Supermarkt-Streit: Edeka vergiftet Verhältnis zwischen Neckargemünd und Bammental
Von Christoph Moll und Benjamin Miltner
Neckargemünd/Bammental. Der Neckargemünder Gemeinderat hat in seiner jüngsten öffentlichen Sitzung den Weg für den neuen Edeka-Markt an der Bundesstraße B45 Richtung Bammental freigemacht (s. Hintergrund). Das Vorhaben ist allerdings umstritten und hat jüngst das Verhältnis zwischen Neckargemünd und der Nachbargemeinde Bammental vergiftet.
Denn dort ist man alles andere als begeistert von den Neckargemünder Supermarkt-Plänen, sondern fürchtet um Kunden für die eigenen Märkte. Es ging sogar so weit, dass Neckargemünds Rathauschef Frank Volk seinem Bammentaler Amtskollegen Holger Karl öffentlich vorwarf, die Unwahrheit zu sagen. Die entscheidende Frage: Gab es zwischen den Bürgermeistern im Vorfeld eine Verabredung oder nicht?
Die Antworten der Bürgermeister auf diese Frage könnten unterschiedlicher nicht sein. Als Holger Karl im Bammentaler Gemeinderat gefragt wurde, ob es eine Unterredung mit Frank Volk gab, verneinte er dies und räumte ein: "Sie wurde von uns aus auch nicht angestrengt."
Im Neckargemünder Gemeinderat wurde Frank Volk das Gleiche gefragt. Seine Antwort: "Ich bin ein Freund der interkommunalen Zusammenarbeit und habe im Vorfeld mit dem Kollegen gesprochen", sagte Volk. "Aber wenn es jetzt anders dargestellt wird, kann ich auch nichts dafür."
Und er legte noch nach: Bammental wolle schließlich ebenfalls einen Supermarkt bauen - "und das in einem Überflutungsgebiet".
Was stimmt denn nun? Haben sie miteinander geredet oder haben sie nicht? Auf RNZ-Nachfrage wollte sich Frank Volk nicht mehr zu dieser Frage äußern: "Kein Kommentar!"
Nur so viel ließ er sich entlocken: "Holger Karl und ich stehen regelmäßig in einem konstruktiven Dialog und haben ein gutes Verhältnis", sagte Volk. "Wir sehen uns häufig und sprechen miteinander." Volk räumte aber ein, dass man sich beim Supermarkt-Thema nicht einig sei.
Bei anderen Themen wie dem Klimaschutz arbeite man aber innerhalb des Gemeindeverwaltungsverbandes gut zusammen. Das persönliche Verhältnis habe jedenfalls nicht gelitten, betonte Volk.
Und was sagt Holger Karl dazu? Auch der Bammentaler Bürgermeister wollte sich weder zu einer möglichen Besprechung mit seinem Neckargemünder Amtskollegen äußern, noch zu dessen Stellungnahme im Gemeinderat.
Er betonte auf RNZ-Nachfrage nur: "Wir wollen mit Neckargemünd im Gemeindeverwaltungsverband weiter vertrauensvoll zusammenarbeiten." Dazu gehöre aber auch, dass konstruktive Vorschläge von Nachbargemeinden ernsthaft geprüft werden.
Im Bezug auf die Neckargemünder Edeka-Pläne heiße das: "Bevor es konkret wird, möchten wir klären lassen, welche Auswirkungen ein weiterer Neckargemünder Supermarkt auf uns hätte", so Karl. Neckargemünd habe die Entwicklungspotenziale aus dem im Jahr 2010 beschlossenen Einzelhandelskonzept bereits ausgeschöpft. "Wir möchten das Gutachten nun fortschreiben", betont der Bammentaler Rathauschef.
