Heilbronn: So soll es mit der Kultur in der Stadt weitergehen
Von Brigitte Fritz-Kador
Heilbronn. Es sei keine Selbstverständlichkeit, sagt Kulturbürgermeisterin Agnes Christner, dass der Gemeinderat der Stadt Heilbronn der neuen Kulturkonzeption geschlossen zugestimmt hat. Diese liegt jetzt gedruckt vor und muss "nur noch" umgesetzt werden. Es ist und war auch keine Selbstverständlichkeit, dass ihr Entstehungsprozess, von der Agentur Kulturgold betreut, über fast ein Jahr hinweg von einer so breiten Bürgerbeteiligung getragen wurde. Zur abschließenden Vorstellung des Konzeptes waren immer noch weit über hundert Akteure gekommen. Dass sie am Schluss kein Fragen mehr hatten, zeigte auf, dass es diese - zumindest im Augenblick - nicht mehr gibt. Sie werden sicher dann wieder kommen, wenn es um die nächsten Schritte geht, zum Beispiel, wenn die Kulturförderung neu aufgestellt wird - auch hier sollen die Heilbronner mitreden dürfen.
Eines der wichtigsten Ergebnisse der Kulturkonzeption ist, dass durch sie eine dauerhafte Mitsprache erstritten wurde. Eine "Arbeitsgemeinschaft Kultur" soll sich außerhalb der Verwaltungsebene etablieren, von dieser aber im Rahmen einer "ersten Hilfe" auf die Beine gestellt werden. Der breit aufgestellte Arbeitskreis hat zum Ziel, den Kulturausschuss zu beraten, die Interessen der Kulturschaffenden gegenüber Politik, Verwaltung und Wirtschaft zu vertreten, um zugleich den Dialog der Kulturentwicklung in Heilbronn fortzuführen.
Für die ersten Umsetzungsschritte des allseits geforderten "soziokulturellen Zentrums", dessen genaue Bestimmung noch nicht definiert ist, wurden im Haushaltsplan 2019/2020 bereits 150.000 Euro eingestellt. Die Finanzmittel für die Freie Kulturarbeit wurde auf 60.000 Euro verdoppelt. Zugleich sollen einige der Betroffenen aus der "Freien Szene" nun eine institutionelle und damit verlässliche Förderung statt der bislang gewährten Projektförderung erhalten. Das schon lange geforderte und versprochene Literaturhaus mit dem Kleist-Archiv Sembdner als Anker wird im Trappenseeschlösschen etabliert.
Bürgermeisterin Christner betonte bei der Vorstellung der Kulturkonzeption: "Kunst und Kultur sind essenzielle Bestandteile unserer Stadtgesellschaft. Sie leisten einen wichtigen Beitrag zur politischen Willensbildung, zum demokratischen Konsens und zu einem friedlichen Zusammenleben - gerade auch in Heilbronn, einer Stadt der Vielfalt." Dass sie auch eine Art von "Wirtschaftsförderung" ist, blieb unerwähnt.
In der Kulturkonzeption sind neben sechs Leitlinien vier Handlungsfelder definiert worden: Kultur in Heilbronn gemeinsam gestalten, durch mehr Austausch und Kooperation - (Frei-)Räume schaffen, durch eine bedarfsgerechte, zeitgemäße städtische Kulturförderung und Kulturverwaltung - kulturelle Bildung und Teilhabe stärken, durch Vernetzung und Partizipation, sowie an der Sichtbarkeit des Kulturangebots arbeiten, durch ein gemeinsames digitales Kulturportal und kreative Kommunikation im Stadtraum. Insgesamt enthält die Kulturkonzeption einen Katalog von über 50 Einzelmaßnahmen. Sie sollen auch dazu dienen, dass Heilbronn, wie Yvonne Pröbstle von der Agentur "Kulturgold" sagt, in der Außenwahrnehmung keine "Kulturstadt" ist, aber nun auch als eine solche sichtbar werden soll. Der "nahtlose Übergang" von der Erstellung einer Konzeption zur Umsetzung, wie es in Heilbronn geschieht, sei nicht selbstverständlich, sagt sie.
Karin Schüttler, Leiterin des Schul- und Kulturamtes, will "den Schub aufnehmen", bedauert aber, dass der Gemeinderat zu einer Stelle für die Kulturmittelakquise "nein" gesagt habe. Dennoch ermuntert sie dazu, Vorschläge zu machen und Anforderungen zu stellen.
