Uni-Klinik Mannheim: Mehr Routine für die Notfallbehandlung kleiner Patienten
hwz. Bei weniger als drei Prozent der lebensbedrohlichen Notfalleinsätze am Universitätsklinikum Mannheim sind laut Ärztlichem Direktor und Geschäftsführer Prof. Dr. Frederik Wenz Kinder betroffen. Dennoch müssen Ärzte und Pflegekräfte trotz fehlender Routine auf einen solchen Ernstfall optimal vorbereitet sein. Dazu tragen ab sofort zehn spezielle Baby- und Kinder-Reanimationspuppen bei, die die Stiftung Paula Wittenberg mit Sitz in Neustadt dem Kinderzentrum als Ersatz für die bisherigen gespendet hat.
Neben den Simulationspuppen im Wert von 30.000 Euro stellt die Stiftung weitere 20.000 Euro für Schulungsangebote zur Verfügung. Die neuen Puppen decken das gesamte Spektrum vom frühgeborenen, gerade einmal 1500 Gramm leichten Säugling bis zu Kindern im Schulalter ab. Von der einfachen Herzdruckmassage bis hin zum Legen von Venenzugängen oder dem Setzen einer Knochennadel zum Verabreichen lebensrettender Medikamente können vom Fachpersonal alle wesentlichen Schritte der Reanimation trainiert werden.
Aus Sicht von Toni Jung, Funktionsoberarzt an der Klinik für Neonatologie, sind insbesondere die unterschiedlichen Inkubationsköpfe von großem Nutzen, da an ihnen das Intubieren der zarten Atemwege von Kindern geübt werden kann. "Wir sind sehr dankbar, dass wir die geeigneten Puppenmodelle selbst auswählen konnten", betont Klinikdirektor Prof. Dr. Thomas Schaible. Bewusst habe man daher Atemwegssimulatoren angeschafft, die aufgrund von geschwollenem Zungengrund oder anatomischen Anomalien erschwerte Bedingungen für das Einführen der Röhre in die Atemwege darstellen. Da die Anzahl der Frühgeborenen zunehme, komme auch der Frühchen-Puppe eine besondere Bedeutung zu. "Aktuell haben wir pro Jahr etwa 60 Neugeborene unter 1500 Gramm", erklärt Schaible.
Die Stiftungsgründer Elke und Lars Wittenberg verloren 2004 ihre damals vierjährige Tochter Paula. Als sie nach einer Mandeloperation aufgrund unbemerkter Nachblutungen in der Klinik kollabierte, hatten weder der anwesende Krankenhausarzt noch das medizinische Personal sie reanimieren können und erschienen den Eltern überfordert. Sie beschlossen, die Stiftung Paula Wittenberg zu gründen mit der Hauptaufgabe, die Notfallhilfe für kleine Patienten entlang der gesamten Rettungskette zu verbessern. Seit 2009 wurden vier speziell ausgestattete Kindernotarztfahrzeuge angeschafft, zwei für Mannheim sowie jeweils eins für Mainz und Saarbrücken.
