Hardheim: Die Zahl der freien Bauplätze wird knapp
Hardheim. (rüb) "Wenn wir jungen Familien nichts anbieten können, dann haben wir sie verloren - und zwar nicht nur als Einwohner, sondern auch als potenzielle Nutzer für unsere Kindergärten und Schulen oder für unser Krankenhaus." Bürgermeister Volker Rohm weiß, dass es für die Attraktivität einer Gemeinde entscheidend ist, dass sie ausreichend Bauplätze anbieten kann. In der Praxis gestaltet es sich jedoch gar nicht so einfach, dieses Ziel umzusetzen: Derzeit stehen Bauwilligen in der Kerngemeinde gerade einmal drei Bauplätze in Gemeindebesitz zur Verfügung. Bis im neuen Baugebiet "Trieb-Hostienäcker II" gebaut werden kann, wird noch ein Jahr ins Land ziehen.
Wie so viele Kommunen im ländlichen Raum befindet sich die Gemeinde Hardheim beim Thema "Bauplätze" in einem besonderen Spannungsfeld: Auf der einen Seite steht der Wunsch vieler Familien nach einem Eigenheim in einem ruhigen, attraktiv gelegenen Neubaugebiet. Auf der anderen Seite ist es der politische Wille - und auch aus ökologischer und landschaftlicher Sicht wünschenswert - nicht immer neue Grünflächen zu bebauen und damit zu versiegeln.
So betrug der Flächenverbrauch im Neckar-Odenwald-Kreis zuletzt 0,1 Hektar - pro Tag wohlgemerkt. Hinzu kommt, dass es eine große Zahl freier Bauplätze in Privatbesitz gibt - ohne dass dort in absehbarer Zeit mit einer Bebauung zu rechnen ist. Der fehlende Bauzwang rächt sich hier.
Viel besser, als immer neue Flächen zu erschließen, wäre es, das innerörtliche Potenzial besser zu nutzen: In Hardheim geschieht dies aktuell mit dem Sanierungsgebiet "Ried". Zudem ist es im Ortsteil Gerichtstetten im Zuge des dortigen Sanierungsprogramms gelungen, innerorts neue Bauplätze zu schaffen. In Erfeld könnte ein Sanierungsprogramm auf Grund der Bausubstanz im Kernort ebenfalls ein Thema werden, verriet Bürgermeister Rohm im Gespräch mit der RNZ.
Doch klar ist auch: Durch den Abriss alter Gebäude und das Zusammenlegen von Grundstücken lassen sich zwar einige neue Bauflächen im Ortskern schaffen. Doch häufig entsprechen diese Grundstücke den Erwartungen bauwilliger Familien nicht im gewünschten Maß.
Auch das ist nachvollziehbar, denn zur besonderen Lebensqualität auf dem Land gehört für viele nun einmal ein entsprechend großes Grundstück mit dazu, das ausreichend Platz für Kinder, Nutzgarten oder Hobbys bietet.
Den Gemeinden sind bei der Ausweisung neuer Baugebiete sinnvollerweise Grenzen durch die Regionalplanung gesetzt - schließlich geht man davon aus, dass sich die Zahl der Einwohner in den nächsten Jahren eher nach unten als nach oben entwickelt. In Hardheim und den Ortsteilen sind im Flächennutzungsplan (FNP) aber noch ausreichend Erweiterungsflächen vorgesehen. Auch im Entwurf des FNP 2030, mit dem sich der Gemeindeverwaltungsverband Hardheim-Walldürn demnächst wieder beschäftigen wird, sind diese Flächen weiterhin vorgesehen.
Für die fernere Zukunft ist also gesorgt, Probleme könnte es dagegen aktuell geben. Wie Bürgermeister Volker Rohm in der Gemeinderatssitzung am Montag auf Nachfrage von Klaus Kreßner aufzeigte, laufen die Planungen für die weitere Erschließung des Baugebiets "Trieb-Hostienäcker" (oberhalb der Querspange) auf Hochtouren: "Wir sind derzeit auf verschiedenen Ebenen sehr aktiv - von der Erschließungsplanung bis zum Grunderwerb." Rund 50 neue Bauplätze können dort abschnittsweise erschlossen werden.
Spätestens im Herbst 2019 sollen die ersten neuen Bauplätze erworben werden können. Bis dahin stehen für Bauwillige in der Kerngemeinde nur noch drei Bauplätze im Gemeindebesitz zur Verfügung.
Hier der Überblick über die aktuelle Zahl der freien Bauplätze in Gemeindebesitz:
Bretzingen: 2
Erfeld: 7
Gerichtstetten: 2
Hardheim: 3
Höhengemeinden: 0
Schweinberg: 2
In Gerichtstetten hat sich im Zuge der Fortschreibung des Flächennutzungsplans eine Änderung ergeben: Die Erweiterungsfläche des Baugebiets "Vordere Steinig" wurde Richtung Süden, also näher an die L579 verschoben. Der Grund ist eine einfachere Erschließung. Parallel dazu werden innerorts in der Nähe des Friedhofs zwei neue Bauplätze geschaffen, um kurzfristig auf die Nachfrage reagieren zu können.
