Kreistagswahl 2019: Dieser OB ist der Stimmenkönig im Rhein-Neckar-Kreis
Von Stefan Hagen
Rhein-Neckar. Die "Wahlschlacht" ist geschlagen: Europa-, Kommunal- und Kreistagswahl sind ausgezählt. Jetzt steht fest, dass im künftigen Kreistag 101 Kreisräte über die Geschicke des Rhein-Neckar-Kreises bestimmen. Die konstituierende Sitzung des neuen Kreistags findet am 23. Juli, 14 Uhr, in Mühlhausen statt. Nachfolgend noch einige Daten und Fakten zur Wahl.
> Das Ergebnis: Wahlsieger sind die Grünen, CDU und SPD lassen kräftig Federn, die AfD zieht erstmals in den Kreistag ein. Die Zahlen: CDU 22,8 (34,2), SPD 16,6, (22,3), Freie Wähler 18,0 (19,2), Grüne 20,5 (13,8), FDP 6,6 (5,9), Linke 3,6 (3,7), AfD 7,7 (-). Die Sitzverteilung: CDU 27 (36), SPD 17 (23), Freie Wähler 18 (20), Grüne 20 (15). FDP 7 (6), Linke 4 (4), AfD 8 (-).
> Hochburg und Diaspora: In welchem Wahlkreis haben die Parteien ihr bestes, in welchem Wahlkreis ihr schlechtestes Ergebnis erzielt? CDU: bestes Ergebnis im Wahlkreis Sinsheim (44,4), schlechtestes Ergebnis im Wahlkreis Wiesloch (19,9). SPD: Wahlkreis Schwetzingen (25,3)/ Wahlkreis Sinsheim (10,7). Freie Wähler: Wahlkreis Waibstadt und Wahlkreis Eberbach (jeweils 29,4)/Wahlkreis Sandhausen (2,6). Grüne: Wahlkreis Schriesheim (28,1)/Wahlkreis Waibstadt (13,4). FDP: Wahlkreis Leimen (16,9)/Wahlkreis Sinsheim (3,2). Linke: Wahlkreis Weinheim (7,0)/Wahlkreis Dielheim 1,8. AfD: Wahlkreis Leimen (11,1)/Wahlkreis Schriesheim (5,6).
> Die Wahlbeteiligung: Der Strom der Bürger an die Wahlurnen kann sich auch bei der Kreistagswahl sehen lassen. In den 16 Wahlkreisen gaben 62,0 Prozent der Wahlberechtigten ihre Stimme ab. 2014 waren es 51,3 Prozent gewesen. Am fleißigsten waren die Wähler im Wahlkreis Schriesheim (70,5), im Wahlkreis Neckargemünd (69,6) und im Wahlkreis Edingen-Neckarhausen (66,7). Die niedrigste Wahlbeteiligung gab es im Wahlkreis Leimen. Hier machten 49,1 Prozent von ihrem Wahlrecht Gebrauch. Es folgen der Wahlkreis Sinsheim 56,4 und der Wahlkreis Hockenheim 59,0.
> Oberbürgermeister und Bürgermeister im künftigen Kreistag: Folgende 23 Verwaltungs-Chefs und Vize-Chefs haben den Einzug in den Kreistag geschafft: Manuel Just (Oberbürgermeister Weinheim/parteilos, für CDU im Kreistag), Torsten Fetzner (Erster Bürgermeister Weinheim, Grüne), Simon Michler (Bürgermeister Edingen-Neckarhausen/ CDU). Jürgen Kappenstein (Bürgermeister Ketsch/CDU), Ralf Göck (Bürgermeister Brühl/SPD), Stefan Weisbrod (Bürgermeister Reilingen/Freie Wähler), Christiane Staab (Bürgermeisterin Walldorf/CDU), Alexander Eger (Bürgermeister St. Leon-Rot/FDP), Georg Kletti (Bürgermeister Sandhausen/(CDU), Claudia Felden (Bürgermeisterin Leimen/FDP), Jens Spanberger (Bürgermeister Mühlhausen/CDU), Holger Karl (Bürgermeister Bammental/CDU), Frank Volk (Bürgermeister Neckargemünd/ Freie Wähler), Maik Brandt (Bürgermeister Meckesheim/ CDU), John Ehret (Bürgermeister Mauer/Freie Wähler), Jörg Albrecht (Oberbürgermeister Sinsheim/CDU), Frank Werner (Bürgermeister Angelbachtal/CDU), Marcus Zeitler (Bürgermeister Schönau/CDU), Peter Reichert (Bürgermeister Eberbach/ Freie Wähler), Eric Grabenbauer (Bürgermeister Wiesenbach/Freie Wähler), Peter Seithel (Bürgermeister Rauenberg/Freie Wähler), Guntram Zimmermann (Bürgermeister Spechbach/SPD), Jo- achim Locher (Bürgermeister Waibstadt/Freie Wähler).
