Ernteausfälle in der Region: Hitze und Trockenheit haben den Bauern zugesetzt
Rhein-Neckar. (lhe/ans/fjm) Die Winzer haben sich gefreut über den Hitzesommer. Die Bauern müssen dagegen mit deutlichen Ertragseinbußen zurechtkommen. Das gilt auch für die Erzeuger an der Badischen Bergstraße und im hessischen Ried. Zum Beispiel bedeutet die zweitschlechteste Getreideernte der vergangenen zehn Jahre gut 50 Prozent weniger Futter für Rinder. Ernteausfälle gibt es in so gut wie allen landwirtschaftlichen Kulturen.
Mit einer Gesamtmenge von knapp 1,8 Millionen Tonnen Getreide habe die Ernte um 14,4 Prozent unter dem Durchschnitt der vergangenen fünf Jahre gelegen, sagte der Generalsekretär des Hessischen Bauernverbands, Peter Voss-Fels, in Lampertheim. Noch schlechter sei die Ernte nur 2012 ausgefallen. Die Winterraps-Ernte sei mit 29,2 Dezitonnen je Hektar um fast ein Viertel unter den Durchschnitt der vergangenen fünf Jahre eingebrochen. Der Winterraps habe als Ölfrucht und Lieferant von Rapsschrot eine große Bedeutung. "Die Bedingungen waren während der gesamten Wachstumsperiode ungünstig", sagte Voss-Fels. Die neue Aussaat habe aufgrund der trockenen Böden vielerorts ausbleiben müssen. Daher könnte die Ernte 2019 noch einmal um bis zu 50 Prozent unter der in diesem Jahr liegen.
Bei Kartoffeln und Zuckerrüben zeichneten sich in diesem Jahr ebenfalls "gravierende Ertragseinbußen" ab. Die Sonne habe aber den Zuckergehalt in den Rüben von sonst rund 16 Prozent auf 20 Prozent steigen lassen. "Die Rinderhalter leiden besonders unter der Futterknappheit", sagte Voss-Fels. Vertrocknete Wiesen und schlecht ausgebildeter Silomais führten dazu, dass so viel Futter fehlt.
Im Wirtschaftsjahr 2017/2018, also vom Juli des Vorjahres bis zum Juni dieses Jahres, sei der durchschnittliche Gewinn pro Familienarbeitskraft um fast 13 Prozent auf 43.629 Euro gestiegen, sagte Voss-Fels. Allerdings sei die Ernte dieses Jahres darin noch nicht enthalten. Und von dem Geld müssten noch Sozialversicherungsbeiträge, Steuern und Investitionen abgezogen werden. Zudem gab es große Unterschiede: Die Milchviehbetriebe hätten ihre Ergebnisse deutlich verbessern können, Schweine und Geflügelhalter hätten dagegen Einbußen um fast ein Viertel verkraften müssen. Als Ursache nannte Voss-Fels gestiegene Milchpreise und gesunkene Erzeugerpreise für Schweinefleisch und Geflügel. In seiner Auswertung wurden rund 300 Betriebe berücksichtigt.
Für die meisten Winzer in der Region lief der Sommer dagegen optimal. Viele Sonnenstunden ließen die Trauben schneller reifen und den Zuckergehalt steigen. Unter Wasserknappheit litten nur jüngere Anlagen, weil diese nicht so tief verwurzelt sind wie ältere Rebstöcke. In Schriesheim freute sich die Winzergenossenschaft über einen Ertrag von etwa 1,74 Millionen Kilogramm, was etwa 500.000 Kilogramm über dem Durchschnitt liegt.
Die Rekordwerte für den Fruchtzucker lagen bei 123 Grad Oechsle, obwohl die Lese schon Anfang September begann und Ende des Monats abgeschlossen war. "Die Natur hat uns reich beschenkt", sagt Harald Weiss, Geschäftsführer der Winzergenossenschaft. "Der Klimawandel kommt im Weinbau eher mit Positiveffekten daher." Die negativen Folgen wolle er aber nicht kleinreden.
Durch die Hitze im Sommer haben die Äpfel, die bis dahin gut gediehen waren, zwei Probleme bekommen. Zum einen fehlte es so mancher Frucht an Farbe, "denn die gibt’s nur, wenn es nachts etwas kühler ist", erläutert Obstbaumeister Werner Volk aus Hirschberg-Leutershausen. "Der Apfel braucht die Temperaturschwankung." Das zweite Problem: So mancher Apfel wollte aufgrund der Hitze nicht mehr wachsen. Daher verzeichnet Volk gut zehn bis 20 Prozent weniger Ertrag, was er an fehlender Größe der Früchte bemisst. In der Regel hat ein Apfel sieben bis acht Zentimeter Durchmesser, bei manchen fehlten nun ein bis 1,5 Zentimeter.
