Heidelberg: Den Pendlerbussen "den roten Teppich ausrollen"
Heidelberg. (tt) Der ökologisch orientierte Verkehrsclub Deutschland (VCD) fordert in der Debatte um die hohe Zahl von Einpendlern mehr Ehrlichkeit: Der tatsächliche und der gefühlte Stau seien ein hausgemachtes Problem der Heidelberger. Zwar verweise die Stadt gerne darauf, dass nur 22 Prozent der Wege der Heidelberger Bevölkerung per Auto erfolgten, aber immerhin 26 Prozent mit dem Rad. "Damit soll suggeriert werden, dass Heidelberg nur wegen der Einpendler ein Verkehrsproblem hat", so der Sprecher des Regionalverbands Rhein-Neckar, Felix Berschin. Tatsache sei aber, dass 54 Prozent der Verkehrsleistung - also Wege mal Entfernung - per Auto erfolgten.
Der VCD fordert deshalb eine Angebotsoffensive ins Umland, um die Verkehrsprobleme in den Griff zu bekommen. "Heidelberg hat fast nichts unternommen, um den Umlandverkehr mit Bus und Bahn attraktiver zu machen. Umgekehrt aber sehr viel, um ihn unattraktiver zu machen," so Berschin. Obwohl die Einpendlerzahlen aus Westen und Süden deutlich steigen, sei das Nahverkehrsangebot gerade dort abgebaut worden.
So gebe es keinen Direktbus mehr nach St. Ilgen, die Regionallinien 717 aus Schwetzingen und 720 aus Walldorf seien aus der Innenstadt verbannt worden. "Seit die Straßenbahnanschlusslinien nach Wiesloch und Schwetzingen an den Rhein-Neckar-Kreis abgegeben wurden, sind die Umsteigezeiten länger geworden. Trotzdem wartet der Bus nicht mehr auf die Straßenbahn und umgekehrt", hat der VCD beobachtet. Außerdem müssten die Busse 720 und 721 "aberwitzige Umwege" durch Kirchheim und die Bahnstadt fahren, um die Bedürfnisse der Heidelberger zu befriedigen.
Lediglich Richtung Wilhelmsfeld und in den kleinen Odenwald gebe es ein erträgliches Angebot in die Innenstadt. Aber dies seien ausgerechnet die Gebiete, in denen Pendlerzahlen und Bevölkerung sinken.
"Wenn Heidelberg wirklich daran interessiert ist, dass Pendler auf den öffentlichen Verkehr umsteigen, muss den Regionalbussen der rote Teppich ausgerollt werden", so Berschin. Erforderlich sind aus Sicht des VCD zum Beispiel Schnellbusse auf den Strecken von Mühlhausen über Rauenberg, Wiesloch, St. Ilgen und Hauptbahnhof ins Neuenheimer Feld sowie von St. Leon über Walldorf, Kirchheim-Friedhof und Hauptbahnhof ins Neuenheimer Feld. Erforderlich sei auch ein Zehn-Minuten-Takt von Sandhausen über Kirchheim, Harbigweg, Hebelbrücke bis Bismarckplatz und ein Schnellbus von Brühl oder Ketsch über die Schwetzinger Südtangente, Oftersheim und Hauptbahnhof zum Bismarckplatz.
Die Forderung des VCD: "Es ist höchste Zeit, dass sich Stadt und Rhein-Neckar-Kreis für ein gemeinsames Nahverkehrssystem zusammensetzen." Von Kirchturmlinien sollten beide Abstand nehmen.
