Heidelberger Kommunalwahl: FDP setzt auch auf die Jungen
Von Maria Stumpf
Heidelberg. "Mit Fraktionsstärke zurück in den Gemeinderat", gab der Kreisvorsitzende Hannes Wendling selbstbewusst die Marschrichtung vor. Rund 40 Mitglieder waren in die gute Stube der Heidelberger Brauerei - in die "Darre" - zur Mitgliederversammlung gekommen, um die FDP-Liste für die kommende Gemeinderatswahl zu beschließen. Mit 92 Prozent der Stimmen kürten sie Stadtrat Karl Breer zu ihrem Spitzenkandidaten.
Wie Wendling mitteilte, soll das Kommunalwahlprogramm erst im Frühjahr festgelegt werden. "Zu viel für heute Abend", hieß es. Ging es doch auch darum, bei der Kandidatenliste nicht nur an eine gleichmäßige Verteilung aller Stadtteile und verschiedene Berufsgruppen zu achten, sondern auch um Geschlechter-Proporz und ausgeglichene Altersstrukturen. Die Liberalen haben zurzeit rund 200 Mitglieder in Heidelberg. Doch die Stimmung war gut und es wurde Zuversicht signalisiert, dass die Zielvorgabe "Fraktionsstärke" klappen könnte. Zurzeit bilden die FDP-Stadträte Karl Breer und Michael Eckert zusammen mit zwei Stadträten der Freien Wähler eine Fraktionsgemeinschaft. "Eine sehr gute Zusammenarbeit", betonten die beiden Liberalen.
Flott ging es voran bei der Einzelabstimmung der ersten Kandidaten. Später stimmte man im Block ab. Spitzenkandidat Breer, Handwerksmeister und Unternehmer aus Rohrbach, hatte nicht viel Mühe, von sich zu überzeugen.
Der bekannte Stadtrat hat sich längst einen Namen gemacht als ein Liberaler ohne politische Scheuklappen. Seine Schwerpunkte: Heidelberg als Wissenschaftsstadt weiter fördern, aber das Gewerbe nicht vergessen. Die Zukunft des Patrick Henry Village im Fokus sieht er dort einen Technologie-Standort, will aber auch für das klassische Handwerk in der Stadt sorgen.
Auf Breer folgte Michael Eckert. Der Rechtsanwalt aus der Südstadt sieht seine Arbeitsschwerpunkte in den Bereichen Wirtschaft, Arbeitsplätze und Verkehr. Er freute sich über eine Zustimmung von 76 Prozent für Listenplatz zwei. Spannung lag in der Luft bei der Wahl von Simone Schenk auf Platz drei. Sie bildet zurzeit als Stadträtin der Freien Wähler mit den FDP-Männern eine Fraktionsgemeinschaft - fühlt sich bei den Liberalen aber "besser aufgehoben" und will wieder für den Gemeinderat kandidieren. Also ein Seitenwechsel als Parteilose, auch wenn sie sich "einen späteren Parteieintritt mal vorstellen könnte". Liberale Politik sei ohne enge Ideologie: "Das gefällt mir", sagte sie. Für die Psychologin aus Wieblingen stimmten 71 Prozent der FDP-Mitglieder.
Auf Platz vier der Liste landete der Name des 27-jährigen Kreisvorsitzenden Hannes Wendling aus der Altstadt. "Wir wollen ja auch die nächste Generation heranführen", so Breer. Dieser Ansicht stimmten 95 Prozent der Mitglieder zu. "Ich will auch für jüngere Wähler Ansprechpartner sein", freute sich der Student über das Ergebnis.
Das gilt wohl auch für Dennis Tim Nusser aus Schlierbach. Der 22-Jährige war bei der letzten Bundestagswahl der jüngste Kandidat der FDP in Baden-Württemberg und beschwörte an diesem Abend besonders die "Teamleistung" seiner Partei. Nusser erhielt 82 Prozent der Mitgliederstimmen für einen fünften Listenplatz.
