"Hackathon" an der SRH-Hochschule: Digitale Lösungen für Alltagsprobleme
Von Arnd Janssen
Heidelberg. Was passiert, wenn 63 motivierte und technikbegabte junge Studenten und 28 Experten der Technikbranche für ein Wochenende zusammenkommen - gepaart mit einer Menge kreativer Energie? Im Falle des "Hackathons", der am Wochenende unter dem Motto "Sensoren und Daten" an der SRH-Hochschule stattfand, ist die Antwort klar: Hier werden potenzielle Lösungen für die digitalen Herausforderungen von Morgen entwickelt.
Das Kofferwort "Hackathon" setzt sich zusammen aus "Hacken" und "Marathon" und steht sinnbildlich für das Wochenende, das Studenten der unterschiedlichsten Fachrichtungen und etablierte Experten gemeinsam an der SRH verbrachten, um an IT-Lösungen für alltagsnahe Probleme zu tüfteln.
Die Umgangssprache dabei war Englisch, viele Beteiligte verwendeten technische Fachbegriffe. "Hier entstehen konkrete Ideen für Start-ups, und die Gründer können direkt mit den Mentoren in Kontakt treten", erklärte Thomas Prexl vom Gründerbüro der Start-up Partners Heidelberg, der den "Hackathon" mitorganisiert hatte. So können die jungen Ambitionierten von der Expertise erfahrenerer Unternehmer profitieren.
Die Bandbreite der Projekte war groß, es ist erstaunlich, was die Tüftler an einem Wochenende zustandegebracht haben. Die Gruppe "Big bio data" etwa hat eine Art Blutspendepool-System geschaffen. Versicherte können mithilfe eines Online-Tools bewusst Daten mit ihren Krankenkassen oder Forschungsunternehmen teilen und erhalten dafür eine finanzielle Belohnung. Die Daten können wiederum zu Forschungszwecken oder zur Leistungsverbesserung der Kassen verwendet werden.
Zwei weitere Projekte des Wochenendes beschäftigten sich mit der Frage, wie man den Arbeitsalltag eines Unfallchirurgs im OP-Saal erleichtert. Das Kamera-Sensoren-System des Teams "oPlot-System" beispielsweise sorgt dafür, dass der behandelnde Arzt zum richtigen OP-Werkzeug greift, und löst einen Alarm aus, falls in der Eile das falsche angefasst wird. Mithilfe von intelligenter Spracherkennung weiß das System sofort, nach welchem Gerät der Mediziner sucht, so die Entwickler.
Besonders eindrucksvoll war die Präsentation eines von Kehlkopf-Krebs genesenen Nachwuchsforschers. Nach einer Operation sind seine Stimmbänder so beschädigt, dass er kaum noch sprechen kann. Seine Gruppe hat deshalb ein Sprachsystem für Stumme entwickelt, das sein Flüstern zu einer künstlichen Stimme in normaler Zimmerlautstärke verstärkt.
Der Prototyp klingt noch ziemlich undeutlich und monoton, zeigt aber schon, was in diesem Bereich in Zukunft noch möglich ist. Am Ende gab es dafür den Preis für das beste benutzerzentrierte Design.
Auch in den zwei anderen Kategorien "Beste technische Umsetzung" und "Bestes Business-Modell" wurden Preise verliehen, die je mit 1000 Euro dotiert waren. Damit können zwar die erdachten Projekte nicht groß vorangetrieben werden, aber es ist immerhin ein Anreiz für die Teilnehmer.
Vor allem steht jedoch der Spaß an der Technik sowie die Gemeinschaft zwischen Studenten und Experten im Vordergrund. Ivo Leist, Masterstudent in Biochemie an der Uni Heidelberg, war schon zum wiederholten Male beim "Hackathon" dabei - und ist total begeistert: "Das Wochenende ist immer eine super-geile Zeit. Man trifft tolle Leute und lernt wahnsinnig viel."
