Eppingen: 22.000-Einwohner-Marke ist geknackt
Eppingen/Bad Rappenau. (guz) Oberbürgermeister Klaus Holaschke hatte bei der Parkhauseinweihung am Freitag nicht nur eine Menge Zahlen zum neuen Gebäude parat, sondern verkündete auch eine besonders gewichtige Grenzüberschreitung: 22.051 Einwohner waren zum 30. Juni gezählt worden - so viele hatte die Fachwerkstadt in ihrer mehr als 1000 Jahre währenden Geschichte noch nie. Und der Zuwachs hält weiter an, was sich nicht zuletzt am steigenden Bedarf bei der Kinderbetreuung und bei der Nachfrage nach Wohnraum und Bauplätzen zeigt.
"Eppingen wächst auch gegen den Trend", stellte Holaschke angesichts des Ergebnisses fest. Und der sichtlich stolze Oberbürgermeister verkniff sich auch eine kritische Anmerkung Richtung Statistisches Landesamt nicht. Beim Zensus im Jahr 2011 hatte Eppingen auf statistischem Weg und somit quasi über Nacht 591 Einwohner verloren - und in der Folge auch eine Menge Geld, denn die Einwohnerzahl ist unter anderem ausschlaggebend für die Zuweisungen aus dem kommunalen Finanzausgleich.
Bereits kurz nach der Bekanntgabe der Zahlen im Mai 2013 hatten damals bundesweit mehrere Hundert Kommunen protestiert, unter ihnen auch Eppingen und die Nachbar-Große-Kreisstadt Bad Rappenau, die sich beide einer Sammelklage gegen den Zensus anschlossen. "Auch bei uns waren mit einem Schlag mehr als 500 Bürger weg", erinnert sich Ordnungsamtsleiter Roland Deutschmann. Inzwischen weist auch Bad Rappenau wieder eine höhere Bevölkerungszahl aus: 21.806 Menschen lebten am 30. Juni in der Kurstadt und ihren Stadtteilen.
Timo Arnold vom Rappenauer Bürgerbüro hält die von der Kommune selbst erhobenen Zahlen für weit belastbarer, als es die des Statistischen Landesamtes sind. Während die Zahlen der Behörde teilweise geschätzt oder nach stichprobenhaften Bürgerbefragungen hochgerechnet wurden - genau daran entzündete sich auch die massive Kritik, die inzwischen zu einem (noch schwebenden) Normenkontrollverfahren gegen den Zensus geführt hat - habe die Stadt ziemlich exakte Zahlen, sagt Arnold. Über die enorme Abweichung zwischen dem Zensusergebnis und den vom Einwohnermeldeamt ermittelten und laufend fortgeschriebenen Zahlen kann er nur den Kopf schütteln: "So viele Kartei-Leichen kann es gar nicht geben." Zwar seien auch die Ab- und Ummeldungen nicht immer auf dem absolut exakten Stand. Aber spätestens wenn die Abfallgebühren erhoben werden und es also ans Geld geht, würden die Bürger eine Abmeldung nachreichen.
Die Stadt Eppingen bezieht ihre Zahlen vom regionalen Rechenzentrum. Diese sind, wie in Bad Rappenau, nach Stadtteilen aufgeschlüsselt und meist nur wenige Tage oder Wochen alt. "Bei den Zahlen vom Statistischen Landesamt gibt es keine Aufteilung nach Stadtteilen, außerdem sind diese immer Monate hinterher", erklärt Sönke Brenner von der Stabstelle des Eppinger Oberbürgermeisters die immer noch bestehenden Unterschiede. Die jüngste vom Landesamt errechnete Bevölkerungszahl wurde der Stadt am 30. September 2017 übermittelt: 21.627 Einwohner, hieß es damals. Binnen Jahresfrist sei die Stadtbevölkerung um 130 Personen gewachsen, rechnet dagegen die Stadtverwaltung vor, die nun auf besagte 22.051 Einwohner kommt.
