Neckar-Odenwald-Kreis: Pflegebedarf wird bis 2030 explodieren
Neckar-Odenwald-Kreis. Der Neckar-Odenwald-Kreis hat sich beim Thema Senioren mit der Erarbeitung eines rund zweihundertseitigen Berichts neu aufgestellt. Präsentiert wurde er in einer Sitzung des Kreistagsausschusses für Gesundheit und Soziales in Dallau. Das Werk ist der erste umfassende Seniorenbericht des Landkreises und enthält eine Vielzahl konkreter Handlungsempfehlungen.
"Es hatte sich herauskristallisiert, dass der bisherige Altenhilfebericht der immer wichtiger werdenden Thematik nicht mehr gerecht wird. Deshalb haben wir in Absprache mit dem Ausschuss jetzt ein ganz anderes Level an Information und die davon abgeleiteten Maßnahmen vorgelegt", erläuterte Landrat Dr. Achim Brötel eingangs.
Federführend erarbeitet hat den Bericht der Fachbereich Jugend und Soziales des Landratsamtes, der dabei eng mit dem Kommunalverband für Jugend und Soziales (KVJS) Baden-Württemberg kooperierte. Die Erstellung wurde zudem von einem eigens gegründeten Fachbeirat mit lokalen Experten begleitet.
Den Ausschussmitgliedern vorgestellt wurde der Bericht von Dr. Alexandra Klein vom KVJS: "Das Ziel ist es, nicht nur alle Lebensbereiche älterer Menschen in den Blick zu nehmen, sondern auch einen verlässlichen Orientierungsrahmen für Planungen in den Kommunen zu bieten", sagte Klein.
Für die Dringlichkeit des Berichts sprächen insbesondere statistische Zahlen. Man rechne in den nächsten rund zehn Jahren kreisweit mit über 2000 Personen mehr im Alter von 80 Jahren.
Sehr genau angesehen habe man sich deshalb das Thema Wohnen, hier solle der Kreis beispielsweise die Wohnberatung weiter verstärken. Man müsse sich aber auch noch intensiver um Barrierefreiheit und Nahversorgung kümmern.
Ohnehin schon angestoßen sei die Weiterentwicklung des Nahverkehrsplans, man könne aber beispielsweise gezielt Fahrsicherheitstrainings für Senioren anbieten, so ein weiterer Vorschlag.
Eine wichtige Rolle soll der Kommunalen Gesundheitskonferenz zukommen, wie überhaupt das Thema Gesundheit und Pflege die größte Herausforderung sei. "Aufgrund der existierenden Angebote, unter anderem in den Neckar-Odenwald-Kliniken, ist der Landkreis geriatrisch schon sehr gut aufgestellt", betonte Klein. Ebenfalls sei anzustreben, ein so genannter demenzfreundlicher Landkreis zu werden.
Zentral für die Planungen vor Ort sei die Berechnung des Pflegebedarfs. Bis zum Jahr 2030 rechne man mit einem Anstieg von jetzt rund 1700 auf 8800 pflegebedürftige Menschen. Deutlich wurde dabei, dass aus jetziger Sicht bis dahin mehrere Hundert Plätze in Pflegeheimen fehlen. Wichtige Arbeit würden daher zukünftig die Pflegestützpunkte in Buchen und Mosbach bei der Unterstützung pflegender Angehöriger leisten.
Sehr zufrieden mit dem Bericht zeigte sich die Leiterin des Fachbereichs Jugend und Soziales, Renate Körber: "Jetzt geht es darum, die Handlungsempfehlungen umzusetzen und die Informationen an die zuständigen Stellen zu tragen. Wir haben schon viel erreicht und sind hier definitiv auf einem guten Weg."
Die Tiefe der Analyse wurde von den Ausschussmitgliedern gelobt, die in vielen Wortmeldungen ihre Perspektiven einbrachten. Im Kreis wisse nun jeder, was zu tun sei, so der Tenor. Intensiv diskutiert wurden der Mangel an Pflegefachkräften und die aktuellen Bewegungen in der Pflegeheimlandschaft. Dass der effizient arbeitende Fachbeirat weiter bestehen bleiben soll, wurde begrüßt.
In einem weiteren Tagesordnungspunkt stellte der Landrat den Stand des geplanten Pflegestützpunkts in Buchen vor. Untergebracht werden soll die Einrichtung im neuen Mehrgenerationentreff der Stadt.
Hier müsse allerdings noch umgebaut werden, daher sei mit der Eröffnung im Frühjahr 2019 zu rechnen. Personal werde man in den Monaten zuvor rekrutieren. Die Konzeption wurde vom Ausschuss einstimmig mitgetragen.
Auch eine ganze Reihe weiterer Entscheidungen traf der Ausschuss jeweils einstimmig: So wird die Zusammenarbeit mit dem Trägerverbund zum Betrieb der Tagesstätten für psychisch kranke und seelisch behinderte Menschen im Landkreis fortgesetzt.
Eine Finanzierungsvereinbarung bis zum Ende des Jahres 2021 kann die Verwaltung nun abschließen. Dies gilt ebenso für die Vereinbarung über die Erbringung von Leistungen des Sozialpsychiatrischen Dienstes, die mit dem Diakonischen Werk der evangelischen Kirchenbezirke ebenfalls bis 2021 verlängert wird.
Für das Projekt Rückkehrberatung des Caritasverbandes gewährt der Neckar-Odenwald-Kreis für die Dauer von zwei Jahren einen jährlichen Zuschuss unter dem Vorbehalt einer im Betrag gleich hohen Förderung durch das Land. Ergänzend hierzu trägt der Landkreis die Kosten für die Beschaffung von Rückreisedokumenten bei freiwilligen Ausreisen, sofern diese Kosten nicht anderweitig abgedeckt sind.
2016 seien 166 abgelehnte Asylbewerber mit Unterstützung der Rückkehrberatungsstelle ausgereist, 2017 waren es 56, informierte der Erste Landesbeamte Dr. Björn-Christian Kleih. Die Beratungsstelle werde in einer der nächsten Ausschusssitzungen über ihre Arbeit berichten. Weiterhin unterstützt durch den Kreis wird, so die letzte Entscheidung, ein vom Europäischen Sozialfonds gefördertes Projekt für junge Flüchtlinge und Migranten an beruflichen Schulen.
