Hochwasserschutz Eppingen: Mit zwei Aktenordnern gegen neue Fluten
Eppingen. (guz) Hochwasserfluten halten sich zwar an keine Regeln, die Einsatzkräfte bei der Bekämpfung künftig aber schon. Je koordinierter das Zusammenspiel, desto höher sind die Chancen, Schäden abzuwehren oder zumindest in Grenzen zu halten. Die Eppinger Verwaltung hat dazu nun einen Hochwasseralarm- und Einsatzplan für die Gesamtstadt erarbeitet. Er trat bereits am 1. Januar in Kraft.
Nach der folgenreichen Überschwemmung der Eppinger Nordstadt am 25. Juni 2016 und weiterer kritischer Starkregenfälle, die die Nordstadtbewohner auch danach wiederholt in Angst versetzt hatten, hatte die Stadt mit baulichen Verbesserungen reagiert. Auch Gespräche mit dem Landwirt wurden geführt, dessen Sonderkulturen auf den Feldern am Rande der Nordstadt einen erheblichen Teil zur Dramatik der damaligen Ereignisse beigetragen hatten. Der Starkregen konnte die gefurchte und nur spärlich von Pflanzen bedeckte Erde leicht auswaschen - die Folge war eine Schlammflut, unter deren Auswirkungen einige Nordstädter noch heute leiden.
Der neue Alarmplan soll die bisher bereits umgesetzten Verbesserungen und auch die noch anstehenden Maßnahmen ergänzen, weil er, so zumindest die Hoffnung, das reibungslosere Zusammenwirken von Einsatzkräften, Ämtern und Behörden gewährleistet. Denn: "Hochwassergefahren bewirken ein Handeln der Behörden, das sich von der alltäglichen Arbeit grundsätzlich unterscheidet", heißt es in der Vorlage, mit der der Gemeinderat nun über den Sachstand informiert wurde.
Im Juni 2016 funktionierten das Zusammenspiel und das Krisenmanagement der Stadt zwar auch ohne Plan bereits recht gut, an einigen Punkten, beispielsweise der Einbindung der Straßenmeisterei, wurde aber auch Kritik laut. Nun hat das Stuttgarter Ingenieurbüro Winkler und Partner im Auftrag der Stadt und für ein Honorar von rund 10.000 Euro ein Regelwerk für Hochwassersituationen ausgearbeitet, das möglichst alle Akteure bei einer solchen Gefahr einbindet und die vorhandenen Pläne von Feuerwehr und Hochwasserschutzzweckverband zusammenführt und ergänzt. Zudem soll der Plan gemeinsame Vorbereitungen und Übungen erleichtern.
SPD-Stadtrat Michael Mairhofer lobte die Verwaltung für das zwei Aktenordner umfassende Werk. Nun seien bei Überschwemmungen und Unwetterereignissen planmäßige und vernetzte Reaktionen möglich. "Wir hatten darauf gedrungen, dass wir im Ernstfall handlungsfähig sind", blickte er auf die Lehren aus den "dramatischen Ereignissen" bei der Überflutung vor eineinhalb Jahren zurück. Der Hochwasseralarmplan ist Mairhofers Auffassung nach nicht nur ein Handlungsgerüst, sondern auch ein "nicht zu unterschätzendes und vertrauensbildendes Signal an die Bevölkerung".
Gleichwohl ist der Plan für viele Stadträte nur ein erster Schritt. Um im Ernstfall tatsächlich effektiv handeln zu können und den Plan weiter zu optimieren, müssten die verschiedenen Szenarien auch gemeinsam geübt werden. Diese Forderung richteten Mairhofers Fraktionskollege Hartmut Kächele, Klaus Scherer ("Der Plan ist nicht für die Schublade gedacht") und Anton Varga (beide CDU), Jörg Haueisen (FBW) und Peter Wieser (Grüne) unisono an die Stadt. Wieser regte zudem an, ein Netzwerk freiwilliger Helfer aufzubauen, die den Profis und den Betroffenen, wie bereits vor eineinhalb Jahren, im Notfall wieder zur Seite stehen könnten. Ein Vorschlag, den Ordnungsamtsleiter Günter Brenner jedoch eher kritisch beurteilte: "Rettungskräfte sehen das nicht so gerne", erklärte er dazu in der Gemeinderatssitzung.
Der Hochwasseralarm- und Einsatzplan hat noch einen weiteren wichtigen Effekt: Das Land wird künftig nur noch den Kommunen Fördermittel im Bereich Wasserwirtschaft bewilligen, die einen solchen Plan erstellt haben und ihn künftig auch fortschreiben - für die Stadt Eppingen, die zu ihrer Gartenschau in drei Jahren vor allem auch Wasser erlebbar machen will und dazu umfangreiche Baumaßnahmen an verschiedenen Gewässern plant, ein überaus wichtiger finanzieller Aspekt.