> Die Stimmenkönige: Die meisten Stimmen haben ausschließlich Oberbürgermeister und Bürgermeister auf sich vereint. Ganz oben thront Sinsheims Oberbürgermeister Jörg Albrecht, der sich über 19.906 Stimmen freuen konnte. Es folgen Manuel Just (Weinheim/ 18.603 ), Torsten Fetzner (Weinheim/17.657 ), Jürgen Kappenstein (Ketsch/12641), Ralf Göck (Brühl/11.481 ) und Christiane Staab/8954.
> Simmen zur Kreistagswahl: "Vom Ergebnis mit 27 Mandaten sind wir enttäuscht, weil wir im Kreistag gemeinsam mit den anderen Fraktionen eine konstruktive Politik für die Menschen im Rhein-Neckar-Kreis gestaltet haben.", sagt CDU-Fraktionsvorsitzender Bruno Sauerzapf.
Er sei immer davon ausgegangen, dass die Kommunalwahlen Persönlichkeitswahlen seien und unabhängig von der Bundes- oder Landespolitik beurteilt würden. "Leider entsprich das Ergebnis der Kreistagswahl spiegelbildlich dem Ergebnis der Europawahl. Darüber muss noch geredet werden", betont der Christdemokrat. Im Ergebnis sei die CDU aber nach wie vor mit Abstand stärkste Fraktion im Kreistag. "Wir werden auch künftig konstruktiv mit anderen Fraktionen für die Bevölkerung in unserem Kreis zusammenzuarbeiten. Wir sehen das Ergebnis dazu als einen Ansporn, die künftigen Herausforderungen zu bewältigen", sagt Sauerzapf.
Auch SPD-Fraktionsvositzender Ralf Göck hatte sich mehr erwartet. "Das Wahlergebnis ist für uns enttäuschend, weil wir ein klares Profil im Rhein-Neckar-Kreis haben und dieses mit konkreten Anträgen die letzten Jahre über geschärft hatten", sagt der Sozialdemokrat. Aber dies habe niemanden interessiert. Es sei um Klimaschutz gegangen, den man den Grünen zutraue, obwohl diese weder in ihrer Regierungszeit im Bund noch im Land sonderlich viel erreicht hätten. Auch im Kreis seien die Grünen nicht durch entsprechende konkrete Initiativen aufgefallen. Hier sei die Stimmung von der Europawahl in die Kommunen geschwappt.
Ganz anders ist die Stimmung bei den Liberalen: Mit vier Direktmandaten und drei Ausgleichssitzen habe man etwas besser abgeschnitten als vor fünf Jahren, wenn auch nicht das besonders gute Ergebnis des Jahres 2009 erreicht, sagt Dietrich Herold, stellvertretender Vorsitzender der FDP-Fraktion. Der Sitzzuwachs sei angesichts des Gesamtresultats erfreulich und stelle die Arbeit in der nächsten Legislaturperiode auf eine breitere Basis. "Darauf wollen wir weiter aufbauen", freut sich der Liberale auf die Arbeit im künftigen Kreistag des Rhein-Neckar-Kreises.
