Million Euro haben. Als ich vor Jahren den Eigenbetrieb Alte Mälzerei übernommen habe, lagen wir noch bei einem städtischen Zuschussbedarf von rund 850.000 Euro, heute sind es nur noch rund 520.000 Euro. Und das, obwohl die Personalkosten gestiegen sind und Investitionen getätigt wurden.
Insbesondere für Maßnahmen des Brandschutzes fallen momentan rund 770.000 Euro an. Mittlerweile finden jährlich in unserer Alten Mälzerei 650 Veranstaltungen statt - ohne gastronomische Veranstaltungen. Besonders erfreulich ist, dass wir den Umsatz des Restaurants im ersten Halbjahr stärker als ursprünglich geplant steigern konnten. Das ist vor allem ein Verdienst unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.
Apropos Umsatzsteigerung im Restaurant: Welche wirtschaftlichen Ziele verfolgen Sie als Geschäftsführer?
Sukzessive wollen wir das wirtschaftliche Ergebnis des gastronomischen Betriebs verbessern und schließlich auch in schwarze Zahlen kommen. Im Moment bin ich zufrieden, wir liegen voll im Plan. Ein schönes Zeichen ist auch, dass sich unsere Gäste wohlfühlen, zufrieden sind.
Mit welchem Rezept haben Sie das Restaurant von anderen abgehoben?
Mit Frau Ruth Goldbaum als Gastro-Leiterin und unseren mittlerweile vier Köchinnen und Köchen sind wir gut und professionell für die Zukunft aufgestellt. Unser Rezept sieht eine regionale, frische und saisonale Küche vor. Darauf legen wir großen Wert. Entsprechend haben wir das Restaurant ausgerichtet. Gleichzeitig ist es uns wichtig, auf individuelle Anliegen unserer Gäste einzugehen. So kann man bei uns beispielsweise auch ein romantisches Candle-Light-Dinner genießen, wenn es gewünscht wird.
Eine Ihrer Ideen ist die Erweiterung des Biergartens vor der Alten Mälzerei. Wie ist der aktuelle Stand?
Das Vorhaben wird umgesetzt, der Biergarten kommt. Die Fläche vor der Alten Mälzerei wird vergrößert. Von derzeit rund 80 Plätzen wollen wir unseren Biergarten ebenerdig auf rund 180 Plätze erweitern. Den Bauantrag haben wir schon gestellt, in der Zwischenzeit haben uns die Behörden grünes Licht hierfür erteilt. Wir können nun die Arbeiten ausschreiben und dann loslegen.
Wie sehen denn die Planungen konkret aus?
Der Biergarten soll dem dortigen Gelände angepasst werden. Wie man es aus Bayern kennt, sollen auch Bäume gepflanzt werden. Und ein Verkaufspavillon soll dort errichtet werden, damit man den herrlichen Ausblick bei einem kühlen Blonden genießen kann. Hierzu wollen wir zusätzlich eine kleine Biergartenkarte auflegen. Das soll unser breites gastronomisches Angebot abrunden.
Welche besonderen Veranstaltungen werden künftig in der Alten Mälzerei angeboten?
Im Dezember kommt beispielsweise der Komiker Bülent Ceylan nach Mosbach. Ich freue mich sehr darüber, dass es uns gelungen ist, ihn für einen Auftritt in der Alten Mälzerei zu gewinnen. Überdies ist es uns geglückt, eine große Tagung mit bis zu 700 Teilnehmern an Land zu ziehen. Dabei standen wir in Konkurrenz mit mehreren viel größeren Häusern in Baden-Württemberg.
Wollen Sie schon verraten, um welche Tagung es sich hierbei handelt?
Der Verein für Deutsche Wachtelhunde wird über mehrere Tage hinweg in unserer Alten Mälzerei zusammenkommen. Das Schöne daran ist, davon werden auch die Hotels und Gastronomie unserer Stadt profitieren. Überdies konnten wir die Toxikologen überzeugen, in den nächsten Jahren auch weiterhin in Mosbach zu tagen.
Ein schöner Erfolg ist auch, den Bachelorball der Dualen Hochschule Baden-Württemberg zum zweiten Mal ausrichten zu dürfen. Früher feierten die Studierenden mit ihren Familien abends noch in Heilbronn, heute bei uns hier in Mosbach. Damit generieren wir auch wieder Übernachtungen für unsere Hotels.
Sie sprachen gerade die Mosbacher Hotels an: Hätten Sie weiterhin gerne ein solches in unmittelbarer Nähe zur Mälzerei?
Im Moment steht dies nicht ganz oben auf unserer Liste. Aber viele Kunden rufen an und wünschen sich ein Hotel in unmittelbarer Nähe zur Alten Mälzerei. Aus einer Erhebung wissen wir, dass in Mosbach durchaus noch Bedarf an Hotels besteht. Vielleicht findet sich ein Investor, der neben unserer guten Stube eines bauen möchte. Unsere Türen stehen jedenfalls offen.
