Generalkonsul schlägt Besuch in Kallstadt vor: Kommt Trump oder kommt er nicht?
Von Carsten Blaue
Kallstadt. In Kallstadt geht es am Donnerstag eigentlich nur um eine Frage: Kommt Donald Trump oder kommt er nicht? James W. Herman ist zu Gast in dem kleinen Pfälzer Weinbauort, aus dem die Großeltern väterlicherseits des US-Präsidenten stammen. Viele sehen in der Visite des US-Generalkonsuls aus Frankfurt eine Art Vor-Tour, um zu prüfen, ob Kallstadt der Sache gewachsen wäre. Doch Herman sagt: "Es gibt keinen Plan. Und es gibt auch kein festes Datum." Er sagt aber auch: "Wir würden es großartig finden, wenn er kommt." Vorschlagen werde er es dem Präsidenten auf jeden Fall: "Ich könnte mir keinen besseren Ort für einen Besuch vorstellen. Es ist wichtig, dass wir uns an unsere Wurzeln erinnern. Ich jedenfalls werde gerne wiederkommen." Denn Kallstadt zeigt sich von seiner besten Seite.
Der Texaner Herman trägt einen hellgrauen Anzug, eine fliederfarbene Blümchenkrawatte und farblich darauf abgestimmte Socken mit gelbem Ananas-Dekor zum braunen Cowboyhut. Er ist bekannt für seine Fröhlichkeit. Das passt zu den Pfälzern. Der Karrierediplomat lacht gerne, und das hell, laut und irgendwie ansteckend. Auch gestern auf seinem Rundgang durch den Ort.
Dieser hat 1240 Einwohner, 22 Gaststätten, die blendend laufen, und unzählige Weingüter. Saumagen gibt es gefühlt an jeder Ecke und vor den Winzerstuben Weick sogar ein Saumagen-Denkmal: "Ich würd’ ihm einen anbieten. Ob er ihn isst, weiß ich nicht", sagt Thomas Weick. Er würde sich über einen Besuch von "Herrn Trump" - Weick spricht ihn wirklich mit "u" - freuen: "Aber bei uns ist jeder willkommen." Auch Herman. Ihm scheint es geschmeckt zu haben.
Außerdem versteht er sich blendend mit Ortsbürgermeister Thomas Jaworek, und der legt sich ins Zeug, erklärt seinem Gast alles auf Englisch. Erst geht es zur protestantischen St. Salvator-Kirche, durch die Pfarrer Oliver Herzog führt. Der Organist spielt Amazing Grace im dezent-barocken Gotteshaus. Für dessen Außensanierung hat Donald Trump mal 5000 Dollar gespendet. 50.000 Euro für die Renovierung der Orgel kamen allerdings von den Erben der Familie Heinz.
Auch die einst selbstständige Ketchup-Dynastie aus Pittsburgh hat ihre familiären Wurzeln in Kallstadt. Die schlichten Stammhäuser der Familien liegen ebenfalls auf Hermans Weg. Fotos vom Generalkonsul vor dem Anwesen der Trumps erlaubt Jaworek aber nicht. Er will die Privatsphäre der heutigen Bewohner wahren. "Die Bilder gibt es, wenn der Präsident kommt", sagt Herman. Es soll ein Scherz sein.
Die Polizei versucht derweil, sich möglichst unauffällig zu verhalten, ist aber trotzdem überall zu sehen. Eine Streife fährt sogar durch die Weinberge oberhalb der Silvaner-Lage "Saumagen". Hier posiert Herman vor Weinreben ein letztes Mal für die Fotografen, lobt nochmals überschwänglich die Gastfreundschaft in Kallstadt und ist dann bald weg. Jetzt können sie im Ort weiterspekulieren.
"Ich bin sicher, dass es die Bevölkerung auf sich nehmen würde, wenn Trump käme", sagt Jaworek. So richtig euphorisch sind sie aber wohl nicht. "Mir wär’s egal", meint ein Winzer vor dem Weingut Christ. "Ich gehe davon aus, dass er kommt", so Lokalhistoriker Roland Paul, der die Geschichte der Trumps bestens kennt und darauf verweist, dass noch heute Cousins und Cousinen zweiten Grades des Präsidenten im Ort leben.
Jaworek ist sich nicht so sicher: "Ich glaube nicht, dass er das für sich braucht. Höchstens, wenn es ihm seine Berater empfehlen. Aber wenn er kommt, dann soll er mit einem guten Gefühl wieder wegfahren." Das dürfte sich Jaworek auch für Richard Grenell wünschen. Dieser ist noch gar nicht neuer US-Botschafter in Deutschland. Herman kündigte dessen Besuch in Kallstadt aber trotzdem schon mal an. Als nächsten Schritt.
