Mannheim: Die Adler sehen wieder Licht
Von Rainer Kundel
Mannheim. Auch wenn Kapitän Marcus Kink ("Jedes Spiel ist ein Endspiel") neun Spieltage vor Abschluss der Hauptrunde in der Deutschen Eishockey-Liga noch nichts von einem Endspiel um Platz zehn wissen wollte, hatte das Aufeinandertreffen der Adler Mannheimer gegen die Düsseldorfer EG doch den Charakter eines Sechs-Punkte-Spiels.
Dieses mathematische Paradoxon hatte seine Berechtigung aufgrund der Tatsache, dass die anhaltend auswärtsschwachen Adler mit dem auf Biegen und Brechen erkämpften 3:1 (2:0, 1:1, 0:0)-Erfolg am Altmeister vorbeiziehen konnten und den Gegner mit einer mehr ausgetragenen Partie auf Platz elf hievten. Ganz abgesehen von der Optik des Tableaus, tut es den Adlern gut, sich nach drei Wochen mal wieder über dem Playoff-Strich zu finden.
Die Partie erhielt zusätzliche Brisanz durch den in der vergangenen Woche verkündeten Wechsel von Düsseldorfs Trainer Mike Pellegrims für die kommende Saison auf die Assistentenstelle der Mannheimer. Das hat dem im Rheinland nicht sonderlich beliebten Coach auch die Kritik eingebracht, dass er der pekuniären Mittel wegen an die Stätte seiner überaus erfolgreichen aktiven Zeit mit drei Meisterschaften in Folge (1997 - 1999) zurückkehrt.
Trainer Bill Stewart hatte zuletzt viermal die gleiche Formation aufs Eis geschickt, am heutigen Sonntag nahm er mit Johnson für Colaiacovo eine Veränderung bei den Verteidigern vor. Nach einer im Retro-Stil präsentierten Choreografie entwickelte sich gleich ein offener Schlagabtausch frei von taktischen Zwängen. Obwohl die physisch starke DEG optische Vorteile hatte, fuhren die Adler im ersten Drittel eine Zwei-Tore-Führung ein. Dabei profitierten Phil Hungerecker (11.) bei seinem 14. Saisontor und Garrett Festerling von Scheibenverlusten im Verteidigungsdrittel der Düsseldorfer. Zuvor blieb trotz guter Puck-Stafetten eine Überzahl (5.) der Gastgeber torlos. Auf der Gegenseite parierte der gut beschäftigte Dennis Endras reflexartig bei Direktschüssen von Barta (10.) und Machaczek (13.).
Nach der Pause holte die Mannheimer ihr Phlegma ein. Im eigenen Drittel zu weit weg vom Gegner, zwei, drei Strafzeiten - und das große Zittern ging wieder los. Vor Endras brannte es mehrfach lichterloh, gegen Henrion (25.) und Kollegen wehrte der Goalie mehrfach toll ab, während der Strafzeit gegen Larkin (36.) war dagegen beim Anschlusstreffer von Boyce kein Kraut gewachsen.
Abgesehen von einer kurzen Drangperiode, als Wolf und Setoguchi (32.) die Vorentscheidung verpassten, lief in der Offensive nicht viel zusammen. Da kam das 3:1 von Matthias Plachta (39.) gegen die stark aufkommenden Gäste vor dem Schlussabschnitt zur rechten Zeit und einer kleinen Erlösung gleich.
Immerhin zeigten sich die diesmal ganz in das Dunkelblau der 60er Jahre gedressten "Greifvögel" im letzten Abschnitt stabilisiert und vermieden mit meist solider Abwehrarbeit ein taktisches Harakiri. Acht Minuten vor der Sirene lag der vierte Treffer während der zweiten Überzahl gleich fünfmal auf der Kelle, Torhüter Bakala und das jetzt fehlende Scheibenglück verhinderten frühzeitig die Entscheidung. Eine Strafzeit gegen Marshall verhinderte, dass die DEG beim Schlussakkord ohne Torhüter um Alles oder Nichts spielen konnte, so dass die Heimserie der Adler mit jetzt fünf Siegen seit dem 30. Dezember Bestand hat.
Adler Mannheim - Düsseldorfer EG 3:1 (2:0, 1:1, 0:0); Tore: 1:0 Hungerecker (11.), 2:0 Festerling (13.), 2:1 Boyce (36.), 3:1 Plachta (39.); Schiedsrichter: Hunnius (Berlin), Schukies (Herne); Strafminuten: 8 / 6 + 10 Disziplinar Machacek; Zuschauer: 10.156.
