"Tibifactum" Heidelberg: Maßgefertigtes muss nicht teuer sein
Von Jonas Labrenz
Neuenheim. Der Schrank passt nicht ideal in die Nische, war allerdings günstig, der Schuh drückt, gefiel aber am besten, und auch bei der Kleidung wird mit einem Kompromiss gelebt. Eigentlich zu früh werden die Produkte dann aussortiert und neue angeschafft, oder der Versandhändler bekommt sein Paket gleich zurück. Hetti Stoll und Martin Jäkle sind nun angetreten, um diesem Missstand die Stirn zu bieten. Ihre Lösung: Anfertigungen nach Maß, die nicht teuer sein müssen. Dafür haben sie einen Online-Marktplatz aufgebaut, auf dem Hersteller maßgefertigter Produkte und Kunden zusammenfinden können.
"Tibifactum" - zu Deutsch "Für dich gemacht" - heißt der Marktplatz, an dem die beiden seit bald zwei Jahren arbeiten. Damit verfolgen sie mehrere Ziele, nicht zuletzt auch, mit der ihrer Ansicht nach überholten Annahme aufzuräumen, maßgefertigte Produkte seien um ein Vielfaches teurer und damit gar nicht erschwinglich. Im Moment funktioniere die Wirtschaft nach dem Prinzip "Produkt sucht Kunde", erklärt Stoll. Der entscheide dann: "Will ich’s oder will ich’s nicht." So wird es nicht ewig weiter gehen können: "Irgendwann ist klar, dass Wachstum nur noch über Qualität funktionieren kann", ist die 50-Jährige überzeugt. Auf Tibifactum finde man deshalb nur handverlesene Anbieter, die den Qualitäts- und ethischen Standards genügen. "Es gibt eine Menge Leute, die legen Wert darauf", ist sich Jäkle sicher.
Sehr teuer müssen die Produkte deshalb nicht sein, erklären die beiden. Durch halbautomatisierte Herstellungsverfahren und neue Entwicklungen wie den 3D-Drucker liege der Preis heute, je nach Sparte, nicht sehr viel höher als bei Stangenware. "Da wird sich in den nächsten Jahren noch ganz viel tun", ist Stoll überzeugt.
Auf die Idee, einen eigenen Marktplatz zu gründen, kamen sie, nachdem sie selbst bemerkt hatten, wie schwierig es ist, Anbieter für maßgefertigte Produkte zu finden. Suchmaschinen wie Google spuckten oft falsche Ergebnisse aus. "Finanziell erfolgreich", sei ihr Berufsleben vorher gewesen, doch nicht erfüllend. Sie war selbstständige Versicherungsmaklerin, er Geschäftsführer in kleineren und später Projektleiter in großen Firmen in der IT-Branche. "Mit 50 neu durchstarten" sei dann das Motto gewesen, lachen die beiden. Sieben freie Mitarbeiter unterstützen sie bei ihrem Vorhaben; der Firmensitz ist in der Neuenheimer Hirschgasse.
Jäkle ist sich sicher: "Die Zeit ist jetzt reif dafür." "Und wenn wir’s jetzt nicht machen, macht es später ein Hai", fügt Stoll hinzu. Sie möchten nicht, dass es bei der Plattform nur um Profit geht und suchen daher ausgewählte Geldgeber. Die Arbeit geht deshalb etwas langsamer voran, "bei Möbeln und Kleidung sind wir aber schon relativ gut aufgestellt", erklärt Jäkle.
Der Marktplatz soll dann mit seinen Kunden weiterwachsen. "Es lohnt sich, immer mal wieder reinzuschauen", versichert der 52-Jährige.
Info: Mehr im Internet unter: www.tibifactum.de.
