SRH Hochschule Heidelberg: Schularchitektur neu gedacht
Von Jonas Labrenz
Heidelberg. Vier Milliarden Euro müsste das Land in die Schulen stecken - mindestens. Und damit das Geld auch so eingesetzt wird, dass dabei möglichst viel rumkommt, hat das Reallabor "Stadt - Raum - Bildung" schon seit zwei Jahren verschiedenste Akteure zusammen gebracht.
Die Zeit drängt, denn große Veränderungen stehen den Schulen ins Haus. Wissenschaftsministerin Theresia Bauer hat die Einrichtung von Reallaboren vor fünf Jahren auf den Weg gebracht und machte sich in der SRH Hochschule nun selbst ein Bild davon, welche Ergebnisse die 20-köpfige Gruppe bereits liefern konnte.
Digitalisierung, Inklusion und neue pädagogische Konzepte verlangen eine andere, neue Architektur und keine klassischen Klassenräume und Pausenhöfe. Die "School of Engineering and Architecture" der SRH Hochschule, die Universität Stuttgart und die Pädagogische Hochschule in Heidelberg haben sich deshalb im Reallabor der Frage gewidmet, welche Räume gebraucht werden.
Sie haben Experten, Betroffene und die interessierte Öffentlichkeit angehört und immer wieder die Gruppen zusammengebracht, sodass unter anderem kommunale Entscheidungsträger, Pädagogen und Studenten voneinander lernen konnten - das ist das Prinzip von Reallaboren, die eben nicht nur im wissenschaftlichen Elfenbeinturm stattfinden sollen.
"Der Weg, den wir gehen, ist alles andere als gerade", erklärte der Professor für Architekturtheorie und Entwerfen an der SRH Hochschule, Marc Kirschbaum. Der Projektleiter stellte die verschiedenen "Labore" vor. Für eine Innenansicht ließen sich die Architekten von Schülern und Lehrern in einer zweistündigen Führung die Schule zeigen und erfuhren dabei, welche Ecken beliebt sind und wo es Probleme gibt. "Es war extrem spannend und lehrreich", freute sich Kirschbaum, der als Architekt selten in die Perspektive der Schüler und Lehrer schlüpft.
Dann ging es auch um die Außenansicht der Schule und wie sie in der Stadt verortet ist. Schulen können der Mittelpunkt eines Quartiers sein oder ganz am Rand stehen, können offen sein oder den Nachbarn unbekannt. Zuletzt ging es auch darum, wie Architekten auf herkömmliche Weise ein solches Projekt angehen. Das Fazit: Wo sie normalerweise mit ihrer Arbeit ansetzen, haben sie schon viele wichtige Informationen verpasst.
Micha Pallesche steht im Moment selbst vor einem Problem. Als Schulleiter der Ernst-Reuter-Schule in Karlsruhe stehen ihm Umbauten ins Haus. Das Reallabor hat ihn dabei seit etwa einem Jahr unterstützt: "Und wir merken, dass wir es brauchen", erklärte Pallesche. Es müssten endlich auch Schulen gefragt werden, was sie eigentlich bräuchten.
Ministerin Bauer hatte anfangs gar nicht mit so einem großen Erfolg gerechnet: "Wir waren überrascht, wie stark das Interesse war", so die 53-Jährige. Vor fünf Jahren hatte sie Experten beauftragt, die Baden-Württembergs Forschung und Lehre in Bezug auf Nachhaltigkeit abklopfen sollten. Sie empfahlen, Reallabore ins Leben zu rufen.
Insgesamt 14 gibt es davon nun schon im Land, die mit insgesamt 18 Millionen Euro in zwei Förderlinien unterstützt werden. 1,2 Millionen Euro davon gehen an das Reallabor "Stadt - Raum - Bildung", das im November seine dreijährige Laufzeit erreicht hat.
