Trauergottesdienst in Kandel: "Dieses Leid ist unfassbar groß"
Von Volker Knopf, RNZ Karlsruhe
Kandel. Es ist ein bewegender Abschied am Donnerstagmittag von der 15-jährigen Mia in der St. Georgskirche in Kandel. Groß ist Anteilnahme beim Trauergottesdienst für das Mädchen, das mutmaßlich von ihrem gleichaltrigen Ex-Freund, einem afghanischen Flüchtling, erstochen worden ist. Die Kirche ist voll besetzt, manche Besucher müssen stehen. Vor dem Gottesdienst ist Mia im engsten Kreis der Angehörigen beigesetzt worden.
"Wir sind heute hier, um die Familie nicht alleine zu lassen, um die Trauer und den Schmerz miteinander zu teilen. Mia wurde ein Opfer von Gewalt. Auch wenn die Worte versagen, so soll es unsere Herzen nicht erhärten", sagt Pfarrer Arne Dembek in seiner Predigt. Er spricht von seiner ganz persönlichen Schockstarre, als er von der schrecklichen Tat erfahren habe. Ganz spontan habe er begonnen, in alten Kisten zu kramen.
Dembek erinnert sich gut an das Mädchen, das im Frühjahr 2016 konfirmiert worden war. "Und tatsächlich gab es diese Kiste, in der die Konfirmanden auf einer Freizeit kleine Skulpturen hergestellt haben als Symbol für Gott", so Dembek. Die weiße Taube steht auf einem Zettel neben einer der Skulpturen, ein kleiner Vogel, sorgfältig gearbeitet, die Flügel angelegt. Die Unterschrift auf dem Zettel stammt von Mia.
Die Taube, das Zeichen für Frieden und Unschuld, habe er anschließend auf den Taufstein gelegt, sagt Dembek. "An dem Tag, an dem sich über unsere Stadt einen Schatten legte und sich viele fragten: Warum bei uns?", ergänzt der Pfarrer. Viele stellten sich die Frage, was wäre, wenn ihr Kind Opfer einer solch furchtbaren Gewalttat geworden wäre.
Die Messerattacke sei nicht dadurch zu entschuldigen, dass der Täter aus einem anderen Kulturkreis käme. Wer dies sage, habe nichts verstanden. Andererseits, so Dembek, sei es auch umgekehrt nicht möglich, eine Gruppe von Menschen pauschal zu verurteilen. Wer so argumentiere, mache es sich zu leicht.
Die Frage nach dem Motiv verstelle aber vor allem den Blick auf das Opfer. "An Mia wollen wir heute denken. Nicht weil sie Opfer eines Verbrechens wurde, weil ihr Bild auf den Titelseiten war und auch nicht, weil ihr Tod unsere heile Welt aus den Angeln gehoben hat." Nein, man wolle sich an den wunderbaren Menschen, die geliebte Tochter, Enkelin, Freundin und Mitschülerin erinnern, führt der Geistliche fort.
Rainer Sprotte, Schulleiter an der Berufsbildenden Schule in Germersheim-Wörth skizziert das Opfer als eine Person, die sowohl von den Klassenkameraden als auch von den Lehrern sehr geschätzt worden sei. "Sie war beliebt und freundlich. Und sie war der ruhende Pol in der Klasse", sagt Sprotte, der die Hilfsbereitschaft des Mädchens als außerordentlich bezeichnet.
Nach dem Gottesdienst sagt Volker Wissing, rheinland-pfälzischer Minister für Wirtschaft, Verkehr, Landwirtschaft und Weinbau: "Ich bin sehr bewegt. Dieses Leid ist unfassbar groß - so sinnlos wurde ein junger Mensch aus dem Leben gerissen." Viele Medienvertreter kommen am Donnerstag nach Kandel. Politische Demonstrationen von Akteuren, die das Geschehen für sich instrumentalisieren wollen, bleiben aus. Alles ist ruhig an diesem traurigen Tag in der Südpfalz.
