Walldorf: Die Orgel erstrahlte in ihrer ganzen Pracht
Von Maria Bierwald
Walldorf. Die evangelische Kirchengemeinde Walldorf hatte allen Grund zur Freude. Mit einem festlichen Einweihungskonzert feierte man den Abschluss der Renovierungsarbeiten an der Steinmeyer/Späth-Orgel. Seit Mai waren die Arbeiten an der Orgel in vollem Gang. Die Orgel musste vom Staub und Schmutz der letzten zwanzig Jahre gereinigt werden. Filze und Regler waren verschlissen, der Motor altersschwach und die Elektrik entsprach auch nicht mehr den heutigen Sicherheitsstandards. Aber nicht nur eine Generalsanierung war der Auftrag für die Orgelbauer, auch einige technische Details wurden praktischer gelöst: Eine Setzeranlage ermöglicht nun das Vorprogrammieren der Registrierungen in bedeutend größerem Umfang als bisher.
Der Klang der Orgel sollte durch den zusätzlichen Einbau von vier neuen Registern abgerundet und erweitert werden. Neu sind jetzt ein Register Traversflöte 8‘, eine Viola 8‘, eine Schwebung 8‘ und eine Offenflöte 8‘. Das Clairon 4‘ wurde durch den zusätzlichen Einbau von zwölf Pfeifen zu einer Trompete 8‘ gerückt. Ein neuer Engprinzipal 4‘ ersetzt die Zimbel. Orgelbaumeister Reiner Janke wandte mit seinen Helfern für jede der fast 2500 Pfeifen etwa eine halbe Stunde auf, um sie neu zu intonieren. Möglich wurde die Finanzierung des Projekts durch viele private Spender.
Ein neuer Klang
Pfarrerin Wibke Klomp zeigte sich in ihrer Begrüßung erfreut und dankte allen, die das Projekt unterstützt und begleitet haben. Und in der Tat: Das Ergebnis kann sich hören lassen. Jan-Luca Lentz eröffnete das Konzert mit einer rhythmisch-lebendigen Toccata im 7/8-Takt des englischen Kirchenmusikers John Rutter. Carsten Klomp begrüßte das Publikum im Namen der Organisten von der Orgelempore und berichtete über die Orgelrenovierung und das veränderte Klangbild in nun 38 Registern. Mit seinem eigenen Choralvorspiel über den Choral "Wie schön leuchtet der Morgenstern" vermittelte er einen Eindruck vom neuen Klang in neuer Kirchenmusik mit gospelartigen Elementen. Die Gemeinde war anschließend aufgefordert, den Choral zu singen, und tat das offensichtlich gerne.
Zarte, traditionelle Klänge in getragenem Tempo waren dann von Jan-Luca Lentz mit einer frühbarocken Toccata von Girolamo Frescobaldi zu hören. Durch die klangliche Erweiterung ist die Orgel nun auch für die romantische Orgelmusik besonders gut geeignet. Eine Kostprobe französischer Orgelmusik von Louis Vierne gab Jutta Stempfle-Stelzer mit dessen keckem "Carillon". Aus der gleichen Sammlung trug Patrick Mörtel eine "Berçeuse" bei, die äußerlich der Bewegung eines zärtlichen Wiegenlieds entsprach, jedoch harmonisch spannend aufgebaut ist. Hier kam eine sehr hohe, strahlend helle Klangfarbe zum Einsatz.
Vom gleichen Komponisten gab es noch zwei Stücke aus dessen "Pièces de Fantaisie": eine Toccata, gespielt von Patrick Mörtel und das "Carillon de Westminster". Hier hat der Komponist Louis Vierne den berühmten Glockenschlag der Westminsterabtei in London eingebettet in ein einfallsreiches Orgelstück, bei dem man förmlich den Wellenschlag am Ufer der Themse hört und die funkelnden Lichtreflexe auf dem Wasser in Töne umgesetzt erleben kann. Carsten Klomp machte dieses Tongemälde hörbar.
Dass die Orgel die Menschen auch bei traurigen Ereignissen begleitet, machte Jutta Stempfle-Stelzer mit dem Präludium zum Psalm 137 deutlich. "An den Strömen von Babel saßen wir und weinten, wenn wir an Zion dachten." Die schlichte Melodie in Moll ähnelte dabei einem althebräischen Gesang. Von Jehan Alain spielte Patrick Mörtel aus seinen "Litanies". An diesem kontrastreichen, rhythmischen Stück zeigten sich klangliche Extreme der neu renovierten Orgel: strahlende Höhe, dumpfe Tiefe und ein langer Aufbau mit immer größerer Klangfülle. Jan-Luca Lentz hatte vom gleichen Komponisten noch eine geheimnisvolle phrygische Ballade beizutragen.
Weihnachtliches zum Schluss
Ein weihnachtliches Hirtenstück aus dem Barock war dann von Patrick Mörtel zu hören mit "Gay bergier a quattro voces" von Francisco Correa de Arrauxo. Da man den Hirten immer gerne die Schalmeienklänge zuordnet, kamen hier die Zungenregister in allen Lagen zum Einsatz. Mit "Allein Gott in der Höh sei Ehr" von Johann Sebastian Bach blieb es weiter beim weihnachtlichen Gotteslob der himmlischen Heerscharen. Carsten Klomp steuerte noch eine originelle Eigenkomposition bei: Mit seinen "Variationen über kein französisches Weihnachtslied" hat er tatsächlich den Charakter dieser Lieder gekonnt imitiert. Humorvoll setzte er dabei die verschiedenen Klangfarben in Szene. Klingend und strahlend, gedämpft, mit einer Anspielung auf "Take five", mit wellenartigen Tonleitern und Umspielungen, mit jazzigen Vorschlägen und dem Einsatz des Tremulanten fand er schließlich zu einem wilden und aufgewühlten Schluss. Ohne Pause ging er zu dem "O Du fröhliche" zum Mitsingen über.
Die Organisten ernteten reichlich begeisterten Applaus, ebenso die beiden Vertreter der Orgelbauer, die nach dem Konzert noch lange gemeinsam mit den Organisten bereit waren, die Fragen des interessierten Publikums zur Orgelrenovierung geduldig zu beantworten.
