Elsenzhalle Sinsheim: "Weil’s hier einfach menschelt"
Von Tim Kegel
Sinsheim. Jetzt war wieder einer. In der Elsenzhalle: Hallenflohmärkte sind in der kalten Jahreszeit beliebt und für Aussteller, Veranstalter und Kunden eine verlässliche Sache. Hier ist es bunt und turbulent, schön warm, man kann stöbern und ein bisschen einkaufen. Und vielleicht findet man Rares für wenig Bares.
Hierin liege aber auch ein Problem, sagen Aussteller: Das Informationszeitalter macht auch vor Flohmärkten nicht Halt; auch sie sind einem Wandel unterworfen: Fernsehshows wie "Bares für Rares" und "Der Trödeltrupp", Ebay-Kleinanzeigen und Raritäten-Webshops zeigen Wirkung: Erben von Nachlässen wollten sich die Dachbodenfunde vergolden lassen; sähen Raritäten, wo keine sind. Leute ohne Flohmarktaffinität verkauften ihre besten Stücke selbst online. Das führe zu mehr Ramsch an den Tischen - und zu steigenden Preisen bei den besten Stücken auf dem Platz. Zu einer billig ein-, teuer verkaufen Mentalität. Die von den "Experten" der Fernsehshows bezahlten Preise - "unrealistisch", behaupten viele hier.
Doch das ist nur ein Teil des Ganzen. Wer sucht, der findet: Salz- und Pfefferstreuer, Design: Ettore Sotsass, für Rosenthal-Porzellan, 30 Euro Verhandlungsbasis - da hat jeder was davon. Parfum-Facticen von Guerlain, Boucheron und Rochas - ein Fünfer Stückpreis, die Kiste für 30 Euro. Ein "Stummer Diener", Herrengarderobe, 60er-Jahre, Dreibeinfuß auf Rollen, schlichtes Weiß - zeitlose 15 Euro Festpreis. Playmobil Ritterburg, komplett, leicht lädiert: 25 Euro; die Drachenfigur geschenkt dazu. Blumenvase, Studiokeramik, 80er-Jahre, signiertes Einzelstück, zwölf Euro: Da macht man nicht lang rum. Kinderschuhe, kaum getragen: Zwei Euro.
Wer alles sehen wollte, brauchte für eine gut geplante Rundtour drei Stunden. Mit 140 Ständen war das Stelldichein mehr als gut bestückt. Organisator Alexander Rebiger aus Untergimpern hatte 50 weiteren Interessenten absagen müssen und hat für den 24. Februar einen zweiten Markt angesetzt. Seine Prämisse: "Wenig Neuware, wenn überhaupt" - zwischen Batterien und Billigseifen komme einfach keine richtige Flohmarktstimmung auf. Nach seiner Ansicht sind es nämlich weniger die Fernsehshows, die die Branche schwächen, "sondern Billigläden jeglicher Art von ’Tedi’ bis ’Kik’". Ähnliche Sortimente müsse man nicht auch noch auf dem Flohmarkt haben.
Die Elsenzhalle ist derweil durch den karitativen Weihnachtsflohmarkt der Sinsheimer Flohmarktinitiative als Marktplatz gut eingeführt. Rebiger, der meist zusammen mit Geschäftspartner Bernhard Müller aus Mosbach bis zu 40 Flohmärkte im Jahr veranstaltet, lässt seine Küchencrew sogar Maultaschen anbieten. Wie sich’s für die Elsenzhalle gehört.
Die Örtlichkeit habe, sagt Rebiger, viele Vorzüge, sei "günstig, wenn auch ein bisschen älter", beim Volk beliebt, gut anzufahren und zu bestücken. Das Sinsheimer Rathaus sei diesbezüglich "sehr fair" und räume genug Zeit für Auf- und Abbau ein.
Und irgendwie treffen sich hier immer die selben: Claude Guignet, Sammler aus Reihen, Experte für Blechspielzeug, hat "gleich morgens ein tolles Geschäft gemacht"; Helmut Adam, Kenner aus Bammental, fand einen schönen Bilderrahmen, "Frankreich, 18. Jahrhundert", nahm ihn aber nicht mit, "obwohl die 300 Euro fair waren" - er hat schon genügend Rahmen. Eine Sinsheimerin ärgert sich, hat auf einem alten Relief "ein Hakenkreuz gesehen, allerdings zugedeckt". Beim Aufdecken gerieten sie und der Händler aneinander. Und Martha Lechner, Arzthelferin im Ruhestand aus Bad Friedrichshall, kommt hier gern hin, "weil’s hier einfach menschelt."
