Ittlingen: So wurde kleinen Entenküken das Leben gerettet
Von Anjoulih Pawelka
Ittlingen. Ganz eng aneinandergeschmiegt kuscheln sie sich in dem Hasenstall zusammen: die kleinen Entenküken, die seit einiger Zeit bei Familie Finsinger wohnen. Eine Nachbarin habe bei ihnen an der Tür geklingelt, erzählt Rolf Finsinger, im Arm einen Wäschekorb, über dem eine weiße Decke lag. "Als sie diese öffnete, schauten mir acht Entenküken entgegen, die mit ihrer Unterbringung nicht zufrieden waren", erzählt der 61-Jährige weiter.
Die Entenmutter habe auf der Terrasse der Nachbarin gebrütet und habe sich, aus welchen Gründen auch immer, nicht um ihren Nachwuchs gekümmert. Also haben die Finsingers beschlossen, die Findlinge vor dem sicheren Tod zu retten. "Das war mir schon klar, als die Nachbarin mit dem Wäschekorb vor unserer Tür stand, dass wir die behalten", sagt Rolf Finsinger. Und dann erzählt er, wie ihnen die Enten entwischt sind, und sie diese erst einmal wieder einfangen mussten.
Als Rolf Finsinger den Wäschekorb öffnete, hüpfte eines der kleinen Küken über den Rand und verschwand zwischen den Blumen im Vorgarten. Irgendwann gelang es ihm den Ausreißer einzufangen. Nicht der einzige Fluchtversuch. Kurze Zeit später, als die Wildentenküken in das Gehege der Laufenten, die Familie Finsinger seit sieben Jahren im Garten hält, einziehen sollten, entwischte ein weiteres Küken durch die zwei mal zwei Zentimeter großen Löcher des Zaunes.
"Sofort kam Hektik auf", erzählt Rolf Finsinger, hinter dem Stall sei der öffentliche Spielplatz, der über einen Meter tiefer gelegen sei. "Ich rannte sofort hinunter und da purzelte es auch schon über den Mauerrand." Zum Glück sei es weich auf den Rasen gefallen. Trotzdem musste sich Finsinger beeilen, das flinke Entchen einzufangen.
Nicht genug, entwischte ein weiteres Küken und schwamm im Teich, der eigentlich für die Gänse, die ebenfalls bei Familie Finsinger wohnen, gedacht ist. Als seine Frau Cornelia es einfangen wollte, sei es ebenfalls auf die Mauer zugerannt und er habe es erwischen können, erzählt Rolf Finsinger weiter. Danach hätten sie erst einmal die Maschen des Entenzaunes verkleinert.
Eigentlich sollten die kleinen Findlinge zusammen mit den Laufenten aufwachsen. "Wir haben gehofft, dass die beiden mütterliche Instinkte bekommen", sagt Cornelia Finsinger. Doch anscheinend seien sie schon zu alt dafür, denn von ihrer Aufgabe wollten sie nichts wissen.
Noch tragischer: Zwei der kleinen Entchen überlebten die Nacht im Stall nicht. Wahrscheinlich wurden sie von den Laufenten niedergetrampelt. Auch ein weiteres Küken starb. Sie hätten in einem Buch gelesen, dass nur fünf Prozent der Brut das erste Jahr überleben würde, sagt Rolf Finsinger.
Mittlerweile sind die Küken in ihrem Hasenstall im Wohnzimmer der Finsingers aufgewacht. Die Nächte draußen waren zu kalt.
Langsam fängt eines der Küken an sich zu putzen, zupft an seinen Flügeln, steckt den Kopf in das Gefieder. Die Anderen machen es ihm gleich. Man könne deutlich die unterschiedlichen Charaktere erkennen, sagt Cornelia Finsinger. Die Küken seien aber sehr pflegeleicht. "Da muss man nicht viel machen", sagt Rolf Finsinger.
Vom ersten Tag an hätten sie alleine gefressen. Wäre das nicht der Fall gewesen, dann wären die Finsingers aber auch nachts aufgestanden, um die kleinen Entchen zu füttern. Wie es weitergeht? Die beiden hoffen, dass die Enten wenn sie um die sechs Wochen alt sind, von selbst fortfliegen. Immerhin seien es ja Wildenten. Einen genauen Plan haben die Finsingers aber noch nicht. "Wir lassen das auf uns zukommen", sagt Rolf Fisinger ganz entspannt.
