Untergimpern: Datenautobahn durch die letzte Ruhestätte
Von Christiane Barth
Neckarbischofsheim/Untergimpern. Stören sich die Toten an gigantischen Datenmengen, die um die Welt flitzen? Darf eine Datenautobahn durch die letzte Ruhestätte führen? "Eine Glasfaserleitung mitten durch den Friedhof: Ist das nicht ein bisschen pietätlos?" fragte nun Michael Krieger im Gemeinderatsrund. "Eine andere Möglichkeit gibt es nicht", schmetterte Bürgermeisterin Tanja Grether die Bedenken Kriegers ab.
Sie hatte das Gremium darüber in Kenntnis gesetzt, dass der Verbindungsweg zwischen Hasselbach und Untergimpern tagsüber aufgrund von Bauarbeiten gesperrt werden soll. In den Abendstunden und in der Nacht könne er jedoch wie gewohnt genutzt werden, die Sperrung dauere voraussichtlich bis Mitte März an. Mission der Bauarbeiten: Die Glasfaserleitung von Hasselbach nach Neckarbischofsheim soll nun verlegt werden, das Vorhaben steht in den Startlöchern. Die Trasse soll mitten durch den Untergimperner Friedhof führen.
Es handelt sich dabei um die "Backbone"-Trasse, also die Hauptleitung im flächendeckenden Breitbandausbau des Zweckverbands High-Speed Rhein-Neckar. Dass diese den kommunalen Friedhof quert, begründet Tanja Grether damit, dass es keine Alternative gebe.
Unterdessen sei die innerörtliche Feinplanung bereits in Arbeit, diese jedoch wird von der Breitbandversorgung Deutschland durchgeführt. Thomas Fuchs von der BBV bestätigt, dass das Ziel sei, "möglichst rasch den Spaten zu setzen". Angedacht sei, nach dem Sommer zu beginnen und die Arbeiten möglichst schnell durchzuführen. Die Verhandlungen mit dem Zweckverband hätten jedoch zu Verzögerungen geführt. Die Bautrupps stünden aber bereit.
"Irgendwie muss die Backbone-Leitung nach Neckarbischofsheim gelangen", meinte die Bürgermeisterin zum ungewöhnlichen Trassenverlauf durch die Ruhestätte. Die Leitung an der Straße entlang zu führen, wie es in Neckarbischofsheim/Stadt vorgesehen sei, sei wegen der hohen Mauer in Untergimpern nicht möglich. Zudem gibt sie zu bedenken: Die Leitung werde im Spülbohrverfahren verlegt, ein grabenloser Ausbau also statt offener Bauweise. Befürchtungen, dass die Totenruhe gestört werde, seien also nicht angebracht. Stephan Grittmann, Pressesprecher der AVR, dem der Zweckverband angehört, bestätigt: "Die Gräber werden in keiner Weise tangiert." Bei einem Vor-Ort-Termin im Juli 2017 hätten sich Vertreter der Stadt, die Bürgermeisterin und der Zweckverband darauf geeinigt, die Leitung unterhalb des asphaltierten Friedhofsweges zu verlegen.
Die Glasfasertrasse soll so geleitet werden, dass sie an der bereits vorhandenen Leitung andocken kann: Die Gleisanlagen des West-Ost-Schienenstrangs der Krebsbachtalbahn dienen bereits als Rückgrat fürs Glasfaserkabel in Neckarbischofsheim und Untergimpern.
Ungewöhnlich sei es wohlgemerkt nicht, dass Leitungen jedweder Art im Friedhofsbereich verlegt werden, unterstreicht Tanja Grether. Stephan Grittmann sagt dazu: Aber Glasfaser unterm Friedhof sei ein "absoluter Einzelfall". Die Arbeiten in Untergimpern haben bereits begonnen. Etwa in zwei Wochen werde das Spülbohrverfahren auf dem Friedhof Untergimpern durchgeführt.
