Eppelheim: Neue Hoffnung für das Laster-Verbot?
Von Anja Hammer
Eppelheim. Fast 400 Eppelheimer waren einer Meinung mit Christa Zieher. Die Anwohnerin hatte Unterschriften gesammelt, um ein Lkw-Verbot und Tempo 30 auf der Rudolf-Wild-Straße durchzusetzen. Das Problem: Die Rudolf-Wild-Straße ist eine Kreisstraße, zuständig ist also das Landratsamt des Rhein-Neckar-Kreises. "Die Anfrage wurde mit dem Hinweis abgelehnt, dass lediglich vor Kindergärten an Kreisstraßen Tempo 30 zulässig sei", berichtete Christa Balling-Gündling (Grüne) in der jüngsten Gemeinderatssitzung. Daher hatte ihre Fraktion eine neue Lösung im Gepäck: "Aus Lärmschutzgründen ist eine Ausweisung einer Tempo-30-Zone möglich", so Balling-Gündling. "Voraussetzung hierfür ist ein Lärmaktionsplan." Und genau diesen hatten die Grünen vor einigen Wochen beantragt und nun wurde er im Rat debattiert.
Für einen Lärmaktionsplan seien Verkehrszählungen notwendig. Die letzte, die in der Rudolf-Wild-Straße durchgeführt wurde, liegt laut Balling-Gündling 15 Jahre zurück. Und schon damals seien im südlichen Bereich über 9400 Autos gezählt worden sowie bis zu 300 Schwerlaster. Ab 8200 sei ein Lärmaktionsplan zu erstellen. Da die aktuellen Zahlen wohl noch höher als 2003 seien, sei die Stadt quasi in der Pflicht, so die Grünen-Chefin. Zudem solle die Verwaltung mit den Firmen ADM/Wild und Capri-Sun reden, damit diese Wende- und Parkmöglichkeiten für Lastwagen auf ihrem Betriebsgelände einrichten. Auch mit dem Kreis und der Nachbarstadt Heidelberg solle gesprochen werden, damit ein Lkw-Verbot auch eingehalten werden könne.
Der Antrag fand bei allen Fraktionen breite Zustimmung - und zwar so große, dass Trudbert Orth (CDU) in Richtung Verwaltung meinte: "Bitte fügen Sie hinzu, dass der Antrag auch von der CDU und der Eppelheimer Liste ist." Renate Schmidt (SPD) stellte mündlich den Antrag, beim Landratsamt auf einen Kreisverkehr hinzuwirken. Woraufhin Orth sich einmischte, dass seine Fraktion einen solchen bereits beantragt habe. Bernd Binsch (EL/FDP), der bereits die Unterschriftenaktion unterstützt hatte, sagte schelmisch grinsend: "Ich stelle mit Freude fest, dass sich die Fraktionen überbieten, gute Vorschläge für die Rudolf-Wild-Straße zu bringen."
Nur Alexander Pfisterer (SPD) hatte einen Einwand: Er fand das Vorgehen zu hastig und sprach das Stadtentwicklungskonzept an, in dessen Rahmen doch auch der Verkehr angegangen werde. Daraufhin platzte es geradezu aus Bürgermeisterin Patricia Rebmann heraus: "Danke, dass Sie es gesagt haben, Herr Pfisterer!" Sie fand ein "Hoppeldihopp" bringe nichts. Die Rathauschefin vermutete vielmehr Wahlkampf hinter dem Aktionismus. Da ihr das nicht passte, unterbrach sie auch die Diskussionen. "Ich schließe den Tagesordnungspunkt jetzt", sagte sie. Anträge seien schriftlich einzureichen.
Nichtsdestoweniger hatten die Diskussionen dazu geführt, dass ein Lärmaktionsplan einstimmig bei einer Enthaltung auf den Weg gebracht wurde. Und zwar nicht nur für die Rudolf-Wild-Straße, sondern auch für die Scheffel-, Peter-Böhm- und die Mozartstraße.
