Sanierung Heimatmuseum Epfenbach: "Ich wollte es darauf ankommen lassen"
Von Christiane Barth
Epfenbach. Es scheint eine elegante Lösung zu sein: Das Heimatmuseum ist renovierungsbedürftig, und ein ortsansässiger Handwerker bietet sich an, sich der Sache anzunehmen - nicht nur der Arbeit, sondern der Kosten, da er die Arbeiten ohne Gewinnerzielungsabsichten durchführen will.
So weit der Plan, der außerdem vorsieht, zusätzlich freiwillige Helfer zu mobilisieren. Bürgermeister Joachim Bösenecker präsentierte diese Lösung dem Gemeinderat, doch dieser winkte ab: Der Tagesordnungspunkt wurde vertragt.
"Wir sehen hier Punkte beinhaltet, die wir in nicht öffentlicher Sitzung vorberaten müssen, erst dann können wir öffentlich über diese Maßnahme entscheiden", meinte CDU-Fraktionsvorsitzender Manfred Hafner. Der Bürgermeister sah sich veranlasst, unter Ausschluss der Öffentlichkeit zunächst über den Antrag Hafners abzustimmen: "Der Geist der Gemeindeordnung sieht vor, dass über einen Antrag, einen öffentlichen Tagesordnungspunkt abzusetzen und nicht öffentlich vorzuberaten, ebenfalls nicht öffentlich entschieden werden muss." Das Gremium stimmte also ab, nachdem die Sitzungsbesucher rausgeschickt worden waren.
Doch was war eigentlich der Grund für die Bedenken der Gemeinderäte? Der Bürgermeister hatte sich bei der geplanten Sanierung der Museumsfassade für ein Umgehen der Ausschreibungsvorschriften entschieden. Diese nämlich sehen vor, dass Aufträge, die die Gemeinde vergibt, ab einer gewissen Summe öffentlich ausgeschrieben werden müssen.
Marcel Sauer, Geschäftsführer mehrerer Firmen - spezialisiert auf Renovierungen sowie Putz- und Malerarbeiten - hatte angeboten, die Sanierung der Museumsfassade "kostenneutral" durchzuführen.
Sauer war früher selbst im Gemeinderat, kennt also die Finanznöte des Dorfs.Arbeitsstunden und Material würden in Rechnung gestellt, eine Gewinnspanne nicht einkalkuliert. Sauer sei selbst auf die Gemeindeverwaltung zugekommen mit dieser Idee, so Bösenecker, der nun erklärt, was ihn dazu bewogen hatte, bei der Arbeitsvergabe diesen "anderen Weg" zu gehen: "Ich wollte es darauf ankommen lassen."
Denn offensichtlich werde niemandem Schaden zugefügt, meint der Bürgermeister, selbst wenn "dieser Weg" nicht ganz zulässig sei. Das Entstehungsjahr des Gebäudes im Kreisental 4, in dem das Heimatmuseum beheimatet ist, jährt sich in diesem Jahr zum 300. Mal. Ein Grund mehr für den Heimatverein, auf die Sanierung zu drängen. Bereits Ende 2016 machte der Vereinsvorsitzende, Jürgen Kurz, auf den Sanierungsbedarf aufmerksam.
Die Kostenschätzung der Sanierung liegt nun vor. So berechnet Marcel Sauer die Gerüstarbeiten mit 1850 Euro, die Außenputzarbeiten mit 15.239 Euro, die Malerarbeiten am Fachwerkgebäude mit 17.955 Euro. "Allein beim Außenputz könnten durch Freiwilligenarbeit bis zu 6325 Euro gespart werden", meint Bösenecker, der auch bei den Malerarbeiten viel Einsparpotenzial durch unentgeltliche Helfer, etwa Vereinsmitglieder, sieht.
Beim Nebengebäude (Kreisental 6) das 100 Jahre jünger ist und in dem der obere Stock dem Heimatverein, der untere dem Musikverein gewidmet ist sowie eine Notunterkunft bereit gehalten wird, sind für die Gerüstarbeiten 1850 Euro, den Außenputz 16.295 Euro, für die Malerarbeiten 15.143 Euro veranschlagt.
Freiwillige könnten auch hier die Kosten zusätzlich drücken, soweit der Plan, der auch eine Feuchteabdichtung im Sockelbereich beider Gebäude vorsieht, da "erhebliche Feuchtigkeitsprobleme" an beiden Gebäuden festgestellt worden seien. Kostenpunkt: 1428 Euro für das Haupt-, 10.739 Euro für das Nebengebäude.
Nun müsse zunächst die rechtliche Zulässigkeit des eigenmächtigen Vergabeverfahrens geprüft werden, erklärt der Bürgermeister. Ob das Heimatmuseum dann allerdings noch in diesem Jahr saniert werden könne, bezweifelt der Verwaltungschef. Denn vor der Sommerpause werde es die Sache wohl nun kaum noch auf die Tagesordnung schaffen.
Und wenn dann nach der Sommerpause endlich entschieden sein sollte, dass der Bürgermeister mit seinem "anderen Weg" nicht zu sehr ausschert, könnte es für die Ausführung noch in diesem Jahr möglicherweise etwas eng werden.
Sparen könne die Gemeinde durch diesen Weg rund 20.000 Euro, wagt Bösenecker eine grobe Schätzung.
