Sandhausen: Grüne bangen um ihre Existenz
Von Lukas Werthenbach
Sandhausen. Wird die Alternative Liste (AL) auch nach den Kommunalwahlen 2019 im Sandhäuser Gemeinderat vertreten sein? Die Wählergemeinschaft selbst hat zumindest Zweifel daran. Deshalb wendet sie sich nun an die Bürger: Am 27. November soll bei einer öffentlichen Veranstaltung darüber diskutiert werden, "wie es mit alternativ-grüner Politik in Sandhausen weitergeht", heißt es in dem Schreiben von AL-Vorstandsmitglied Ralf Lauterbach. Wie er im Gespräch mit der RNZ erklärte, hofft man dabei auch, neue Mitglieder zu gewinnen.
Denn mindestens einer der drei Sandhäuser AL-Stadträte "denkt deutlich über einen Rückzug nach", so Lauterbach. Um wen es sich handelt und wovon seine oder ihre Entscheidung abhängt, wollte Lauterbach nicht verraten. Die kleinste Fraktion im Gemeinderat habe ohnehin zahlenmäßig wenig personelle Unterstützung. Ziel ist nach Lauterbachs Worten, bei der Wahl am 26. Mai im besten Fall mit 22 Kandidaten auf der Liste anzutreten.
Bereits bei den Kommunalwahlen 2014 habe man auf "Qualität statt Quantität" gesetzt. "Das kann aber auch mal schief gehen", mahnt der Stadtrat. So wolle man nun einen Aufruf starten, um den Menschen in Sandhausen zu verdeutlichen: "Leute, hier könnte was verschwinden, das bisher als selbstverständlich vorausgesetzt wurde."
Seit ihrer Gründung im Jahr 1998 habe die AL "viel für Sandhausen erreicht", so Lauterbach. Die Wählergemeinschaft ist die offizielle kommunalpolitische Vertretung für den Sandhäuser Ortsverband der Grünen. Entsprechend "grün gefärbt" sei ihre Politik. In Verkehrsfragen habe man sich etwa für Fußgängerüberwege und Radfahrwege eingesetzt. Die Installation einer Ladesäule für Elektroautos am Rathaus sei von der AL "stark vorangetrieben" worden. "Und dass es Schulsozialarbeit in Sandhausen gibt, können wir auf unsere Fahne schreiben", ergänzt Lauterbach.
Zudem mangele es der AL weniger an Zuspruch. Da aber "Verantwortung und ehrenamtliche Arbeit seit vielen Jahren auf nur wenigen Schultern lasten", werde dringend personelle Unterstützung benötigt. Erschwert werde die Situation der AL dadurch, dass sie als freie Wählergemeinschaft keine so enge Verbindung zum Ortsverband der entsprechenden Partei habe, wie dies bei den anderen Gemeinderatsfraktionen der Fall sei.
"Wir konnten den Ortsverband der Grünen bisher noch nicht so richtig aktivieren, sich mehr einzubringen", so Lauterbach. Andere Fraktionen hätten durch den Ortsverband ihrer Partei "grundsätzlich mehr Sympathisanten", die beispielsweise bereit wären ein Ehrenamt zu übernehmen.
So könnte es Lauterbach zufolge ein Problem für die AL werden, wenn sie es nicht schafft, ihre 22 Listenplätze für die Kommunalwahlen mit Kandidaten aufzufüllen. Schließlich haben die Wähler in Sandhausen 22 Stimmen. Daher müsste in diesem Fall jeder, der die AL wählen wolle, seine restlichen Stimmen auf die anderen Parteien aufteilen, also panaschieren. Da die Konkurrenz laut Lauterbach wohl jeweils 22 Kandidaten zur Wahl stelle, könnte eine unvollständige Liste für die AL zum Nachteil werden.
Bürgermeister Georg Kletti sieht indes die Probleme der AL als Symptome einer gesamtgesellschaftlichen Entwicklung: "Das ist nach meiner Auffassung kein Problem der Alternativen Liste Sandhausen. Die Bereitschaft, sich zu engagieren, lässt allgemein nach", sagte Kletti auf Nachfrage. Man sehe dies auch beim Blick auf die Vereine in ganz Deutschland, die zunehmend Probleme hätten Ehrenamtliche zu finden. "Gute Ideen gibt es in Deutschland täglich 80 Millionen. Aber wenn es darum geht diese umzusetzen, muss man suchen."
Info: Das Treffen der Alternativen Liste Sandhausen findet am Dienstag, 27. November, von 19.30 bis 21.30 Uhr in der Hardtwaldhalle statt.
