DRK Mosbach: Im Notfall geht oft zu viel Zeit verloren
Von Jana Zimmermann
Mosbach. Im Notfall sollte es, ja muss es ganz schnell gehen. Doch das gesetzlich vorgegebene Tempo für die Hilfeleistung können die Retter nicht immer einhalten. Unter dem Titel "Hilfe im Notfall" hat der SWR Rettungsdienste in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz analysiert. Dabei wurde (einmal mehr) deutlich, dass die benötigte Zeit zum Einsatzort in einigen Gebieten die gesetzlich vorgeschriebenen maximal 15 Minuten überschreitet. Noch drastischer werden die Zahlen, wenn man als Maßstab die zehn Minuten, die Notärzte und Fachleute empfehlen, betrachtet.
Auch Steffen Blaschek, der Kreisgeschäftsführer des Deutschen Roten Kreuz (DRK) Mosbach, weiß: "Die Einsatzkräfte sollten nach dem Anruf so schnell es geht vor Ort sein. Leider kann auch im Neckar-Odenwald-Kreis die gesetzliche Frist nicht immer eingehalten werden." In der er Region gebe es - das lässt sich auch aus der SWR-Statistik deuten - nur noch eine Handvoll Orte, die von Einsatzkräften innerhalb der zehn Minuten zu versorgt sind. Die SWR-Grafiken zeigen aber ebenso ein Gebiet um Mosbach, das im Schnitt mit unter acht Minuten sehr gut versorgt sei.
Bei differenzierter Betrachtung und Nachfragen wird allerdings schnell deutlich, dass im näheren Umkreis um die Rettungsleitstelle in Mosbach die guten Werte wohl gehalten werden können. Je weiter man sich aber räumlich entfernt, desto wahrscheinlicher ist es, dass sich die Zeitschiene von der Notfallmeldung bis zum Eintreffen der Helfer am Einsatzort verlängert.
Grund für die Unterschiede und Verzögerungen seien unter anderem die "Duplizitäten", weiß Blaschek. Sobald ein Notruf eingegangen sei, folge auch schon der nächste. Das Stadtgebiet Mosbach liege hier allerdings tatsächlich in einem guten Bereich und überschreite die empfohlene Dauer von zehn Minuten bis zum Einsatzort im Durchschnitt nicht. Chefarzt Priv.-Doz. Dr. Harald Genz-würker von den Neckar-Odenwald-Kliniken ist es hierbei allerdings wichtig zu sagen, dass Mosbach mit der Versorgung und Lage auch "Glück" habe. Schließlich liege es auf der Hand, dass die abgelegenen Ortschaften im Landkreis keinen Einsatzwagen um die Ecke haben. Somit impliziert die entfernte Lage schon die längere Anfahrtszeit von der Rettungsstelle und somit auch die spätere Ankunft am Notfallort. Und da die Mosbacher Einsatzkräfte auch für den gesamten Bereich NOK zuständig sind, müsse hier der Querschnitt betrachtet werden. Das heißt also: Die vorgeschriebene Zeiten können im Schnitt oftmals nicht eingehalten werden, das wissen auch Blaschek und Genzwürker.
Im Umkreis vom Mosbach wurde allerdings "frühzeitig gegengesteuert", so Blaschek. Zum Beispiel durch die Aufstockung in Asbach mit einer "Vorhalteerweiterung". Ein Rettungswagen und Notarztfahrzeug sind hier (zeitweise) untergebracht, wodurch mit kürzeren Anfahrten die umliegenden Dörfer unterstützt werden sollen. Einen wertvollen Beitrag leisten im Notfall auch die sogenannten "Helfer vor Ort". Schon seit etlichen Jahren gibt es diese örtlichen Einsatzgruppen, die aus Ehrenamtlichen (zum Teil auch DRK-Mitarbeitern) bestehen und im Fall der Fälle Erste Hilfe leisten können, bis Notarzt und Rettungswagen vor Ort sind. Bei aller Wertschätzung für deren Leistung: "Für die Hilfsfristen sind die Helfer vor Ort nicht relevant", erklärt Blaschek.
Der DRK-Geschäftsführer weiß auch: Mehr Fahrzeuge allein reichen nicht, um die Zeitschiene bis zum Eintreffen am Einsatzort nachhaltig zu verkürzen. Neben einer dünnen finanziellen Ausstattung sei das Grundproblem vor allem ein enormer Personalmangel. Das liegt unter anderem darin begründet, dass die einst zweijährige Ausbildung zum Rettungsassistenten abgeschafft wurde. Die gesetzliche Vorgabe sieht nun eine Ausbildung von drei Jahren vor, man wird nicht mehr zum Rettungsassistenten, sondern zum Notfallsanitäter ausgebildet. "Dadurch fällt ein ganzer Jahrgang an Personal weg, das ist deutlich spürbar", so Blaschek. Aber auch hier habe man in Mosbach schnell gehandelt und ein Maximum an Ausbildungsplätzen geschaffen. "So konnten sich die vorhandenen Rettungsassistenten möglichst schnell zum Notfallsanitäter umschulen lassen." Das sind Faktoren, die die Ankunftszeiten der Mosbacher Einsatzkräfte positiv beeinflusst haben.
Dass überdies noch viel Luft nach oben ist, das wissen Blaschek und Genzwürker nicht erst seit der SWR-Studie. Die Bemühungen müssen auch weiter in die Richtung zielen, dass es künftig überall im Kreis Einsatzkräften möglich ist, innerhalb der zehn bis 15 Minuten vor Ort zu sein. Es gehe schließlich nicht nur um eine gesetzlich vorgegebene Zeitspanne, "sondern um Menschenleben", sind sich Chefarzt und DRK-Chef einig. Im Notfall zähle eben jede Minute. Und ganz gleich, wie der jeweilige Notfall auch aussehen mag: Je schneller Hilfe vor Ort ist, desto besser für den Hilfsbedürftigen.
