Deutsch-Amerikanisches Institut: Heinz Sauer und Uwe Oberg beim Heidelberger Jazzclub
Von Rainer Köhl
Heidelberg. Vor zwei Jahren war Uwe Oberg mit seinem Trio "Lacy Pool" zu Gast beim Heidelberger Jazzclub im DAI. Nun kam der Pianist mit dem aktuellen Duopartner, der schon lange nicht beim Jazzclub zu erleben war: Heinz Sauer. Einem der ganz Großen des Jazz. Vor über 40 Jahren hat er den Jazzclub im Haus Buhl beehrt.
Zuletzt war Sauer im Duo mit Michael Wollny im Karlstorbahnhof zu erleben. Und auch mit Oberg ergab sich ein Spiel von großer Ausdrucksstärke. Heinz Sauer und Uwe Oberg spielten immer wieder miteinander, als Duo oder im Quartett. Letztes Jahr gab es Aufnahmen, und die erste CD erschien: "Sweet Reason". Frei improvisiert war das meiste auch nun und harmonisch offen.
Repetitive Phrasen und freie Ornamente liebt Oberg und legte sie als Grundlage aus für das Duospiel. Große Ähnlichkeit hat Sauers Spiel mit dem von Archie Shepp. Wie jener hat er tiefe Wurzeln im Blues und gibt seinem Spiel Luft in rauen Leidenschaften, in kürzelhaften Phrasen.
Im Blues und Freejazz hat dessen lyrisch angerautes Tenorspiel gleichermaßen eine tiefe Verwurzelung. Surreale melodische Linien und freie Klanglandschaften ließen die beiden erstehen, umkreisten sich so gegenseitig. "Hafenrundfahrt" hieß eine Nummer, in welcher sich romantische Klavierharmonien und raue Tenor-Kürzel begegneten.
Zwischen dem freien Spiel griff das Duo auf alte Klassiker zurück. Wie etwa Billie Holidays "God bless the child", das so reiche Beredsamkeit erhielt wie Billy Strayhorns "Blood count".
Fragmenthafte Phrasen blies Sauer aus seinem Horn, in unbändiger Expression. Mit wenigen Tönen kann er große Geschichten erzählen. Große Passion brach aus, wenn Sauer seine rauen Bögen in die Höhe trieb, in die Flageolettregister.
Dann ließ er sein Instrument singen und ächzen, vibrieren und stöhnen, intensiv und echt, wie im richtigen Leben. Monks "Evidence" gab es am Ende. Zum quirlig spielfreudigen Geist dieses Exzentrikers hat Oberg ohnehin große Affinität, was er zuvor schon in kantigen und dissonanzreichen Läufen klarmachte.
Mit seinen Repetitionen und virtuos verschachtelten Figuren legte Oberg die Grundlage für Sauers Spiel, das ganz aus dem Urgrund der Leidenschaft hervorquoll. Aufgeraut ist seine Intonation, kantenreich, ganz der Wahrheit und Expression verpflichtet. Jede Phrase des Tenoristen führt das Gefährdete, die Abgründe mit sich.
