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Март
2019

Kurpfälzisches Museum Heidelberg: Das gibt es bei der Ausstellung "Mobile Kinderwelten" zu sehen

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Von Ingeborg Salomon

Heidelberg. Der Ruf erschallt allerorten: Kinder sollten sich mehr bewegen. Aber Dreirad und Tretroller sind für den Nachwuchs völlig out, dabei machen diese Gefährte doch so viel Spaß, wie sich Menschen jenseits der 50 erinnern. Eine gute Gelegenheit, darüber Generationen übergreifend ins Gespräch zu kommen, bietet die Ausstellung "Mobile Kinderwelten - Was Kinder schon immer bewegt hat", die am Sonntag im Kurpfälzischen Museum Heidelberg (KMH) eröffnet wird.

In Kooperation mit dem Deutschen Fahrradmuseum Bad Brückenau hat Dr. Karin Tebbe, die im KMH die Abteilung Kunsthandwerk leitet rund 80 Vehikel zusammengetragen: Das älteste Objekt ist eine Kinderdraisine aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, das jüngste ein orangefarbenes Bonanza-Rad mit Bananensattel, wie es der Traum aller Jungs in den 1970er Jahren war.

"Vor 30 Jahren haben die Vereinten Nationen die Kinderrechtskonvention formuliert. Deshalb sind Kinder das Jahresthema in unserem Haus", erklärte Museumsleiter Dr. Frieder Hepp. Im Herbst wird sich die Ausstellung "Königskinder" der Familie des Winterkönigs Friedrich V. von der Pfalz widmen und im Textilmuseum werden Kinderkimonos gezeigt. Denn wie Kindheit in einer bestimmten Epoche gelebt wurde, sagt viel über die Sozialgeschichte dieser Zeit.

Ein eindrucksvolles Beispiel ist die wohl einzige in Deutschland erhaltene Kinderdraisine. Aus wertvollem Materialien und kunstvoll gearbeitet war sie ein Spielzeug für den Nachwuchs der Wohlhabenden, ebenso wie die ausgestellten Hochräder und die Minikutschen, vor die Ziegen gespannt wurden. Waren die ersten Laufräder noch schwer zu bewegen und dementsprechend langsam, bekamen spätere Modelle Pedale und Bremsen, und die Hochräder wurden auch immer schneller.

"Man muss den Lenker locker halten und den Blick nach vorne richten", schmunzelt Karin Tebbe, die eins der Gefährte ausprobiert hat. Bequem war das alles noch nicht, die jungen Fahrer - Mädchen konnten wegen ihrer voluminösen Kleider gar nicht erst aufsteigen - saßen ziemlich hart und holperten über Kopfsteinpflaster oder schlammige Parkwege. Historische Fotos, die ebenfalls in der Ausstellung gezeigt werden, belegen das. Kinder waren in vermögenden Kreisen lange ein Statussymbol und ebenso waren es ihre Fahrzeuge.

Mit der Einführung der allgemeinen Schulpflicht - eingeführt 1919 - und dem Verbot der Kinderarbeit verbesserte sich die Situation Heranwachsender. In der Kleinfamilie durften Kinder zweckfrei spielen; mit bunten Rollern und Dreirädern, die wie ein Motorrad aussahen, donnerte der Nachwuchs über den Asphalt. In der Zeit des Nationalsozialismus trugen Jungen dabei gelegentlich den "Kleinen Knabenanzug Adolf" aus braunem (!) Kammgarn mit knielanger Hose und doppelt geknöpfter Jacke. Auch er wird in der Ausstellung gezeigt.

Wie mobil Jungen und Mädchen einmal waren, beweisen auch Rollschuhe und Schlittschuhe, ebenso Schlitten und eine hölzerne Rodelbahn fürs Kinderzimmer. Die war fast so beliebt wie die große Rutschbahn, die der Nachwuchs bei Spielwaren Knoblauch, damals in der Sofienstraße, hinuntersausen konnte. Viele Heidelberger haben das noch miterlebt; in der Ausstellung erinnern Fotos daran. Sehr vergnüglich zu betrachten sind auch die alten Fotografien, die städtische Mitarbeiter aus ihren Privatalben zur Verfügung gestellt haben; Restauratorin Annina Seele hat sie zu einer Bildershow zusammengestellt.

Natürlich kommt auch der interaktive Spaß nicht zu kurz: Die kleinen Besucher können eine Spielecke zum Thema nutzen. Am internationalen Museumstag, am 19. Mai, gibt es für große und kleine Besucher im Foyer und bei schönem Wetter auch im Garten, die Möglichkeit, verschiedene Spaß- und Geschicklichkeitsräder auszuprobieren. Vielleicht ist das eine gute Gelegenheit den Nachwuchs des 21. Jahrhunderts in Bewegung zu setzen?

Info: Die Ausstellung "Mobile Kinderwelten" wird am Sonntag, 24. Mai, um 15 Uhr im Kurpfälzischen Museum Heidelberg, Hauptstr. 97, eröffnet. Sie ist zu sehen bis 30. Juni. Geöffnet ist Dienstag bis Sonntag von 10 bis 18 Uhr; www.museum-heidelberg.de






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