Heidelberger Erzieher: Männersache!
Von Jonas Labrenz
Heidelberg. Marcel Vajda hatte bereits sein eigenes Geld verdient und eine Ausbildung zum Kaufmann zur Hälfte hinter sich. Doch der heute 22-Jährige war nicht zufrieden: "Die Büroarbeit war einfach nichts für mich", schmunzelt er. Jetzt ist Vajda im Anerkennungsjahr und ist damit fast am Ende seiner Erzieherausbildung. Nach den ersten drei Jahren verdient er auch wieder Geld - und ist glücklich.
Einfach fiel ihm die Entscheidung damals jedoch nicht: "Ich habe schon überlegt, was die anderen dann über mich denken. Erzieher gilt halt immer noch als Frauenberuf", erinnert sich Vajda. Dabei hatte er schon als 13-Jähriger einen guten Draht zu seinem damals zweijährigen Cousin. "Das Spielen mit ihm hat mir immer Spaß gemacht", sagt Vajda. Und auch seinen Eltern fiel auf, wie schnell er eine enge Bindung zu dem Kind aufgebaut hatte.
Als er mit seiner Ausbildung zum Kaufmann unzufrieden war, schalteten sich seine Eltern gleich ein: "Die wollten ja eigentlich schon damals, dass ich die Ausbildung mache", grinst Vajda. Und dieses Mal nahm er die Anregung gerne auf, nachdem er als Kaufmann nicht glücklich geworden war: "Damals, direkt nach der Realschule, wusste ich nicht genau, was ich machen sollte. Ich dachte man verdient gut - es heißt ja immer noch, der Mann ist der Ernährer der Familie." Er dachte, er könne damit nichts falsch machen. "Da habe ich mich wohl geirrt", lacht Vajda.
"Mach das, wenn du glücklich wirst", sagten ihm seine Eltern jetzt wieder. Er brauchte auch ihre Unterstützung: "In den ersten drei Jahren verdient man kein Geld", erklärt Vajda. Die Ausbildung ist größtenteils schulisch, es gibt allerdings immer wieder praktische Phasen. Zuletzt war der 22-Jährige beim Schulhort der Kindertagesstätte der Arbeiterwohlfahrt in Bergheim. Für sein Anerkennungsjahr bewarb er sich wieder dort - und wurde genommen.
Bis jetzt hat Vajda keine schlechten Erfahrungen gemacht. Auch im Freundeskreis hat bislang niemand abfällig über ihn gesprochen. "Ich habe immer nur Unterstützung erfahren", sagt Vajda.
Bei einigen der wenigen männlichen Klassenkameraden war das auch mal anders: Die Kita-Leitung habe ihnen, weil sie Männer waren, verboten, die Krippenkinder zu wickeln, "oder haben schräge Blicke von Eltern geerntet, weil ein Kind auf ihrem Schoß saß", erzählt der 22-Jährige.
Den wichtigsten Grund, warum so wenige Männer den Beruf ergreifen, sieht Vajda jedoch darin, dass immer noch die Idee vorherrschend sei, Erziehung sei Frauensache. "Die Männer fehlen da einfach - leider", so der 22-Jährige. Dazu kämen wohl auch die schrägen Blicke und das fehlende Gehalt in den ersten drei Jahren.
Für die wenigen Männer, die die Ausbildung dennoch antreten - Vajda hatte 20 Mitschülerinnen, aber nur zwei Mitschüler - zahle sich das aber aus: "Bei den Kindern ist man beliebt und auch die Einrichtungen empfangen einen mit offenen Armen."
Dass es für ihn ein Vorteil ist, ein männlicher Erzieher zu sein, war für Vajda allerdings nicht der entscheidende Grund, in den Beruf einzusteigen: "Nein, das ist mir erst später überhaupt klar geworden." Der 22-Jährige findet, dass viel mehr Männer Erzieher werden sollten - um nicht länger Exoten in dem Beruf zu sein. Denn es gehe ja nicht nur darum, mit Kindern zu spielen, erklärt Vajda. Den Hort besuchen sechs- bis zwölfjährige Schüler.
Dort müssen die Erzieher viel planen, sich mit Schule und Eltern austauschen. Sie müssen die Stärken der Kinder gezielt fördern und Probleme frühzeitig erkennen, diese entweder selbst lösen oder Experten vermitteln. "Wir müssen immer gucken, was wir tun können." Außerdem hätten Erzieher ja auch die Möglichkeit, in der Ausbildung ein Fachabitur zu machen.
Vajda hat es geschafft und möchte seinem Hort auch künftig die Treue halten. Es sei denn, er sollte nicht übernommen werden. "Dann will ich studieren." Eines steht für den 22-Jährigen allerdings fest: "Ich will auf jeden Fall weiter mit Kindern arbeiten", lächelt Vajda.
