Realschüler über AIDS informiert: "HIV-Infizierte haben heute normale Lebenserwartung"
Walldorf. (agdo) Fieber, Kopfschmerzen, Gelenk- oder Muskelschmerzen, Durchfall und nachts starkes Schwitzen können Anzeichen für eine starke Erkältung sein. Es sind aber auch die häufigsten Symptome einer HIV-Infektion. Hinzu kommt ein Hautausschlag an Brustkorb, Bauch oder Rücken.
In der Theodor-Heuss-Realschule Walldorf fand für die achten Klassen ein Vortrag zum Thema Aids-Prävention statt, die Referentin war Elke Adler vom Verein Aidshilfe Heidelberg. Elke Adler ist selbst HIV-positiv, mit der Krankheit steckte sie sich durch eine Bluttransfusion 1982 an. Elke Adler informierte die Schüler über Ansteckungsmöglichkeiten, Therapien und erzählte ihre eigene persönliche Geschichte.
Der Aids-Präventionsvortrag findet an der Realschule regelmäßig statt, die Schüler sollen umfassend informiert werden. HIV ist die Abkürzung für "Humanes Immundefizienz-Virus", "positiv" bedeutet zunächst, dass das Virus sich im Körper befindet und durch Antikörper im Blut nachweisbar ist. Mit Ausbruch der Erkrankung – Aids steht für "Acquired Immune Deficiency Syndrome", also "erworbenes Immunschwächesyndrom" – schwächt der Erreger nach und nach die natürliche Verteidigung des Körpers, was zu schweren Erkrankungen führt. Je länger man mit dem Virus lebt, ohne es zu wissen, warnte Elke Adler, desto mehr Schaden richte das Virus an und zudem bestehe die Gefahr, andere Menschen anzustecken.
"Blutspenden wurden damals nicht auf HIV geprüft", erzählte Elke Adler der Klasse. Bis 1985 hätten sich viele Patienten durch eine Bluttransfusion mit HIV infiziert, so die 61-Jährige weiter. Sie selbst hatte eine Blutspende benötigt, weil sie bei der Geburt ihrer Zwillinge viel Blut verloren hatte. Laut Elke Adler kam der erste HIV-Test 1984 auf den Markt. Heute wird jeder Blutkonserve auf ansteckende Krankheiten geprüft.
Elke Adler selbst erfuhr fünf Jahre nach der Bluttransfusion, dass sie HIV-positiv ist, in dieser Zeit steckte sie unwissentlich ihren Mann mit dem Virus an. "Dank der heutigen Medizin haben HIV-Infizierte eine normale Lebenserwartung", erläuterte Elke Adler. Allerdings nur, wenn sie regelmäßig bis an das Ende ihres Lebens die notwendigen Medikamente einnehmen. Die sind ihr zufolge aber nicht ohne Risiken, bei ihrem Mann hätten sie die Nieren zerstört. Die Folge: "Mein Mann muss drei Mal in der Woche zur Dialyse, dort wird das Blut von giftigen Stoffen gereinigt", erzählte die 61-Jährige.
Laut Elke Adler leben in Deutschland rund 90.000 Menschen mit einer HIV-Infektion, die Dunkelziffer ist aber weitaus höher, weil viele Menschen nicht wissen, dass sie das Virus in sich tragen. Die Krankheit kann auch noch mehr als zehn Jahre nach der Ansteckung ausbrechen.
Elke Adler verdeutlichte, welche Unterscheidung man treffe, wenn man von HIV und Aids spreche: Die Infektion selbst müsse nicht zu Aids führen. Voraussetzung dafür sei die regelmäßige Einnahme der Medikamente. Jedoch seien weder HIV noch Aids heilbar, betonte sie. HIV wird durch Blut, Sperma, Scheidenflüssigkeit, Darmsekret und Muttermilch übertragen. Die meisten Menschen stecken sich heute beim ungeschützten Geschlechtsverkehr an, so Elke Adler. Deshalb sollten immer Kondome verwendet werden und wenn man der Meinung ist, es entwickelt sich eine ernsthafte Beziehung, sollten beide einen HIV-Test zum eigenen Schutz machen. Das Gesundheitsamt führt HIV-Tests kostenlos und anonym durch, sie können das Virus allerdings erst sechs Wochen nach einer Ansteckung im Blut nachweisen.
Im Anschluss an den Vortrag erhielt die Heidelberger Aidshilfe eine Spende: Ursula Lemer von der Heidelberger Firma Becton und Dickinson übergab 10.000 Euro. Die Aidshilfe hat nach eigenen Angaben im letzten Jahr rund 2500 Schüler im Rhein-Neckar-Kreis mit Präventionsvorträgen erreicht. Damit sie den Schulen die Vorträge auch weiterhin kostenlos anbieten kann, ist sie auf solche Spenden angewiesen.
