Berlin/Mannheim: MTG-Staffelläufer über den Sturz seines Kollegen - "Extrem bitter"
Berlin. (eth) Da stand Patrick Domogala (MTG Mannheim) am Sonntagabend in der Mixedzone des Berliner Olympiastadions und sagte: "Vor fünf Minuten wäre ich noch nicht in der Lage gewesen, darüber zu sprechen." Er wäre noch nicht in der Lage gewesen, über den Sturz seines Staffelkollegens Lucas Jakubczyk zu sprechen, der sich im Vorlauf über 4 x 100 Meter eine Oberschenkelverletzung zuzog und hinfiel - mit ihm purzelten auch die eigentlich schon sichere Endlaufteilnahme und die Medaillenhoffnung des deutschen Quartetts zu Boden.
Domogala, an Position zwei gelaufen, musste nun also darüber sprechen, was passiert war ("Ich kann’s nicht sagen, ich schaue beim letzten Wechsel nie hin"), was möglich gewesen wäre ("Der Medaillentraum lebte") und wie bitter das alles war ("Extrem bitter"). Dabei war der 25-Jährige doch einfach nur extrem enttäuscht. Bis zum letzten Abend musste er bei dieser EM auf seinen Einsatz warten, und dann lösen sich alle Träume innerhalb von Sekundenbruchteilen auf. Schlussläufer Jakubczyk stürzte nach wenigen Metern und riss Julian Reus mit.
Das Staffelrennen im EM-Vorlauf, es steht irgendwie auch sinnbildlich für Domogalas Saison mit vielen Höhen, aber auch brutalen Tiefen. So wie die Staffel bis zum Sturz super im Rennen lag, lief es auch in dieser Saison für Domogala anfangs gut - und später dann nicht mehr ganz so gut. Nach einer Operation an beiden Leisten im Juli 2015 und - nach einer kurzen Rückkehr auf die Bahn - einer Operation an der linken Hüfte im Dezember 2016 knackte Domogala Mitte Juni die EM-Norm über 100 Meter und wurde vom DLV für den Weltcup in London Mitte Juli nominiert. Er konnte auf einen Start bei der EM in Berlin im Einzel und in der Staffel hoffen. Dann jedoch folgte wegen eines Fehlstarts, den Domogala bis heute anzweifelt, das Vorlauf-Aus bei den deutschen Meisterschaften - die Hoffnung auf einen EM-Einzelstart war damit futsch. Und nun gab’s das Staffel-Aus. "Es war keine Traumsaison, eher eine Comebacksaison", sagt Domogala über sein Leichtathletik-Jahr 2018. Das Wichtige für ihn ist: Er weiß, er ist wieder in der deutschen Spitze angekommen.
