"Schüler machen Zeitung": Erst Frühstück, dann Fotoshooting
Von Holger Buchwald
Heidelberg. Manche Schüler, wie Arne Becker (15), wollen sich nicht auf ein Thema festlegen. Andere wie Laura Hartel (14), selbst begeisterte Tennisspielerin, liest als erstes den Sportteil. Beim Zeitungsfrühstück der Klasse 9c des Helmholtz-Gymnasiums hatten sie gestern in den ersten beiden Unterrichtsstunden erstmals die Möglichkeit, nach Herzenslust in ihrer eigenen RNZ zu stöbern. Sie gaben damit zugleich den Startschuss für "Schüler machen Zeitung" - das gemeinsame Projekt von Rhein-Neckar-Zeitung und Sparkasse Heidelberg.
Deutschlehrer Patrick Hegedüs hat für den Unterricht Brötchen mit Marmelade und Nuss-Nougat-Creme besorgt. Die 31 Jugendlichen greifen gerne zu, als Beilage gibt es die Zeitung. Rund zwei Drittel der Schüler kennen die RNZ bereits, weil ihre Eltern sie abonniert haben. Bei der Frage, ob sie denn auch regelmäßig darin lesen, gehen jedoch nur wenige Finger hoch.
Das wird sich zumindest in der nächsten Zeit ändern. Die 9c des Helmholtz-Gymnasiums ist nämlich eine von 20 Heidelberger Schulklassen, die sich an der Aktion beteiligen. Rund 500 Schüler bekommen von nun an sechs Wochen lang jeden Tag ihre eigene RNZ in den Unterricht geliefert. Im Deutschunterricht stehen der Aufbau der Zeitung und die unterschiedlichen journalistischen Stilformen auf dem Stundenplan.
Zudem dürfen die Jungreporter in der zweiten Phase des Projekts auch selbst recherchieren und eigene Texte schreiben. Die Besten werden in der RNZ veröffentlicht. Die Autoren bewerben sich damit zugleich um einen Preis, den die Sparkasse Heidelberg auslobt. Für die interessantesten Artikel gibt es 300, 200 und 100 Euro für die Klassenkasse.
Beim Besuch des Redakteurs stellen die Schüler neugierig Fragen: Was ist der Unterschied zwischen einem Journalisten und einem Redakteur? Wer entscheidet eigentlich, was in die Zeitung kommt? Sind die Textlängen vorgegeben? Wie kommt man eigentlich zu diesem Beruf? Und was wollen Journalisten mit ihrer Arbeit erreichen? Die ersten Schritte als Autoren dürfen die Jugendlichen bald selbst gehen. Bis es so weit ist, wird aber erst einmal gelesen, um die Zeitung besser kennenzulernen.
Außer Sport interessiert sich Laura Hartel für Umweltthemen und Verbrechen. Ihre Freundin Nadège Paxion (14) hingegen wünscht sich lieber außenpolitische Themen. Kein Wunder: Sie kommt aus einem französisch-russischen Elternhaus - und findet Emmanuel Macron viel besser als seinen Vorgänger François Hollande. Bei solchen Unterhaltungen vergehen zwei Unterrichtsstunden wie im Flug, doch kurz vor dem Englisch-Vokabeltest wird das Zeitungsfrühstück unterbrochen: Es geht auf den Schulhof zum Fotoshooting. Denn auch das macht eine gute Zeitung aus: viele schöne Bilder.
