Mosbach: Die Jugend braucht mehr Unterstützung
Mosbach. (schat/stm) Jetzt ist man selbst schon in der Pubertät, wenn man so will: Die Stadt Mosbach kann in diesem Jahr auf 15 Jahre offene Kinder- und Jugendarbeit zurückblicken. Die ersten Kinder und Jugendlichen, die das damals neue Angebot der Stadt nutzten, sind inzwischen erwachsen, haben die eigene Pubertät längst hinter sich gelassen. Kernstück der Jugendarbeit ist das städtische Jugendhaus, in dessen Räumen es am 8. November eine offizielle Jubiläumsfeier geben wird.
Neben der offenen Jugendarbeit im Jugendhaus mit zwei Mitarbeiterinnen, zu der auch der Jugendtreff in der Waldstadt sowie die Kinderfreizeit Reichenbuch (aktuell laufend) gehören, bietet die Stadt Mosbach auch in weiteren Bereichen Unterstützungsarbeit. Im Kinder- und Jugendtreff Waldsteige mit einer Mitarbeiterin liegt der Schwerpunkt auf Integrationsarbeit, an allen weiterführenden Mosbacher Schulen wirken Schulsoziarbeiter/innen und an der Hardbergschule ein Arbeitserzieher. Unterstützt wird die Arbeit zum Teil durch engagierte junge Menschen, die ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) ableisten.
"Kommunale Kinder- und Jugendarbeit ist Teil der außerschulischen Jugendbildung, Bestandteil der verantwortlich gestalteten kommunalen Daseinsfürsorge und wichtiger Standortfaktor innerhalb einer familienfreundlichen Kommune", erklärt die Pressereferentin der Stadt Mosbach, Meike Wendt. Im Rahmen der Sitzung des Ausschusses Bildung, Kultur, Sport und Tourismus berichteten jüngst die pädagogischen Mitarbeiterinnen des Jugendhauses Mosbach, Christine Günther und Christina Leutz, über ihre Arbeit, Aufgabenschwerpunkte, Herausforderungen sowie über laufende wie auch geplante Projekte.
Mit sechs großen Räumen und einer zusätzlichen Halle ist das unterhalb der Alten Mälzerei gelegene Jugendhaus flächenmäßig sehr gut ausgestattet und kann auf eine große Auswahl an Freizeit- und Spielgeräten verweisen. Geöffnet hat es Dienstag- bis Freitagnachmittags und -abends; zwischen 20 und 50 Besucher(innen) kommen täglich.
Darunter sind - im Sinne einer inklusiven Ausrichtung - auch Jugendliche mit Behinderungen. Traditionell sind auch im Jugendhaus Mosbach die männlichen Besucher in der Überzahl. Viele der Kinder und Jugendlichen dort haben einen Migrationshintergrund. Seit 2016 sei ein enormer Besucherzuwachs durch junge Geflüchtete zu verzeichnen, auch hier mehrheitlich junge männliche Personen, so die pädagogischen Mitarbeiterinnen.
Einen Schwerpunkt legen sie in die Mädchenarbeit, die Angebote und Projekte speziell nur für Mädchen anbietet. Diese Mädchengruppen finden im Jugendhaus in Kooperation mit der Lohrtal- und der Hardbergschule statt.
Die Angebote im Jugendhaus orientieren sich an den jeweiligen Problemlagen der Jugendlichen, die schulischer Natur, aber auch im Elternhaus begründet sein können. Auch Ärger mit Freunden, Schwierigkeiten in der Ausbildung, Sucht, Schulden, Gewalt oder fehlende Integration in die Gesellschaft sind Themen, die besprochen werden, für die gemeinsam nach Lösungen gesucht wird.
In der Beratung spielen auch die Auflösung klassischer Familienstrukturen, der zunehmende Einfluss sozialer Netzwerke, das Desinteresse an kommunalpolitischen Fragestellungen bis hin zur Politikverdrossenheit und schließlich ein zunehmender Verlust an Empathie und sozialer Kompetenz eine Rolle.
Die Jugendhausmitarbeiterinnen wollen durch Angebotsvielfalt und Begleitung von psycho-emotionalen Krisen eine sinnvolle Freizeitgestaltung ermöglichen. Niederschwellig, zwanglos und lösungsorientiert sind hier Schlagworte. Ganz wichtig sei aber auch, den Jugendlichen schlicht zu vermitteln, "dass jemand für sie ’da’ ist". Basis hierfür sei eine langjährige Beziehungsarbeit und Kontaktpflege.
Der Kinder- und Jugendtreff in der Waldstadt besteht seit 2010 in einer mobilen Raumeinheit (Container) neben der Grundschule. Der Treff ist mittwochs und donnerstags geöffnet und wird pro Öffnungstag von 20 bis 30 Kindern ab sechs Jahren aufgesucht. "Aufgrund der eingeschränkten Platzmöglichkeiten und der fehlenden Personalressourcen kann dort leider nur ein begrenztes Angebot geleistet werden", bedauert Christine Günther.
Auch im Jugendhaus selbst habe man ein drängendes Problem: die Personalsituation. Durch stetigen Besucherzuwachs bei gleichzeitig wachsenden Aufgaben sehen die Kolleginnen einen großen Bedarf zur Ergänzung des Teams mit einer weiteren qualifizierten pädagogischen Fachkraft.
Immerhin: Auch Oberbürgermeister Michael Jann folgert aus Besucheranstieg und zunehmendem Beratungs-, Unterstützungs- und Begleitungsumfang (sowie Herausforderungen bei Integration und Inklusion) personellen Handlungsbedarf - "an dem aus fachlicher Sicht kein Weg vorbeiführt". Im Rahmen der Beratungen zum städtischen Haushalt 2019 soll dieser Handlungsbedarf behandelt werden. Ob es dann zusätzliche Unterstützung gibt, wird sich zeigen. Sicher war den beiden Säulen der offenen Kinder- und Jugendarbeit immerhin schon einmal der Dank, den die Ausschussmitglieder Christine Günther und Christina Leutz für deren engagierte Arbeit aussprachen.
