Trinkwasserbrunnen in Heidelberg-Neuenheim: Sinnvolle Ergänzung oder Schildbürgerstreich?
Heidelberg-Neuenheim. (tt) Welcher Standort ist für einen Trinkwasserbrunnen auf dem Marktplatz am besten geeignet? Diese Frage trieb die Bezirksbeiräte in Neuenheim bei ihrer letzten Sitzung um. Die Stadtverwaltung hat - nach einem Antrag aus der Mitte des Bezirksbeirates im Februar - zwei mögliche Standorte vorgeschlagen: Hinter dem bestehenden Brunnen an der Ladenburger Straße oder im Nordosten des Platzes, am Spielplatz hinter der Kapelle. Als Vorbild für den Trinkwasserbrunnen diente den Bezirksbeiräten der Brunnen vor der Providenzkirche in der Altstadt.
Die nun vorgeschlagenen Standorte seien so gewählt, dass der Wochenmarkt und dessen Aufbau durch den Brunnen nicht behindert würde, heißt es in der Vorlage der Verwaltung. Allerdings gibt es große Preisunterschiede: Am bestehenden Brunnen am Süden würde ein zusätzlicher Trinkwasserbrunnen mit Kosten zwischen 24.000 und 31.000 Euro zu Buche schlagen - je nachdem, ob der Brunnen funktional, zeitgenössisch modern oder aus Naturstein sein soll. Ein Brunnen am Spielplatz würde deutlich teurer: Dort liegen die Kosten laut Stadtverwaltung zwischen 46.000 und 53.000 Euro. Grund für die hohen Kosten: Für die Brunnen müssten neue Versorgungsleitungen gebaut werden. Weil die bisherigen Pläne des Marktplatzes nicht vollständig seien, müssten die Arbeiten per Hand ausgeführt werden. Dies erhöhe die Kosten entsprechend. Außerdem muss der Brunnen so gestaltet sein, dass er sicher vor Vandalismusschäden ist. Um dem Problem von Beschädigungen vorzubeugen, müssen die Brunnen entsprechend robust und mit einer automatischen Wasserstoppfunktion ausgerüstet sein, um eine Dauernutzung zu verhindern.
"Ich finde die Variante neben dem bestehenden Brunnen besser", sagte Ilse Rieker (Heidelberg pflegen und erhalten). Angesichts des heißen Sommers sei so ein Brunnen ein nettes Angebot. "53.000 Euro für die andere Variante sind mir zu viel", so Rieker. Sollte der Trinkwasserbrunnen an den anderen Brunnen kommen, müsse die Hygiene darin aber besser werden, forderte Stadtteilvereinsvorsitzende Ilona Appel. Denn: "Das Kunstwerk von Bildhauer Pieter Sohl dient vielen eher als Mülleimer." Ein Trinkwasserbrunnen neben einem Brunnen grenzt für Hans-Udo Kessler (Generation HD) dagegen eher an einen Schildbürgerstreich.
Ein einfacher Wasserhahn, wie ihn der Bezirksbeirat im Mai ins Gespräch gebracht hatte, ist aus Sicht von Martin Geißler vom Landschafts- und Forstamt keine gute Idee: "Wir haben in diesem Sommer an den Duschen am Neckarvorland schon fünf Mal die Wasserhähne der Fußduschen instandgesetzt, weil sie abgetreten wurden." Einen einfachen Wasserhahn könne er wegen des Vandalismusrisikos deshalb nicht empfehlen. Zudem dürfe dieser nicht als Trinkwasserbrunnen genutzt werden: "Man darf den Mund nicht an den Hahn drücken können, und es muss Rückspüleinrichtungen geben, damit kein Wasser in der Leitung steht", so Geißler.
Am Ende vertagten die Bezirksbeiräte ihre Entscheidung, weil die Verwaltung vom Gemeinderat einen Auftrag erhalten hat, Plätze zu suchen, an denen Trinkwasserbrunnen aufgestellt werden könnten. Das Ergebnis will man nun abwarten.
