Heidelberger Galerie Vincke-Liepmann: Hannes Steinert zeigt Varianten der Druckgrafik
Von Heide Seele
Heidelberg. Er war schon vier Mal in Heidelberg zu Gast und beweist einmal mehr, dass er das Medium "Druckgrafik" beherrscht. Es ist wieder erfreulich, eine Ausstellung von Hannes Steinert besuchen zu können, und dies an vertrautem Ort im Kunstraum Vincke-Liepmann in der Weststadt. Man sollte die Gelegenheit nutzen, denn der Künstler ließ sich viel einfallen, und zwar in verschiedenen Techniken. Er zeigt Linol-, Holz- und Siebdrucke.
Der 1954 geborene Stuttgarter, der seit 1986 in seiner Heimatstadt wohnt und kleine Auflagen bevorzugt, hatte 2014 letztmalig in der Weststadt-Galerie ausgestellt und präsentiert auch jetzt eine stringente Auswahl seiner Schätze, die eine Dokumentation jenes Zeitraums darstellt, in dem er sich der Druckgrafik verschworen hat. 1988 hatte diese Phase begonnen, und sie dauert bis heute an.
Steinert legt sich nicht gerne fest, denn es ist für ihn kaum ein Problem, gegenständliche und ungegenständliche Malerei parallel zu betreiben. Die aktuelle Auswahl berücksichtigt freie, aber auch strengere Formen und zeigt zum ersten Mal Ölbilder des Künstlers, deren verschiedenen Schichten er pastos auf die Fläche zu bringen weiß. Bis vor kurzen hatte er fast nur Zeichnungen präsentiert. Jetzt lernt man seine kleinen (und preiswerten) Arbeiten kennen.
Um möglichst viele zeigen zu können, rückte er die großformatigen Ölbilder in den Hintergrund. In jedem der vier Räume hängt nur eines. Auf Titel wird gerne verzichtet, und die Motive fallen durch betonte Einfachheit auf. Dabei ist genau zu beobachten, wie umsichtig Steinert ein kraftvolles Blau, Grün oder auch mal Rot einzusetzen versteht in den Bildern aus freier Natur, aber auch in seinen Stillleben aus dem Innenraum.
Landschaftsszenen, oft sanfte Farbkombinationen, sind seine Stärke, und mit wenig Aufwand sagt er viel. Der Künstler, der vorwiegend gegenständlich arbeitet und auch jetzt sein Faible für die Zeichnung nicht verleugnen kann, zeigt bei Vincke seine Druckgrafik am Beispiel von Linol-, Holz- und Siebdruck neben den erwähnten Ölarbeiten. In jedem der Räume hängt eines dieser Großformate, die sich durch Leichtigkeit, Eleganz und eine sichtbaren Liebe zur Farbe auszeichnen.
Schön, dass es gelang, auch Arbeiten im kleinen Format vorzustellen. Da erscheint ein "Stillleben mit Früchten" wie von Malewitsch gemalt, und häufig ist zu erkennen, wie wichtig dem Künstler die Linie ist. Linolschnitte treten im Viererpack auf, und Schwarz ist für ihn keine Zone der Dunkelheit, sondern das Fundament aller Geheimnisse. Steinert setzt auf die Offenheit des Bildraumes, er hält viel von der Dreidimensionaliät. Der Vorstellungskraft des Betrachters räumt er einen weiten Spielraum ein.
Die Exponate entstanden vor dem Jahr 2000 und scheinen keine Eindeutigkeit anzustreben. Ein Holzdruck etwa erscheint als Mischung aus Tier und technischem Gerät. Steinert versteht es fast elegant, Zeichnung mit Collage zu kombinieren, und druckt nur kleine Auflagen mit maximal 24 Exemplaren.
Info: Die Ausstellung bei Vincke-Liepmann in Heidelberg, Häusserstraße 25, wird am Samstag, 23. Februar, 19 Uhr, eröffnet (bis 7. April). Künstlergespräch mit Druckaktion am Sonntag, 24. März, um 15 Uhr.
