Bürgermeisterwahl in Hüffenhardt: Wer darf die nächste Ära einleiten?
Von Heiko Schattauer
Hüffenhardt. Soll die Gemeinde Hüffenhardt weiter von Amtsinhaber Walter Neff geführt werden? Oder setzt man auf Veränderung und schenkt Herausforderer Armin Hagendorn das Vertrauen? Antwort auf diese Fragen wird es am Sonntagabend geben, wenn in der 2000-Seelen-Gemeinde die Stimmzettel für die Bürgermeisterwahl ausgezählt sind. Wahlberechtigt sind 1728 Einwohner, die entscheiden sollen, wer die Geschicke in Hüffenhardt und Kälbertshausen in den kommenden acht Jahren leitet.
Um gleich mit der Tür ins Haus zu fallen: Warum sollten die Bürger in Hüffenhardt und Kälbertshausen am Sonntag ihr Kreuzchen hinter Ihrem Namen machen?
Walter Neff: Meine Heimatgemeinde liegt mir sehr am Herzen, schließlich bin ich nicht nur hier aufgewachsen, sondern seit 1986 bei der Gemeinde beschäftigt, die letzten acht Jahre habe ich mich als Bürgermeister mit ganzer Kraft für die Belange der Gemeinde eingesetzt und würde das gerne weiterhin tun. Die Bürgerinnen und Bürger können mich einschätzen und wissen um meine Charaktereigenschaften und Amtsführung.
Armin Hagendorn: Indem ich als Bürgermeister keine Hauruck-Entscheidungen fällen würde, womöglich nichtöffentlich, und damit die Menschen überfahre, sondern indem ich die Bürgerschaft von vornherein einbinden werde in grundlegende Entscheidungen, lässt sich verloren gegangenes Vertrauen zwischen Bevölkerung und Verwaltung zurückgewinnen. Im Gemeinde- und Ortschaftsrat beschließt es sich leichter, wenn man Volkes Meinung kennt.
Was hebt Sie von Ihrem Mitbewerber ab? Wo sehen Sie die Unterschiede, die möglicherweise wahlentscheidend sein könnten?
Walter Neff: Ich habe meine Auffassungen der Wählerschaft vorgestellt: Gemeinsam in die Zukunft - ein partnerschaftliches Miteinander aller Beteiligten und eine gesunde Entwicklung der Gemeinde. Dafür stehe ich ein, damit Hüffenhardt eine lebens- und liebenswerte Wohnortgemeinde sein kann. Nun müssen die Wählerinnen und Wähler beurteilen, ob dieses Ziel mit der eigenen Auffassung in Einklang steht.
Armin Hagendorn: Ich bin nicht Mitglied der SPD und wäre als parteiloser Bürgermeister auch keiner anderen Partei verpflichtet. Wie ich höre, vermissen viele Bürger an der Spitze des Rathauses Führungsstärke, Visionen, transparentes und verlässliches Verwaltungshandeln. Genau dafür trete ich an!.
Mit Hüffenhardt hat man zuletzt vor allem auch das Thema Windkraft verbunden. Mit kurzem Blick zurück, ins Hier und Jetzt und nach vorn: Ist das Thema erledigt? Wie ist Ihre Einschätzung?
Walter Neff: Für mich ist das Thema Windkraft auf gemeindeeigenen Flächen kein Thema mehr. Die Bürgerschaft hat sich klar und deutlich dagegen ausgesprochen. Dieses Votum respektiere ich und handle danach. Ich würde mir wünschen, dass die Bürgerschaft als solche nun wieder zusammenfindet und sich auf ihre Stärke, die Gemeinschaft, beruft. Denn: Das Thema hat leider auf der persönlichen Ebene vielfach Spuren hinterlassen.
Armin Hagendorn: Ja, das Thema Windkraft auf der Gemarkung Hüffenhardt hat sich erledigt.
Überregional ins Gespräch kam Hüffenhardt auch aufgrund des Hin und Hers um den DocMorris-Arzneimittelabgabeautomaten. Wie stehen Sie zu diesem Streitfall?
Walter Neff: Ich bin weder Lobbyist der Apotheker noch eines Konzerns. Wir konnten 2015 keinen Apotheker als Nachfolger für die örtliche Apotheke gewinnen. Mir ist eine Versorgung mit Medikamenten und Beratung wichtig. Deshalb setze ich mich dafür ein, für meine Gemeinde und grundsätzlich für den ländlichen Raum, dass die Versorgung mit Medikamenten auch auf andere, sichere Weise möglich ist. Deshalb: Ja zu neuen Versorgungsformen.
Armin Hagendorn: Obwohl ein ortsansässiger Interessent in der ehemaligen Brunnen-Apotheke eine klassische Apotheke betreiben wollte, ließ sich unser Bürgermeister auf DocMorris und deren umstrittenes, internetbasiertes Geschäftsmodell ein - mit dem Ergebnis, dass Hüffenhardt nun ohne Apotheke dasteht. Nachdem Apothekenverbände und Gesundheitsexperten seit Jahren vor DocMorris warnen, war diese Pleite für jeden absehbar.
Weg vom Überregionalen, hin zum Örtlichen: Was sind die Hüffenhardter Themen der kommenden Jahre? Wo sehen Sie den größten Handlungsbedarf?
