Überraschendes zum "Fohlenmarkt light": Und plötzlich war der Burgplatz "gemütlich"
Von Tim Kegel
Sinsheim. Der "Fohlenmarkt light", der in diesem Jahr wegen der Sanierung des Festplatzes und der Bauarbeiten im Freibadviertel auf den Burgplatz verlegt wurde, kommt bei der Bevölkerung offenbar überraschend gut an. "Eine positive Resonanz" habe Sandra Brucker, Leiterin des Amts für Stadtmarketing, zum Ende des Eröffnungstags erreicht.
Der Standortwechsel war das Gesprächsthema beim Festauftakt. Das 300 Personen fassende Zelt - gestellt von der Bad Rappenauer Zeltfirma Losberger - wurde von vielen zunächst als klein empfunden. Andererseits wirkte der moderne Überbau stets gut angefüllt, was sich positiv auf die Atmosphäre auswirkte. Ein größeres Zelt auf den Burgplatz zu stellen sei wegen genehmigungsrechtlicher und statischer Hürden schwierig, sagt Brucker. Und außerdem: Gefühlt zum ersten Mal seit dessen Bestehen schrieben Besucher dem ansonsten weiten und nüchtern gehaltenen Burgplatz nun das Adjektiv "gemütlich" zu. Ein beliebtes Provisorium auch beim Wochenmarkt: Er findet am Samstag in der Allee statt.
Etliche Stimmen hielten einen Verbleib auf dem Platz daher zumindest für diskutierbar. "Nichts ist so dauerhaft wie ein Provisorium", sagte zum Beispiel Richard Spranz, Sinsheimer Ehrenstadtrat, am Rand der Eröffnung des Fohlenmarkts. Einer jüngeren Klientel fehlte die Vielfalt der Fahrgeschäfte, die Vergnügungspark-Betreiber Willi Lowinger normalerweise aufstellt, vor allem ein Autoscooter wurde vermisst. Ein Kettenkarussell und zahlreiche Jahrmarktbuden finden sich jedoch auch dieses Jahr. Lowinger sei es unter anderem gewesen, schildert Sandra Brucker, "der einen kleineren Fohlenmarkt für dieses Jahr ausdrücklich unterstützt" habe.
Auch im kommenden Landesheimattagejahr ist ungewiss, in welcher Form Fohlenmarkt gefeiert wird: Dann nämlich findet zeitgleich der Baden-Württemberg-Tag statt, eine Großveranstaltung, bei der die Stadt Sinsheim etwa 80 Pagodenzelte im weiteren Bereich der Innenstadt aufstellen muss - für eine Art Leistungsschau von Firmen, Vereinen und Verbänden. Ob der Fohlenmarkt - zuletzt war das Volksfest nach Jahren im Abwärtstrend unter Beteiligung von Fleischerinnung, Dachsenfranz-Brauerei und Vereinen wieder aufgelebt - eine zweijährige Zwangspause übersteht, dieses Risiko wollte man nicht eingehen.
Auch ein Feuerwerk wird es in diesem Jahr nicht geben. Es fehlen geeignete Stätten zum Abfeuern im unmittelbaren Festbereich. Trotzdem haben sich die Veranstalter bemüht, Alternativ-Attraktionen anzubieten, Überraschungsmomente einzubauen und Festdetails auf die anstehende Großveranstaltung zu trimmen: Heimattage-Muffins wurden den Promigästen der Eröffnung serviert; Oberbürgermeister Jörg Albrecht über die Küchlein: "Wir können auch süß sein." Manche Heimattage-Wurst wurde gesotten, das Umzugsmotto am Sonntag heißt: "Heimat, Trachten, Traditionen". Eine "besondere Überraschung" kündigte Sandra Brucker an: Was da gezeigt werde, hätte die Organisatoren "verblüfft".
Die Umzugsstrecke hat sich leicht geändert und nimmt ihre Runde um die Hauptstraße herum. Dort ist der Platz für Marktstände und fliegende Händler reserviert. Der Zug geht über die Lange Straße, Muthstraße, Friedrich- und Wilhelmstraße in die Werder- und schließlich in die Karl-Wilhelmi-Straße.
Ein Schlaglicht auf das sich verändernde Konzept des Stadtmuseums im Alten Rathaus wirft der "Tag des offenen Museums" am Sonntag. Unter neuer Leitung soll die Einrichtung künftig eventbetonter werden. Die Besucher des Museums können beim Fohlenmarkt kleine Lederbeutel nach mittelalterlichem Vorbild basteln und mit nach Hause nehmen.
