ABB Trainings-Center: Schweizer Ausbildungszentrum in Heidelberg
Von Daniel Bernock
Heidelberg/Berlin. Heidelberger denken bei dem Thema Ausbildung und ABB schnell an das sogenannte ATC im Pfaffengrund - das ABB Trainings-Center Heidelberg (ATC). Hier bildet der Elektro- und Automatisierungskonzern überwiegend die eigenen Nachwuchskräfte aus.
Das zweite große Ausbildungszentrum des Schweizer Konzerns in Deutschland liegt in Berlin. Hier ist das Prinzip ein anderes: Die überwiegende Zahl der Auszubildenden geht nach der Ausbildung zu einem kleineren Betrieb in Berlin oder ins angrenzende Brandenburg. "Wir erfüllen hier einen politischen Zweck", sagte Gerd Woweries, Leiter des Ausbildungszentrums. Berlin und das Umland seien vor allem durch kleinere und mittelständische Betriebe geprägt. Daher sei es im Interesse der öffentlichen Hand, dass auch kleine Firmen ordentlich ausgebildete Fachkräfte bekommen. Laut ABB fördert das Land Berlin die Verbundausbildung pro Kopf mit 40 Euro am Tag.
Denn gerade kleinere Betrieb hätten häufig Probleme, in der Ausbildung neue Themen wie etwa die Digitalisierung zu vermitteln. Durch die Unterstützung des Landes ist es für die Betriebe laut Woweries nicht teurer, ihre Auszubildenden zu ABB zu schicken. Schließlich sparen sie sich die Kapazitäten im eigenen Betrieb, etwa einen oder mehrere Ausbilder. Positiv für ABB: "Die Auszubildenden sind Botschafter in ihren Firmen", sagt Woweries.
Im Ausbildungszentrum der ABB im Norden Berlin treffen die jungen Menschen auf neueste Ausstattung. Erst im September 2016 wurde das neue Ausbildungszentrum mit viel politischer Prominenz eröffnet. Früher war die Anlage eine Munitionsfabrik, dann ein Kulturhaus, heute werden hier jährlich 800 Auszubildende auf die Arbeit in 24 Berufen vorbereitet, größtenteils aus der Metall- und Elektroindustrie.
Insgesamt 170 Verbundpartner schicken ihre Auszubildenden zu ABB. Neben kleinen und mittelständischen Firmen finden sich in der Liste auch große Namen wie der Zugbauer Bombardier und die Deutsche Post. Für das Ausbildungsjahr 18/19 verzeichnet ABB laut Woweries einen neuen Rekord bei der Zahl der Auszubildenden. Am beliebtesten sei die Ausbildung zum Mechatroniker.
Was die jungen Menschen lernen, zeigt Magdalena Banach, selbst noch in der Ausbildung. Eine "Cocktailmaschine" hat eine ihrer Kolleginnen als Abschlussprüfung gebaut. Auf einem kleinen Tabletgerät kann der Endnutzer über eine selbst programmierte App ein Getränk auswählen. Über Bluetooth landet der Befehl bei der länglichen Maschine, die einem kleinen Tresen in einer Bar ähnelt. Ein Laufband mit einem Glas setzt sich in Bewegung, bis das Gefäß unter der richtigen Flasche angekommen ist, die kopfüber in der Luft hängt. Nun fließt exakt die richtige Menge alkoholisches Getränk in das Glas, anschließend der Softdrink. In einem nächsten Schritt sollen die Flaschen noch mit Sensoren ausgestattet werden, kündigt Banach an. Dann bestellt die Maschine automatisch nach, bevor eine Flasche leer wird. Damit wird die Cocktailmaschine von einem spaßigen Projekt zu einem kleinen Beispiel für die Industrie 4.0. Vom Niveau sei die Ausbildung wie ein Bachelor anzusehen, sagt Woweries. Das werde von der Politik jedoch zu wenig erkannt.
Ein Highlight der Ausbildung ist der Umgang mit dem Roboter Jumi, ein Zweiarmroboter, der mit dem Menschen zusammenarbeiten soll. Der für die Kleinmontage ausgelegte Roboter stoppt, sobald er ungeplant mit einer Person in Berührung kommt. Gerade für Arbeiten mit einer geringen Auflage eigne sich der Jumi, der im Vergleich zu großen Industrierobotern laut ABB schnell und einfach zu programmieren ist. Angst hat hier niemand vor Robotern, weder davor, dass sie einen Menschen verletzen, noch dass sie in Zukunft Arbeitsplätze wegschnappen könnten: "Roboter verdrängen die Menschen nicht von der Arbeit, sondern nehmen ihm stupide Arbeit ab", so Ausbildungsleiter Woweries.