Walter Neff: Die Aufgaben sind vielseitig und umfangreich. Es gilt insgesamt, die Gemeinde auf einem guten Weg zu halten und weiterzuentwickeln. Den Bereich Bildung und Betreuung gilt es weiterhin im Auge zu behalten, ggf. weiterzuentwickeln, aber auch die innerörtlichen Strukturen zu sichern und stärken sowie Baumöglichkeiten zu schaffen. Bestehende Infrastrukturen, z.B. Straßen und die Beleuchtung, müssen ertüchtigt werden.
Armin Hagendorn: Nahversorgung ausbauen - Einkaufsmarkt in Hüffenhardt, Marktstand auch in Kälbertshausen. Bessere Busverbindungen - aber nicht mit einem Bürgerbus (s. u.). Wohnraum schaffen - dazu innerorts Baulücken schließen und Gebäudebrachen ersetzen oder sanieren sowie maßvoll neue Bauplätze ausweisen. Wo die weitere Reise hingeht, will ich mit der Bürgerschaft in einer Art Masterplan verbindlich verabreden.
Bei der Kandidatenvorstellung wurden vonseiten der Bürger auch die Umstellung der Straßenbeleuchtung auf LED-Technik, die Parkplatzsituation in der Hauptstraße und der Bürgerbus thematisiert...
Walter Neff: Themen, die die Wähler bewegen - Zunächst werden nicht mehr zugelassene Leuchtmittel durch LED-Leuchten ausgetauscht. Später werden die vergleichsweise weniger stromfressenden Natriumdampfleuchten ersetzt. - Parkplätze… sind ausreichend vorhanden. Sie müssen aber genutzt werden. - Der Bürgerbus wurde in einem Grundsatzbeschluss des Gemeinderates auf den Weg gebracht - hier gilt es, das Projekt weiter zu entwickeln.
Armin Hagendorn: Ich würde Straßenlampen konsequent auf Strom sparende LED-Technik umrüsten - der Umwelt und dem Gemeindesäckel zuliebe. Halbgare Bürgerbuspläne lehne ich ab, weil Hüffenhardt dabei draufzahlen würde. Lassen wir uns da nicht von Haßmersheim über den Tisch ziehen! Wenn Gespräche und Appelle gegen notorisches Falschparken nicht fruchten, muss man Vergehen härter ahnden, auf dass es rücksichtslosen Autofahrern weh tut.
Auch in kommunalpolitischen Diskussionen fällt immer wieder das Schlagwort Transparenz. Wie sehen sie Hüffenhardt da aufgestellt? Ist der Austausch zwischen Verwaltung, Gemeinderat und Bürgern ausreichend offen und konstruktiv?
Walter Neff: Aus meiner Sicht "Ja". Der Austausch zwischen bzw. mit Verwaltung, Gemeinderat und der Bürgerschaft ist möglich und gewünscht. Informationen sind vorhanden, diese können abgegriffen werden. Aus der Vergangenheit nehme ich jedoch mit, dass diese vorhandenen Informationen besser dargelegt werden müssen und deutlicher transportiert werden müssen. Ich bin für den direkten, konstruktiven Austausch mit den Bürgern offen.
Armin Hagendorn: In unserem Rathaus wird viel zu vieles nichtöffentlich verhandelt. Das sät Misstrauen und ist nicht mehr zeitgemäß. Mit Hilfe der modernen elektronischen Medien kann man die Bürgerschaft schnell und preiswert umfassend informieren - etwa, indem man Dokumente zeitnah im Internet veröffentlicht. Da würde sich mit einem Bürgermeister Armin Hagendorn einiges ändern!
Vom Kreistag gab’s unlängst ein Geschenk in Form der Kreisumlagensenkung. Wenn Sie sich für Hüffenhardt noch etwas - vom Kreis, vom Land, vom Bund - wünschen dürften: Was wäre das?
Walter Neff: Festzustellen ist aus meiner Sicht, dass immer mehr Aufgaben bzw. Forderungen von oben nach unten, sprich vom Bund und Land auf die Kommunen, verlagert werden. Das kann man tun. Aber nicht ohne vollständigen Kostenausgleich. Den kommunalen Körperschaften wird immer mehr aufgebürdet, ohne für den entsprechenden finanziellen Mittelausgleich zu sorgen.
Armin Hagendorn: Es wäre nur recht und billig, wenn Bund und Länder die Gemeinden insgesamt finanziell besser ausstatten. Hüffenhardt wäre flächendeckend leistungsstärkeres Internet (50-100 Mbit) zu wünschen, was ich inzwischen zur Grundversorgung zähle wie fließend Wasser und Strom. Würden sich Bund/Land stärker am Aufbau der digitalen Infrastruktur gerade auf dem flachen Land beteiligen, könnten sich die Nutzer über sinkende Gebühren freuen.
Wünsche und Hoffnungen begleiten auch den Sonntag. Wie muss der Wahltag laufen, damit Sie am Abend ein positives Fazit ziehen können?
Walter Neff: Der Wahltag muss so laufen, dass viele Bürgerinnen und Bürger zur Bürgermeisterwahl gehen und somit eine hohe Wahlbeteiligung zustande kommt. Sofern sich die Mehrheit der Wählerinnen und Wähler dabei für meine Person entscheidet, wäre das für mich persönlich das beste Fazit.
Armin Hagendorn: Ich bitte jede Bürgerin und jeden Bürger von Herzen, wählen zu gehen. Damit unsere schöne Gemeinde wieder Tritt fasst. Jede Stimme zählt!
