Carolyn Frank im Portrait: Abgang einer großen Bösen
Von Axel Sturm
Ladenburg. Erstaunlich viele Kulturträger bereichern in Ladenburg ehrenamtlich das Stadtgeschehen. Stadtkapelle, Gesangvereine und Mitglieder des Kunstvereins sind Eckpfeiler der Kultur. Hier leben auch einige professionelle Kulturschaffende, etwa das Ehepaar Carolyn und Robert Frank. Der begnadete Mozart-Interpret war viele Jahre Erster Konzertmeister des Mannheimer Nationaltheater-Orchesters und Mitglied des Bayreuther Festspiel-Orchesters. Außerdem war Frank Gründungsmitglied des Ladenburger Corelli-Ensembles. Seine Frau Carolyn, die Lucy genannt wird, wiederum hat in der Theaterszene einen ausgezeichneten Ruf.
Die Amerikanerin ist längst überzeugte Ladenburgerin geworden und froh, dass sie 1983 hier eine neue Heimat fand. Kürzlich verabschiedete sich die Kammersängerin bei ihrer letzten Opernpremiere vom Publikum. "Ich habe eine aufregende Zeit erlebt, nun aber freue ich mich auf den Ruhestand", sagte Frank beim RNZ-Besuch in ihrem Haus in der Oststadt.
Ihr Abschiedsstück war für das Ensemble noch einmal eine große Herausforderung. Mit der Partie der Kabanicha in "Katja Kabanova" verabschiedete sich die Mezzo-Sopranistin von der Heidelberger Bühne. Viel Applaus hörte die Künstlerin nicht nur am Ende des Dreiakters von Leos Janácek, sondern auch danach bei der Party, zu der sich die Künstler und ihre Freunde im kleineren Kreis nach der Premierenvorstellung treffen. Intendant Holger Schultze sparte nicht mit Lob. "Es war ein Glücksfall für unser Haus, dass Du Dich 1986 für das Heidelberger Theater entschieden hast", sagte Schultze, der Frank als "große Persönlichkeit" bezeichnete.
Die Sängerin wurde damals von Professor Peter Stoltzenberg am Heidelberger Theater engagiert, wo sie sich schnell in die Herzen des Publikums sang. Während ihrer 33-jährigen Bühnenpräsenz wirkte sie in zahlreichen Opern von Mozart bis zur musikalischen Gegenwart mit. Sie sang in einer beeindruckenden Vielseitigkeit nahezu alle bedeutenden Partien des Mezzosopranfachs. Das Rollenspektrum reichte von Idamante in "Idomeneo" und Dorabella in "Cosi fan tutte" über die Doppelrolle Mutter Gertrud/Knusperhexe in "Hänsel und Gretel" bis zu "Herodias", "Salome" und der Titelpartie in Henzes "Phaedra".
Für ihre Verdienste um das Heidelberger Theater wurde Frank im April 2011 der Titel "Kammersängerin" verliehen. Die Partie der Kabanicha erforderte von ihr nun noch einmal das Abrufen ihres ganzen Erfahrungsschatzes. Die Oper wurde in tschechischer Sprache gesungen, das bedeutete für die Ensemblemitglieder höchste Konzentration. Frank spielte eine reiche und böse Kaufmannswitwe. "Diese Rollen liegen mir besonders, die Mezzis verkörpern oft die Bösen", sagte sie und lachte.
Kennengelernt haben sich Franks während eines Stipendiums in Philadelphia und den Vereinigten Staaten. Der junge Geiger aus dem saarländischen Köllerbach und die Sängerin aus dem US-Bundesstaat Georgia waren sich sofort sympathisch. "Damals hatte Robert noch lange, lockige blonde Haare. Er war sofort mein Siegfried", erzählte Lucy. Sie sang zwar deutsche Arien, aber die Texte verstand sie nicht. Ihre Liebe zu Robert änderte das.
Robert Frank kehrte zusammen mit seiner Frau Lucy 1979 ins Saarland zurück, wo beide am Staatstheater Saarbrücken ein Engagement erhielten. Als der Geiger am Mannheimer Nationaltheater engagiert wurde, stand der Umzug in die Region an, in Ladenburg bauten sie ein Haus.
Lucy Frank war enttäuscht, als sie zum ersten Mal in die Römerstadt fuhr, um den Bauplatz anzuschauen. Nach dem Verlassen der Autobahn blickte sie fasziniert auf den Schriesheimer Branich. "Biege jetzt bitte nach links ab", war ihr innerlicher Wunsch an ihren Ehemann. Das tat der aber nicht, sondern setzte den Blinker rechts und fuhr in Richtung Ladenburg. "Heute weiß ich natürlich, wie privilegiert man ist, wenn man in Ladenburg wohnen darf", sagte Lucy Frank.
Hier wuchsen die beiden Kinder Michael und Annabelle auf, hier standen die Freunde hilfreich zur Seite, als Robert Frank schwer erkrankte und um sein Leben kämpfte. Alles wurde gut. Jetzt haben Franks in ihrer Rente viel vor. Da gibt es die vier Enkel, und ein Handicap beim Golf, das Lucy Frank unbedingt verbessern will. Auch als Ruheständlerin wird man sie noch ab und zu als Gastsängerin auf der Bühne sehen. "Es hat mich gefreut, dass mir das Theater Heidelberg diese Möglichkeit bietet."
Und wie sieht es mit einem Eintritt in einen ehrenamtlichen Chor in Ladenburg aus? "Oh Gott, das ginge nicht gut, ich bin viel zu dominant."
