Leimen: Gefecht um den 1,80-Meter-Zaun
Leimen. (fre) Und da war er schon wieder, der Gartenzaun. In Leimen und bei dessen Gemeinderatssitzungen entwickelt sich das Thema "Einfriedung" zu einem Thema, bei dem es keinen Frieden gibt. Jüngstes Beispiel: die Änderung des Bebauungsplans "Bahnhof II, 2. Änderung". Dessen Plangebiet umfasst nahezu alles, was sich im Norden, Osten und Süden an den Bahnhof St. Ilgen/Sandhausen anschließt. Alles in allem gilt der neue Bebauungsplan für 12,9 Hektar. Er wurde bei acht Gegenstimmen von GALL und FDP beschlossen.
Dass in die Planänderung neue oder geänderte Baufenster aufgenommen wurden, die im Zuge von Ausnahmegenehmigungen zustande gekommen waren, wurde in der Ratszusammenkunft genauso wenig thematisiert wie die Abkehr vom bisherigen "Mischgebiet" oder das ersatzlose Streichen der Vorgaben zur "Äußerlichen Gestaltung baulicher Anlagen". Die Diskussion rankte sich um die Gartenzäune. Nach Worten von Oberbürgermeister Hans D. Reinwald wird mit dem neuen Bebauungsplan anstelle einer Zaunhöhe von 1,20 Metern eine Einfriedung von 1,80 Metern zulässig.
An dieser 1,80-Meter-Barriere rieben sich erneut die bekannten 1,80-Meter-Kritiker. Für Ralf Frühwirt (GALL) waren derartige Metallzäune mit Sichtschutz aus Plastik ein Dorn im Auge. Um die "Allgemeinheit von solchem Plastikkram zu befreien", sollte die Bauvorschrift geändert werden: Statt die entlang der Straße stehenden Zäune mit Hecken hinterpflanzen zu dürfen, sollten die Hecken direkt an der Straße und die Plastiksichtschutzzäune dahinter stehen. Was Wunder - der Vorschlag kam nicht durch.
Ralf Feuchter (FDP), ebenfalls ein bekannter Kritiker der 1,80-Meter-Höhe, sah im St. Ilgener Bahnhofsumfeld eine "zugenagelte Schuhschachtelatmosphäre" entstehen. Das sähe dann aus wie in der New Yorker Bronx - mangels einsehbarer Gärten werde es auch um die Sicherheit schlechter bestellt.
Derartige Horrorszenarien mochten die Mehrheit nicht erschüttern. Rudolf Woesch (FW) begrüßte "fröhlich" die 1,80-Meter-Zäune. Peter Sandner (SPD) forderte FDP-Feuchter zu einem Besuch in der Bronx auf. Hans Appel (CDU) erfuhr von Bauamtsleiter Holger Gora, das peu à peu noch 60 Bebauungspläne auf die 1,80er Hürde umgestellt werden müssten. Und der OB kündigte an, dass jeder Bebauungsplan einzeln geändert werden müsse: Ein Vorratsbeschluss zum 1,80-Meter-Zaun reiche nicht.
