Buchen: So läuft das Fastenbrechen in der Ditib-Moschee
Buchen. (mb) Abends gegen 21 Uhr kehrt Leben ein in die Ditib-Moschee in der Buchener Gutenbergstraße. Die Parkmöglichkeiten reichen kaum aus. In Zelten warten gläubige Muslime auf den Sonnenuntergang. An der Essensausgabe bildet sich eine lange Schlange. Bis einschließlich 3. Juni dauert in diesem Jahr der Ramadan, der Fastenmonat des Islam.
Jeden Abend kurz vor Sonnenuntergang treffen sich Muslime zum gemeinsamen Fastenbrechen während des Ramadans auf dem Gelände des Vereins Ditib Buchen in der Gutenbergstraße. Ein aus der Türkei eingeflogener Koch bereitet täglich Speisen für rund 300 Personen zu.
Wie Harun Bozkurt, stellvertretender Vorsitzender des Vereins, erläuterte, lade der Verein bereits zum sechsten Mal während des Ramadans zum abendlichen Essen ein. Bisher habe ein Vereinsmitglied gekocht. In diesem Jahr habe man über das türkische Konsulat beantragt, einen Koch aus der Türkei nach Buchen zu entsenden.
Nach Bozkurts Worten ist der Koch staatlicher Angestellter. Der Verein zahlt ihm ein Taschengeld und stellt die Unterkunft. Das Essen selbst finanzieren Vereinsmitglieder, an jedem Abend vier andere Familien. Sie helfen auch beim Kochen, geben das Essen aus, spülen das Geschirr und räumen auf. Diesmal hat der Koch Gulasch mit Kichererbsen, Reis und Salat zubereitet. Zum Nachtisch gibt es Törtchen.
Anders als bei Christen sprechen Muslime nach dem Essen das Tischgebet. Gegen 22.30 Uhr trifft man sich zum gemeinsamen Nachtgebet. Die meisten Gläubigen kehren anschließend nach Hause zurück. Schließlich müssen in der Regel viele von ihnen am nächsten Tag wieder arbeiten oder zur Schule gehen. "Einige wenige bleiben bis nach 3 Uhr morgens, bis zum Sonnenaufgang", sagt Harun Bozkurt. Dann beginnt für die Muslime wieder die Fastenzeit.
Der Ramadan zählt zu den fünf Säulen des Islam. Dazu gehören auch das Gebet, die Pilgerfahrt, die Almosen und das Glaubensbekenntnis. Da sich im Islam die Zeitrechnung nach dem Mondkalender richtet, verschiebt sich der Ramadan jedes Jahr um zehn oder elf Tage nach vorn. Außerdem dauert er 29 oder 30 Tage. In Buchen begann der Ramadan am 6. Mai und endet am Abend des 3. Juni.
Am 4. Juni feiern die Muslime das sogenannte Ramadanfest oder das Fest des Fastenbrechens. Wie Harun Bozkurt erläuterte, beginne dies morgens um 6.30 Uhr mit einem Gebet und einem anschließenden Frühstück. "Viele nehmen sich an diesem Tag frei", sagt Bozkurt. "Das ist ein Fest der ganzen Familie." Man feiere mit den Eltern, besuche Großeltern und andere Verwandte oder telefoniere mit diesen. Man beschenkt sich gegenseitig, Kinder erhalten Süßigkeiten. Das Fest dauert drei Tage lang.
Nach den Worten von Harut Bozkurt besteht der Ditib-Verein Buchen aus 170 Familien. Im Mittelbereich Buchen ist man Anlaufstelle für rund 3 000 Muslime. Vor kurzem ist der Verein in neue Räume in die Gutenbergstraße umgezogen. Diese baut man zurzeit um und errichtet einen Anbau. Bisher war der Verein jahrelang in Räumen am Turn-Heinrich-Platz untergebracht.
