Eberbach: Aalschokker legt am Neckarlauer an
Eberbach. (cum) Am Eberbacher Neckarlauer legen nicht nur im Sommer Sportboote an. Seit Mittwochabend liegt dort eine eher ungewöhnliche Yacht vertäut: der unter holländischer Flagge fahrende frühere Aalschokker "Geertruid".
Kurz, nachdem das Hochwasser abgeebbt ist, ist Kapitän Stephan Wawrzinek mit dem Schiff auf dem Weg ins Winterquartier in Haßmersheim - langsam, sehr langsam, gegen die nach wie vor starke Strömung des Neckars. Rund zehn Stunden hat er mit dem 40-Tonner von Feudenheim nach Eberbach gebraucht. "Jeder Fußgänger hat uns bald überholt", sagt der Tübinger, dem das Boot gemeinsam mit der Eberbacherin Moni Steinle gehört.
Mit Aalschokkern wurden früher auf Rhein, Maas und Weser, in der Nordsee und im Ijsselmeer Aale gefischt. Die "Geertruid" mit ihrem markanten nach oben gebogenen Bug und dem großen Blattruder am Heck wurde 1925 in Düsseldorf gebaut. "Genietet, nicht geschweißt", wie Wawrzinek sagt. Ursprünglich hatte sie keinen Motor, sondern einen kleinen Mast mit Segeln. Das Ruder wurde über eine Stange von Hand gedreht.
Aalfischerei im Rhein gibt es inzwischen so gut wie keine mehr. Vor 40 Jahren wurde die "Geertruid" außer Dienst gestellt und Schritt für Schritt umgebaut - zu einem schmucken und vor allem geräumigen Kajütboot. Erst vor 30 Jahren wurde ein Motor eingebaut. Das Schiff hat noch einen umklappbaren Mast, der dient aber nur zur Beflaggung.
Im Innern der "Geertruid" ist viel altes Holz zu sehen. Vom Führerstand geht es über eine Treppe in ein geräumiges Wohnzimmer mit großer halbrunder Sitzecke und Einbauküche. Zum Bug hin sind zwei gemütliche Schlafkojen mit kleinen Bullaugen untergebracht.
4,60 Meter breit ist das Schiff und amtlich vermessen 14,99 Meter lang - damit darf es als 15-Meter-Boot auch noch mit einem Sportbootführerschein gefahren. Mit seinem flachen bauchigen Rumpf und einem Tiefgang von 1,10 Meter ist auch für flaches Gewässer geeignet.
Wawrzinek hat das Schiff, wie er erzählt, vor drei Jahren über eine Anzeige entdeckt. Gemeldet ist es im niederländischen Maasbracht in der Nähe von Aachen, dort wo kurz nach seinem Verkauf das Fahrgastschiff "Burg Eberbach" ausbrannte. Eigentlich wollte Wawrzinek schon im November die rund 600 Kilometer ins Winterquartier rhein- und neckaraufwärts schippern, doch nicht funktionierende Schleusen und Hochwasser machten ihm einen Strich durch die Rechnung.
An der Zwischenstation am Eberbacher Neckarlauer werden jetzt 1500 Liter Öl gebunkert. Im Winterquartier in Haßmersheim soll das Schiff wieder auf Vordermann gebracht werden.
Wawrzinek hat mit der "Geertruid" noch einiges vor: "durch Europa tuckern" will er mit dem Schiff. Die Müritz ist eines der nächsten Ziele, auf lange Sicht will er die komplette Donau runter bis ans Schwarze Meer. Bis Samstag liegt er noch am Eberbacher Neckarlauer. Die Stadt am Neckar gefällt dem ursprünglich aus Bremen stammenden Skipper ausgesprochen gut: "Landschaftlich mit dem Hinterland und infrastrukturmäßig ist alles da."
Im Frühjahr, wenn es wieder auf die Reise geht, will er mit der "Geertruid" erneut vorbeikommen.
