Mosbacher Buchwochen: Auf Verbrecherjagd zwischen Burg und Bistro
Von Peter Lahr
Mosbach. Er ist ein eloquenter Plauderer, großer Charmeur und nicht minder großer "Selbst-Vermarkter". Der gebürtige Schotte Martin Walker las am Montag im Rahmen der Mosbacher Buchwochen aus seinem aktuellen Roman "Revanche". Bereits zum zehnten Mal schickt er darin seinen Bilderbuch-Franzosen Bruno - seines Zeichens "Chef de police", Gourmet und eher bindungsunwilliger Junggeselle - auf Verbrecherjagd durch ein recht idyllisch-provinziell anmutendes Perigord.
Der Auftritt in Kindlers Buchhandlung war bereits das dritte Gastspiel des Wanderers zwischen den Welten. Walker lebt wahlweise in Washington und Frankreich. Da der Autor auf Englisch las, übernahm Christof Roos dankenswerterweise den Part des Tandem-Vorlesepartners und las einige Textstellen auf Deutsch.
"Entschuldigung, dass mein Deutsch ist so primitiv", brach der 71-jährige Walker mit gewinnendem Lausbubenlächeln und gekonntem Understatement gleich das Eis. Er habe zwar zwei Jahre am Gymnasium Deutsch gelernt, aber dann doch mehr Vokabeln bei Seeräuber Jenny, Marlene Dietrich und den Toten Hosen gelernt. Auch seine aktuellen Lieblingsvokabeln behielt Walker nicht für sich: Entschlossenheit, lächerlich und fuchsteufelswild.
"Dieser Roman beginnt für mich mit einem Schloss", kam Walker auf die historischen Hintergründe seines Buchs zu sprechen. Auch wenn Saint-Denis, der Ort der Handlung, fiktiv ist. Das Schloss Commarque gibt es wirklich. Es handelt sich um eine bis heute beeindruckende Burgruine.
Wo einst vielleicht Ritter zu den Kreuzzügen aufbrachen und fantasiebegabte Zeitgenossen noch immer nach einem Templerschatz suchen, da liegt nun eine tote Frau. Ist sie abgestürzt, als sie ein Graffiti sprühte? Bevor es aber allzu kriminalistisch wird, wusste Martin Walker gekonnt die Spuren zu verwischen - und plauderte weiter. Er kam auf die große und reiche Vergangenheit des Landstrichs zu sprechen und gab zu bedenken: "Ich finde das etwas sehr speziell. Im Perigord finde ich so viel Geschichte." Klar, Martin Walker wäre nicht Martin Walker, würde er nicht genau dies vertiefen. Angefangen vom unweit der Burg gelegenen prähistorischen Fundort Abri de Cap Blanc - an dem sich zufälligerweise neben Tierreliefs auch das Grabmal einer jungen Frau fand - bis zu Picasso, der von den "alten Meistern" lernen wollte.
Walker las flüssig, jedoch in sehr gemäßigtem Tempo seine englischen Textstellen. So bekam man auch mit eingerosteten Schulkenntnissen einiges mit. Der Autor legte Wert darauf, dass man ihn verstand. Er blickte immer wieder über den Rand seiner Lesebrille zum Publikum und unterstrich seine Worte gerne mit eindeutigen Gesten. Später identifizierte er sich so weit mit einem Protagonisten, dass er die Hand einer Holden galant ergriff. Christof Roos konnte die deutschen Passagen etwas schneller lesen. Er gestaltete seine Sätze vielleicht etwas melodischer aus, formte sie aber nicht weniger emotional.
Doch nicht nur große internationale Verbrechen - in diesem Fall gleich Terroralarm und Naher Osten - bringen Brunos fein ausbalancierte Lebensart zwischen Büro und Bistro durcheinander. Das Innenministerium schickt ihm auch noch eine "Trikolore Frau" zur Seite. Die junge, strebsame und umwerfend schöne Amélie aus Guadeloupe soll die Philosophie des Chef de police ganz genau kennenlernen und wird ihn deshalb zwei Wochen lang auf Schritt und Tritt begleiten. Klar, dass bereits das erste gemeinsame Mittagessen vergnüglich wird.
Und Martin Walker gab die schöne Taffe auch noch Gelegenheit, auf "Satchmos" Spuren zu wandeln und "Cheek To Cheek" zu schmettern. "So kurz vor Weihnachten" verwies Walker auf das von ihm und seiner Frau, einer Gastronomiekritikerin, verfasste "Brunos Kochbuch". Kleine Kostproben daraus hatte das Team von Christine Krück-Mellert bereits auf das brunoeske Büffet gezaubert.
