Adler Mannheim: Noch nicht alle Hausaufgaben erledigt
Von Rainer Kundel
Mannheim. Einem Interview mit dem Magazin Eishockey News zufolge wird sich das Präsidium des Deutschen Eishockey-Bundes (DEB) mit Präsident Franz Reindl und den Vizepräsidenten Daniel Hopp (Verantwortungsbereich Profiligen), Berthold Wipfler (Walldorf/Finanzen/Nachwuchs) sowie Marc Hindelang (Lindau/Regionalverbände) bei der Mitgliederversammlung am 9. Juni 2018 erneut zur Wahl stellen. "Wir haben viele Dinge auf den Weg gebracht, die Entwicklung stimmt, aber wir sind noch lange nicht am Ziel", sagt dabei Reindl. "Wir wollen in den kommenden vier Jahren das Eishockey noch weiterbringen." Die Entscheidung sei ihm nicht leicht gefallen, sagte der Garmischer Reindl. "Neben einem guten Auftritt bei den Olympischen Spielen ist es wichtig, dass wir jetzt verstärkt und tiefer in die Nachwuchsarbeit einsteigen."
Die Forderung nach einer besseren Integration der Talente aus dem Jungadler-Projekt griff auch Matthias Binder, Geschäftsführer der Adler Mannheim, bei der Vorstellung von Bill Stewart am 5. Dezember explizit auf. "Unsere Aufgabe muss es sein, mehr unserer Talente aus dem Jungadler-Projekt bei den Profis zu integrieren". Derzeit stehen mit Denis Reul und Matthias Plachta nur zwei im eigenen Nachwuchs ausgebildete Akteure im Aufgebot. Vier weitere - Maginot, Lambacher, Pantkowski (Kassel) sowie Proske (Frankfurt) - stehen über Förderlizenzverträge oder Ausleihe im dem Zugriff der Adler.
Die deutsche Fraktion im DEL-Team (Niki und Marcel Goc, Kink, Ullmann) hat teilweise die 30-Jahre-Grenze und ihren sportlichen Zenit überschritten. Statt während des Höhepunkts der Verletzungsserie Mitte Oktober Vertrauen in Nachwuchskräfte wie Rogl und Maginot zu setzen, verpflichtete man mit Mark Stuart einen in der NHL ausgemusterten Verteidiger, der auch nach vier Monaten in der DEL läuferisch und stocktechnisch abfällt.
Als Stuart im Oktober unter Vertrag genommen wurde, war in der gleichen Woche mit James Wiesniewski (576 NHL-Einsätze) ein weitaus spielstärkerer Verteidiger auf dem Markt - er spielt in der zweiten Liga für Kassel, wird dort als bester "Blue-Liner" der Klubgeschichte gefeiert und nimmt für die USA beim Olympischen Eishockeyturnier in Südkorea teil.
Bereits in der Vergangenheit haben mit Brückmann, Mauer, El-Sayed, Höfflin und Kurth starke deutsche Spieler dem Klub den Rücken gekehrt, weil sie entweder keine Entwicklungsmöglichkeit sahen oder aber wie Mauer von gleich mehreren Trainern weggemobbt wurden. Als der ehemalige Jungadler Lukas Laub nach seiner Rückkehr aus den USA und einem herausragenden Jahr in Frankfurt sich einem DEL-Klub anschließen wollte, entschied sich der gebürtige Rosenheimer erst spät im Sommer für die Düsseldorfer EG, weil er dort die besten Chancen auf einen Stammplatz sah - und lag richtig.
Derzeit spielen mit Kopp (Salzburg), Eckl, Kälble, Michaelis, Tuomie, Möser, Napravnik und Pokorny (alle Nordamerika) acht Talente aus verschiedenen Jungadler-Meistermannschaften im Ausland. Auch die hochtalentierten Torhüter Pantkowski (an Kassel ausgeliehen) und Proske (Förderlizenz Frankfurt) sehen aufgrund des Langfristvertrages für Dennis Endras (bis 2022) keine Chance.
Man darf gespannt sein, wie der Klub von DEB-Vorstandsmitglied Daniel Hopp nach der Entscheidung für Trainer Pavel Gross das Thema angehen wird. In Wolfsburg stellte sich für den ab 1. Mai übernehmenden Trainer das "Problem" nicht - die Grizzlys verfügen nur über unterklassige Nachwuchsmannschaften. Auch sonst haben die Adler ihre Hausaufgaben noch lange nicht erledigt. Die Verpflichtung eines Sportmanagers, der in Zusammenarbeit mit dem Coach den Klub neu ausrichtet und den über die Jahre entstandenen "Klüngel" auf links dreht, ist nicht weniger bedeutsam wie die Entscheidung für Gross selbst.
