"Mundstuhl" in Angelbachtal: Lachsalven mit den schrägen Typen von nebenan
Von Alexander Becker
Angelbachtal. Erstmals in der Sonnenberghalle hat jetzt das hessische Comedy-Duo "Mundstuhl" gastiert. Mit dem dem Programm "Mütze-Glatze! - Simply the Pest" feiern die Komiker Lars Niedereichholz und Ande Werner die gemeinsame 50-jährige Bühnenpräsenz, obwohl es "Mundstuhl" aber erst seit 1997 gibt. "50 Jahre sehen eben besser aus als 20", begründeten beide zu Beginn des gut besuchten, rund zweistündigen Comedyabends die Schummelei. Zugegebenermaßen darf jedoch vermutet werden, dass die beiden 1968 bzw. 1969 geborenen Protagonisten bereits in der Wiege mit dem Blödeln begonnen haben könnten.
Dazu braucht es heute in der Tat kaum einen Anlass, wobei die "Mundstuhl"-Männer zunächst den Hang der Amerikaner zu ungewöhnlichen Vornamen kreativ beleuchteten. Nachdem unter anderem Brad Pitt und Keanu Reeves ihr Fett wegbekommen hatten, stritt sich das Duo darüber, ob denn nun Batman oder Superman der beste Superheld sei. Als Nächstes schlüpften "Mundstuhl" in die beiden ersten ihrer zahlreichen Rollen - das sächselnde Problem-Mutter-Paar Peggy und Sandy, welches ausgiebig von seinen verkorksten Familienverhältnissen berichtete. Da war von einer geplanten Busreise ins katalanische Lloret de Mar zu hören, aber auch von Peggys rechtsradikalem Sohn Justin, der sich angeblich den Namen der amerikanischen Hard-Rock-Band "Kiss" auf die Brust tätowieren lassen will. "Vorerst hat das Geld aber nur für die beiden letzten Buchstaben gereicht. Und die sind so groß, dass auf die Brust eigentlich gar nichts mehr hinpasst", erklärte die Chaos-Mutti dem amüsierten Publikum.
Auf eingespielte, nicht ganz ernst gemeinte "Grilltipps mit Grillschorsch" folgten mit "Dragan und Alder" die bekanntesten Rollen von "Mundstuhl", mit denen man einst die "Kanak-Sprak" überwiegend türkischstämmiger Jugendlicher der zweiten oder dritten Einwanderergeneration populär gemacht hatte. Das Proletenduo palaverte diesmal über vermeintlich neue Handys und Renaissance-Doggen, streiften den aktuellen Oldtimer-Kult, beschäftige sich mit Extrem-Tuning und den letzten 30 Jahren auf der Berufsschule. Ferner wurde darüber spekuliert, ob das Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom (ADS) und die Alternative für Deutschland (AfD) etwas miteinander zu tun haben, "Toilettentennis" als neue Sportart definiert und schließlich Peter Maffay als nächster Stargast angekündigt. Dann standen aber doch nur "No Pressure" alias Torben und Malte auf die Bühne - quasi die kuschelweiche Seite des "Mundstuhl"-Duos, das sich mit etlichen weiteren Charakteren souverän durch das von unzähligen Lachsalven des Publikums begleitete, rund zweistündige Programm spielte.
Wer wollte, konnte sich während einer Pause mit Häppchen von Sven Höhn, edlen Tropfen des Weinguts Gmelin oder "Mundstuhl"-Fanartikeln eindecken.
Am Ende zeigten sich nicht nur die gut 300 Zuschauer, sondern auch der örtliche Veranstalter Thomas Schindler begeistert. "Das war mal wieder ein cooles Programm von den beiden", resümierte er am Ende und kündigte der RNZ ein weiteres Highlight an. Nach dem großen Erfolg im vergangenen Jahr wird der kurpfälzische Comedian Christian Chako Habekost im Januar 2019 wiederholt mit neuem Programm in die Heckergemeinde kommen.
