Neckar-Odenwald-Kreis: Ein Kreis-Biwak in der Hardheimer Kaserne?
Von Ursula Brinkmann
Neckar-Odenwald-Kreis. Der dicke Brocken, also der Tagesordnungspunkt, der die Zukunft des Ganztagesgymnasiums Osterburken zum Inhalt hatte und der den Kreistag in seiner Februar-Sitzung 140 Minuten lang beschäftigte, muss erst noch verdaut werden. Dagegen nahmen sich die restlichen 30 Minuten der Sitzung in der Augusta-Bender-Schule in Mosbach als geradezu "leicht verdaulich" aus. Es ging um die Übernahme einer offiziellen Patenschaft des Neckar-Odenwald-Kreises für das neue Panzerbataillon 363 in der Hardheimer Carl-Schurz-Kaserne. Man wolle damit ein Signal setzen, sagte Landrat Dr. Achim Brötel, dass die Soldatinnen und Soldaten herzlich willkommen seien im Kreis: "Wir wollen die Patenschaft mit Leben und Inhalten füllen." Ziel sei es, so die Beschlussvorlage, die regionale Bindung zu fördern und damit die Grundlage für ein von Vertrauen und Verständnis bestimmtes Verhältnis der Bevölkerung zur Bundeswehr zu schaffen.
Verständnis hatte für diesen Vorschlag der überwiegende Teil des Kreistags; bei zwei Gegenstimmen und einer Enthaltung votierten die Räte für die Patenschaft. Die Sprecher(innen) fast aller Fraktionen sehen die Bundeswehr "gut ins Gemeinwesen integriert" (Herbert Kilian, SPD), in ihr "ein strukturpolitisch belebendes Element" (Thomas Ludwig, Freie Wähler), oder wollen die "formale Patenschaft (…) mit Leben füllen und die Bundeswehr in die Gesellschaft hineinwirken lassen" (Simone Heitz, Grüne). Weil - wie die Grünen - aus der Friedensbewegung kommend, versagte indes Norbert Bienek (SPD) anders als jene der Beschlussvorlage seine "persönliche Zustimmung". Achim Walter (FDP) stimmte dafür, weil die "Bundeswehr einfach zur Region dazugehört." Sein Vorschlag für ein inniges Verhältnis: "Ein gemeinsames Biwak in Hardheim machen!"
Ob Haushalts-, Kassen- und Rechnungsführung im Landratsamt stimmen, überprüft die Gemeindeprüfungsanstalt (GPA) in der Regel alle vier bis fünf Jahre. Der Neckar-Odenwald-Kreis war nun wieder dran, der Zeitraum 2012 bis 2016 wurde unter die Lupe genommen. Das Ergebnis war dem Kreistag bereits in der Dezember-Sitzung mitgeteilt worden; auch hat die Landkreisverwaltung inzwischen Stellung genommen zum Prüfbericht. "Unsere Stellungnahmen waren offensichtlich überzeugend", berichtete Dr. Brötel dem Gremium, sodass das Regierungspräsidium Karlsruhe schon Anfang Januar das Prüfverfahren für abgeschlossen erklärte. "Turbo-schnell", wie Brötel anerkennend bemerkte. In der aktuellen Kreistagssitzung war das lediglich zur (frohen) Kenntnis zu nehmen.
Am Ende des öffentlichen Teils teilte der Landrat mit, dass für den Vertrag zur Suchtberatung (zwischen dem Landkreis und dem Baden-Württembergischen Landesverband für Prävention und Rehabilitation BWLV, der die Beratungsleistung erbringt) ein neues Verfahren zum Tragen kommen solle. Der zweijährige Vertrag ende Ende 2019, und mit einem öffentlichen Förderaufruf für die nächsten drei Jahre wolle man neue Wege gehen. "Wir wollen uns öffnen", erklärte auf Nachfrage der RNZ Sozialdezernentin Renate Körber.
Soll heißen, vom "Förderaufruf" können sich auch andere Träger angesprochen fühlen und ein Konzept für Suchtberatung bis Mitte Mai einreichen. In Frage kämen zum Beispiel auch andere Liga-Vertreter wie Diakonie oder Caritas, Rotes Kreuz oder Johannes-Diakonie, wobei Landkreisgrenzen keine Grenzen seien. "Wir wollen die Alternativen zum BWLV kennenlernen", so Körber. Der Vertrag, der für die Jahre 2020 bis 2022 dann geschlossen wird, hat einen Finanzumfang von knapp 700.000 Euro.
